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Marokko,  Reisen mit dem Van

Marokko mit dem Campervan – von München nach Marokko

Wir verbrachten jeweils mit unseren Familien die Weihnachtsfeiertage, saßen aber insgeheim auf heißen Kohlen: Es geht bald los! Unsere Reise nach Marokko – nach all den Recherchen, Erledigungen und letzten Arbeiten an Franzek – jetzt ist es so weit. In dem Video seht ihr unsere Route von München nach Algeciras, die Überfahrt nach Afrika und die ersten Tage in Marokko.

München nach Mohammedia (2020) | Marokko mit dem Campervan | 3.000km in vier Tagen
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Tag 1: zweiter Weihnachtsfeiertag, Abfahrt München bei 4°

Es ist 7.30. Die Fahrt beginnt mit Sonne und  Nebel im Wechsel. Heutiges Ziel ist Frankreich, wir tanken kurz vor der Grenze in Kehl, passieren um 11.30 den Rhein und somit die Grenze und fahren durch Straßbourg. Wohin es uns heute genau verschlägt ist noch offen. Im Radio hören wir dass die Tage wieder länger werden, aber ab 15.30 fängt es zu dämmern an und damit wird es Zeit uns einen Stellplatz zu suchen:

Mit der App park4night haben wir alle Camping- und Stellplätze auf dem Radar. Die Campingplätze haben zu dieser Jahreszeit in Frankreich geschlossen, so bleiben uns noch die eingetragenen Stellplätze wo man gegen etwas Geld eventuell das Minimum an Ausstattung bekommt: Wenn man Glück hat Strom und Toilette. Wir fahren noch weiter bis es dunkel wird, passieren noch ein paar dunkle Ortschaften und erreichen um 19.15  die kleine Gemeinde Archignat.

Das 350 Seelendorf hat tatsächlich einen Stellplatz, der so einsam wie das ganze Dorf ist. Wen verschlägt es auch im tiefsten Winter hierher? Wir erahnen im Dunkeln die Anmutung des Ortes: Alte Steinhäuser, ein See in der Nähe. Auf dem Stellplatz: keine Toilette, aber dafür Strom. Wir bezahlen 9,- für die Nacht inkl. Strom die wir in einen Briefkasten schmeissen, merken kurze Zeit später, unsere Kabeltrommel funktioniert nicht. Na toll, ohne Strom, kein Heizlüfter.

Marek und ich üben uns in den Handgriffen welche wir die nächsten Wochen immer wieder brauchen werden: Verdunkelungsmatten anbringen, Auffahrkeile auffahren, Drehsitz umdrehen, Lampe anbringen, Gaskocher auspacken. Wir haben unser frisches System das wir selbst noch besser kennenlernen müssen. Heute gibt es einen Topf zu Hause vorbereitetes Chilli con Carne, man darf es sich für den Anfang auch leicht machen und sitzen noch ein bisschen im Bus gemütlich zusammen und gehen früh schlafen.


Aire Municipale, Rue des Chalets, 03380 Archignat,
Koordinaten: N 46.37338, E 2.42398 / N 46°22’24”, E 2°25’26”

Tag 2: weiter nach Spanien, Tordesillas, 2°

Nach einem Kaffee in Dunkelheit und Kälte sind wir um 7.00 Uhr morgens wieder auf der Strecke. Es regnet. Weihnachtsplätzchen sind unser Frühstück. Wir kommen in Südfrankreich an, fahren an Bordeaux vorbei und sehen das erste Mal auf dem Weg das Meer.

Mittags machen wir in Labouheyre eine Pause beim Intermarche und schmieren uns französische Baguettes. Wir sind kurz vor Spanien, entscheiden uns vor Biarritz für die Autobahn und umgehen die Städte an der Küste und sparen uns somit etwas Zeit. Nach San Sebastian geht es wieder runter von der Autobahn, weiter auf die Autovia. 

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Wir fahren durch das Baskenland und verlassen die Küste, fahren an Burgos vorbei. Nebel begleitet uns. Es wird überraschend kalt. Die Strecke durch Extremadura kommt uns auch ziemlich extrem vor, es hat 0° und wir haben etwas Respekt vor der Nacht ohne Heizlüfter. Wir landen diesen Abend um 19.30 in Tordesillas und bleiben in einem Hotel für 45,- übernacht. Die Restaurants öffnen langsam ab 20 Uhr, unser Hunger passt nicht zu den spanischen Essenszeiten, doch wir finden eine Tapas Bar die uns mit Sopa Castilliana, Pulpo und Lachs versorgt. Nach dem langen Tag genießen wir noch eine heiße Dusche im Hotelzimmer, dann fallen wir ins Bett.

Tag 3: wir erreichen Carlos und den Fels von Gibraltar

Der Tag beginnt mit Baguettes im Hotelzimmer schmieren, Marek testet die Kabeltrommel nochmal und zum Glück, sie geht doch! Wir starten im Dunkeln, der Sonnenaufgang wird später und später, heute um 8.30 Uhr.

Gut ausgeschlafen fahren wir die ersten Kilometer wieder im Nebel. Nachmittags gegen 14.00 fahren wir an Sevilla vorbei, 2 Stunden später schon unser Tagesziel: Algeciras. Der Fels von Gibraltar blitzt auf einmal hervor, was für ein beeindruckender Anblick!

In allen Blogs und Foren liest man von dem Ticketkauf bei Carlos. Auch wenn es auf dem Weg viele andere Ticketshops für die Überfahrt gibt, wir machen es genau so uns stehen in dem kleinen Büro von Carlos!

Vor uns und nach uns reihen sich die älteren WOMO-Besitzer – hauptsächlich aus Frankreich und Deutschland die zum Ticketverkäufer ihres Vertrauens gehen: Denn angeblich ist Carlos einfach fair, gibt einem die besten Tipps, warnt einen vor Tricksereien – und macht vor allem keine Geschäfte mit Schleppern.


Agence Voyage Ticket Bateaux Tanger, Calle Fragata, 32, 11379 Los Barrios, Cádiz, Spanien
Koordinaten: 36°10’49.1″N 5°26’27.5″W / 36.180310, -5.440984

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Beim Kauf unserer flexiblen Tickets für die Hin- und Rückfahrt für 200,- erhalten wir eine Flasche Cidre und Kekse als Geschenk obendrauf. Wir nutzen die frühe Ankunft in Algeciras und erledigen die letzten Besorgungen:

Wir decken uns für Marokko ein und kaufen was man mitnehmen darf:
2 Paletten Bier, 2 Flaschen Wein, 1 Flasche Vodka und Toilettenpapier. Gegen Abend kommen wir in Linea de la Conception am Campingplatz an, es hat angenehme 16°, duschen, es gibt nochmal Chilli, um 18.30 ist es dunkel.

Nun fühlt es sich an als ob wir unser erstes Ziel erreicht haben und die Vorfreude ist groß dass wir morgen einen neuen Kontinent betreten: Afrika!


Camping Sureuropa, Camino Sobrevela, s/n, 11300 La Línea de la Concepción, Cádiz, Spanien
Koordinaten: 36°12’03.1″N 5°18’21.5″W / 36.200855, -5.305978

Tag 4: Überfahrt, wir sind in Marokko

Wir fahren in aller Ruhe um 9.20 vom Campingplatz los, der Weg zum Hafen dauert ca. 30 Minuten. Die Tickets von Carlos sind bestens vorbereitet, sogar eine Wegbeschreibung mit den richtigen Abzweigungen ist mit dabei.

Wir haben vor die zweite Fähre der Fährgesellschaft Transmediterránea zu nehmen, die um 8.00 war uns noch zu früh, die zweite geht laut Plan um 11.00 los. Wir sind wie es sich gehört eine Stunde vorher da und durchlaufen das Prozedere: Reisepässe, Fahrzeugschein, Tickets herzeigen, das mehrmals hintereinander. Wir bekommen alle nochmal ein Passagier- und Autoticket für die Fähre. Auf Franzeks Ticket steht auch tatsächlich Franzek, unsere Autobeschriftung wurde für den Modelnamen gehalten.

Insgesamt ist es eine lange Warterei, doch wir sind nicht alleine. Es ist interessant zu sehen mit welchen Passagieren wir uns die Fähre teilen. Rentner mit weißen, rießigen WoMo-Schiffen, Abenteuerlustige mit wüstentauglichen Jeeps, ein paar Busse wie wir und PKWs.

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Wir fahren auf die Fähre, die Einweiser kennen das Spiel uns geben jeden Fahrer genaue Anweisungen. Wir stehen, packen das nötigste zusammen und machen uns auf den Weg aufs Deck. Ohne rumgetrödelt zu haben merken wir schnell, dass sich die Schlange für die Einreise schon lange reiht. Man muss einen Zettel ausfüllen, hat am Besten seinen eigenen Kugelschreiber mit dabei und zeigt bei der Polizeistation Reisepass her und bekommt den Stempel in den Pass.

Bis die Fähre losfährt ist es schon nach 12.00. Die Überfahrt an sich dauert vielleicht 1 1/2 Stunden doch bis wir in Tanger Med anlegen dauert ewig. Es ist ein Spektakel wie alle Autos organisiert wieder von der Fähre fahren, manche müssen rückwärts eine Rampe hinunterfahren – wir zum Glück nicht. Wir verlassen als zweitletzter das Schiff.

Nun haben wir afrikanischen Boden unter den Füßen, beim ATM am Hafen holen wir unsere ersten zwei Rationen an Dirham (jeweils 2.000 DH, Max. pro Abheben). Doch bevor wir das Hafengelände verlassen werden wir durch den Zoll geschleust. Wir werden an die Seite gebeten, packen unsere ersten Brocken Französisch aus und warten. Der Beamte will kurz einen Blick in unseren Bus werfen und übergibt uns den “Einreiseschein für FRANZEK”, die Registrierung dass wir das Auto nach Marokko importieren und auch wieder exportieren.

Und so vergeht der Tag. Wir fahren noch eine dreiviertel Stunde auf der Autobahn nach Mollay Bousselham. Das soll unser erster Stellplatz in Marokko sein. Der Campingplatz hat ein Restaurant mit WLAN, wo wir den nächsten Tag planen können.


Camping Atlantis Gate A Moulay Bousselham
Koordinaten: 034″ 52’34” Nord 006″ 1719″ Ost

Tag 5: Aufwachen in Marokko und Weiterfahrt nach Mohammedia

Unser erster Morgen in Marokko beginnt mit einer Erkenntnis: Es ist ganz schön kalt am Morgen! Für Kaffeemachen müssen wir an unsere Küchenbox und stehen somit relativ schnell bei Sonnenaufgang draußen und machen es uns warm mit der Tasse in den Händen.

Wir spazieren durch den Ort und merken schnell, das ist kein typisches Touristenörtchen, wir bekommen unseren ersten Eindruck des Landes. Männer auf den Straßen die Geschäfte machen, wenige Frauen. Freundliche Menschen die einen Grüßen. Die Suche nach Frühstück führte uns in ein Restaurant, erste Begegnung mit Sprachbarrieren, wenn von beiden Seiten das Französisch nicht reicht. Frisch gepresster Orangensaft zu läppischen Preisen, Frühstück das weder europäisch noch marokkanisch ist – Omelette ohne alles. Das erste Mal bezahlen, die Währung bewusst ansehen und versuchen zu erraten was die Summe ist. Zum Glück gibt es einen Taschenrechner am Tresen – das funktioniert auch ohne Worte.

Wir fahren 160 km weiter nach Mohammedia. Wieso ausgerechnet dort hin? Weil wir weiter Richtung Süden kommen wollten und weder in Rabat noch in Casablanca übernachten wollten.

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Beim Campingplatz SAID angekommen packen wir unsere Räder aus und fahren zum Marjane in einem Gewerbegebiet. Wir haben ja noch ein offenes To Do: Marokkanische prepaid SIM Karten besorgen (Carte Prépayé). Wir versuchen es zuerst beim wohl bekanntesten Anbieter: Maroc Telecom. Wir warten 20 Minuten bis uns die Angestellte mitteilt dass sie die Prepaid Karten nicht hat. Schräg gegenüber befindet sich der nächste Anbieter “inwi”, der zwar angeblich ein schlechteres Netz haben soll, aber wir haben nun keine Wahl. Der Verkäufer setzt uns die SIM Karten in windeseile ein und aktiviert sie (Carte Prépayé mit 5 GB für 50 DH).

Marek kauft sich bei Decathlon noch eine lange Jogginghose, da er festgestellt hat dass er noch keinen Mann mit kurzen Hosen hier gesehen hat.


Camping SAID, plage tilal, n°120 pont-blondin-mohammedia، Mohammedia
Koordinaten: 33°43’34.6″N 7°20’03.4″W / 33.726271, -7.334290

Tag 6: Silvester geht an uns vorüber

Am 31.12 starten wir einen weiteren Fahrradausflug und radeln mit unseren Klapprädern in die Medina Mohammedia. Was soll ich sagen, die Hin- und Rückfahrt war kein großes Vergnügen, man fährt an der zweispurigen Hauptstraße am Seitenstreifen entlang und ist froh wenn die Autos etwas Sicherheitsabstand einhalten. Vor allem die vielen Kreisverkehre sind etwas gewöhnungsbedürftig, da die oft auch 2-spurig sind. Und Mohammedia an sich ist nichts spannendes, es gibt einen Park, eine kleine Strandpromenade und einen von Mauern umringten Souk wo wir einen Beutel Oliven (14 DH) kauften. Aber wir wollten einfach etwas Bewegung haben und ein die Stadt erkunden. Am Stellplatz zurück bekommen wir nette Nachbarn, ebenfalls ein VW-Bus aus Deutschland, frisch von der Fähre angekommen. Und auf einmal können wir ein paar Tipps geben – so schnell kanns gehen.

Eine Frage war z.B. wie man sich in Marokko mit Google Maps durchs Land navigiert? Man gibt wie gewohnt sein Ziel ein, aber es zeigt dir nur die Routenstrecke an, ohne Angaben welche Abbiegungen und Abzweigungen man nehmen muss. Das ist mühsam und wenn man alleine reist absolut untauglich.

Aus einem Reiseartikel hatte ich die App Wazer noch im Kopf. Damit funktioniert die Navigation einwandfrei und man hat zusätzliche Infos über Geschwindigkeitsgrenzen und Blitzer.

Abends gibt es die erste Tajine bei einem “Butcher”, links neben unseren Tisch hängt ein halbes Schaf oder eine halbe Ziege und wir nehmen die Tajines die schon fertig durchgegart sind und lassen uns überraschen.

Das Vorhaben mit unseren Campingnachbarn ins neue Jahr reinzufeiert scheitert. Wir sind zu früh in unserem Bus, draußen ist es naß und kalt uns unsere Busse zu klein dass man sich gegenseitig einladen könnte. Aber dennoch hat jeder seine kleine Privatfeier im Bus, am nächsten Morgen entsorgen wir alle die leeren Flaschen.

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