„Marrakesch und Agadir ziehen die Imhadarn an“ – Gauner, auf Berberisch.
Ein Friseur in Taroudannt
Die Empfehlung: „Je weiter weg, desto besser.“
Wir nahmen ihn beim Wort. Südmarokko mit dem Mietwagen, rein in den Anti-Atlas. Nicht Merzouga, wo Quads und Landcruiser durch die Dünen brettern. Nicht Fès, nicht der Marrakesch-Medina-Marathon. Stattdessen: Speicherburgen, die noch benutzt werden, einsame Oasen und Orte, die uns mit echtem Alltag überrascht haben.
Wer entspannter reisen will: Mit 18–20 Tagen habt ihr mehr Zeit für Wanderungen und Souks.

Auf einen Blick: Süd-Marokko & Anti-Atlas Mietwagen-Rundreise
Route: 2.250 km | 14 Nächte | 11 Stationen
Kosten: ~2.600 € für 2 Personen (alles inkl.)
Fahrzeug: Kompakt-SUV ohne Allrad reicht
Beste Zeit: Oktober bis April
Top 4 Highlights:
- Amtoudi – 900 Jahre alte Speicherburg
- Erg Chegaga – Sahara ohne Massentourismus
- N’Kob – 45 Kasbahs im Sonnenuntergang
- Tata Hinterland – Mondlandschaft & versteckte Oasen
Flop: Foum Zguid (muffig, unangenehm) – durchfahren bis Zagora.
Für wen ist diese Route? (Südmarokko ohne Allrad/4×4)
Fahrtechnisch: Für alle. Ihr braucht keinen Geländewagen. Ein Kompakt-SUV reicht – wir hatten einen Kia Seltos ohne Allrad. Die Straßen sind asphaltiert, manchmal löchrig, aber machbar. Wenn ihr auf einigen Teilstrecken vorsichtig fahrt, reichen sogar ein normaler Kleinwagen oder ein Wohnmobil.
Das hier ist nicht die klassische Marokko-Tour. Keine Todra-Schlucht, kein Erg Chebbi bei Merzouga. Wenn ihr Marokko schon kennt und etwas Neues sehen wollt – dann passt diese Route.
Wir waren im Januar unterwegs. Temperaturen zwischen 12 und 20 Grad, zwei bis drei Regentage, im Hohen Atlas lag Schnee. Winter in Marokko ist mild – aber nicht sommerlich.
Karte: Unsere Süd-Marokko Route im Überblick
Station 1: Taroudannt (2 Nächte)
| 📍 Auf einen Blick: | Taroudannt & Tiout |
|---|---|
| ✨ Highlights: | 8 km lange Stadtmauer & die riesige Oase Tiout (20.000 Palmen) |
| 💰 Kosten: | ca. 38 € pro Nacht (Riad) | Esel-Tour in Tiout optional |
| ⏳ Zeitaufwand: | 2 Nächte empfohlen (um beide Orte entspannt zu sehen) |
| 🛣️ Anfahrt: | Via Agadir (schnell/Autobahn) oder Tizi n’Test (spektakulär/Passstraße) |
Anfahrt: Von Marrakesch. Der Tizi n’Test war wegen Schnee gesperrt – also Küstenautobahn via Agadir (~ 3 Stunden).
Taroudannt nennen die Marokkaner „Großmutter von Marrakesch“ – die ehemalige Hauptstadt der Saadier-Dynastie, bevor diese nach Marrakesch zog. Die Stadtmauer ist 8 km lang und bis zu 14 Meter hoch, gebaut aus Stampflehm (Pisé). Die Stadttore mit ihren quadratischen Türmen und Bastionen wirken wie aus einem Historienfilm.

Im Gegensatz zu Marrakesch gibt es hier zwei getrennte Souks: Der arabische Souk nördlich des Place An-Nasr verkauft silbernen Berber-Schmuck, Ledersandalen und Kalksteinarbeiten. Der Berber-Souk südlich des Platzes ist überdeckt und bietet Gewürze, Obst und Gemüse aus der fruchtbaren Souss-Ebene – täglicher Markt ohne Hektik.
Wer Zeit hat: Die Gerbereien über das Tor Bab Targhount sind frei zugänglich. Die Pferdekutschen (Calèche) entlang der Mauer – ca. 100 MAD pro Stunde – sind hier kein Touristennepp, sondern echtes Verkehrsmittel.
Tagesausflug: Oase Tiout
Die Oase liegt 30 Minuten südöstlich von Taroudannt. Nach 37 km Fahrt durch die karge Ebene taucht sie plötzlich auf: 1.000 Hektar Palmenhain mit über 20.000 Palmen. Im Hintergrund der schneebedeckte Hohe Atlas, dazwischen nur grüne Stille.

Die Kasbah auf dem Hügel stammt aus dem 16. Jahrhundert. In den 1950ern drehte hier Hollywood „Ali Baba und die 40 Räuber“ – die Kulissen stehen teilweise noch. Morgens ist kaum jemand da, gepflasterte Wege führen durch Argan- und Johannisbrotbäume. Wer mehr Zeit hat: Es gibt eine alte Wanderroute nach Tin’Ingmuten (900 m Höhe) auf historischen Eselspfaden.

Eseltouren sind beliebt, aber zu Fuß seid ihr flexibler und seht mehr.
Mittagessen in der Kasbah: Der Couscous mit Hähnchen und Gemüse wird frisch zubereitet und kostet wenig – ideal für eine Pause nach dem Spaziergang durch die Palmeraie.
Unterkunft: Wir zahlten 75 € für beide Nächte zusammen (~37,50 €/Nacht). Taroudannt hat viele schöne Riads, aber prüft Bewertungen genau – unser erstes Quartier hatte hygienische Mängel (Ungeziefer, undichte Dusche). Sucht nach Riads mit konstant positiven Hygiene-Bewertungen. Das Riad Maryam und Dar Zitoune werden oft empfohlen.
Schon am Flughafen Marrakesch lernten wir Lektion eins: Im Carrefour kosteten 2 Pfirsiche 6,50 €. Importware vermeiden, lokal und saisonal kaufen – im Berber-Souk oder beim Hanout ums Eck.
Tipp: Nicht mit dem Auto in die Medina fahren. Wir haben uns durch enge Gassen gekämpft. Parkt außerhalb der Stadtmauern.
Station 2: Kasbah Tizourgane (Stopp auf dem Weg nach Tafraoute)
| 📍 Auf einen Blick: | Kasbah Tizourgane |
|---|---|
| ✨ Highlights: | 800 J. alte Kasbah, 166 Stufen und viele Katzen |
| 💰 Kosten: | 20 MAD Eintritt (~2 €) |
| ⏳ Zeitaufwand: | 1–2 Stunden Stopp |
| 🛣️ Anfahrt: | R105 (bis hierher guter Asphalt) |

Anfahrt von Taroudannt: R105 – die „Straße der Agadire“. Bis hierhin zweispurig mit neuem Asphalt. Die Fahrt durch den Anti-Atlas bietet immer wieder Ausblicke auf verlassene Kasbahs am Straßenrand und Ruinen, die langsam zerfallen. Überall seht ihr die typischen Anti-Atlas-Terrassen: schmale Steinmauern, die sich die Berghänge hochziehen und kleine Gärten abstützen. Eine schöne Alternativstrecke abseits der touristischen Hauptrouten.

Die Kasbah Tizourgane (📍 Google Maps) ist eine befestigte Stadt aus dem 13. Jahrhundert – also rund 800 Jahre alt. 25 Häuser, eine Moschee, ein Getreidespeicher und ein Gefängnis, alles hinter Lehmmauern auf einem Felsvorsprung über dem Tal.
166 Stufen führen hinauf, der Eintritt kostet 20 MAD (~ 2 €). Der größte Teil ist fertig restauriert und frei zugänglich. Einige Bereiche sind noch abgetrennt – die Baustellen sind aber gut versteckt und stören nicht.
Was uns überrascht hat: die vielen Katzen. Sie leben in den Ruinen, jagen zwischen den Mauern. Von oben habt ihr freien Blick ins tiefe Anti-Atlas – braune Hügel bis zum Horizont. Bei gutem Wetter seht ihr bis Tafraoute.
Wer hier übernachten will: Es gibt sechs Gästezimmer mit gemischten Bewertungen. Heizung und warmes Wasser funktionieren nicht immer – im Winter besser den Schlafsack mitbringen.


Info: Ab hier wird die R105 etwas schlechter: 1,5-spurig, Löcher, Schotter am Rand. Machbar, aber langsam fahren.

Station 3: Tafraoute (2 Nächte)
| 📍 Auf einen Blick: | Tafraoute & Painted Rocks |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Painted Rocks, bizarre Granitlandschaft und Wandern |
| 💰 Kosten: | ~38 €/Nacht |
| ⏳ Zeitaufwand: | 2 Nächte empfohlen |
| 🛣️ Anfahrt: | R105 ab Tizourgane (1,5-spurig, viele Schlaglöcher), davor gut ausgebaut |

Anfahrt ab Tizourgane: Die R105 wird einspurig und löchriger – aber gut machbar. Bei Aït Mansour wechselt ihr auf die R104 und fahrt über einen Pass mit grandiosem Blick ins Tal der Ammeln. Der markante „Tête de Lion“ (Löwenkopf) – eine Felsformation, die aussieht wie ein ruhender Löwe – thront über dem Tal und begleitet euch auf der Abfahrt nach Tafraoute.

Tafraoute (📍 Parking Benyara) liegt umgeben von Granitfelsen, die wie gestapelte Kartoffeln aussehen – ein Gestein, das über 500 Millionen Jahre alt ist.
Painted Rocks (📍 Google Maps): Frühmorgens hinfahren, bevor die Tourbusse kommen. Die letzten 7 km sind Piste (sandig, felsig, kleine Steinbrücken aus gestapelten Steinen), aber mit normalem Auto fahrbar – langsam und vorsichtig.
Die bemalten Steine selbst sind nett, aber der wahre Grund hinzufahren, ist die Landschaft drumherum. Nach seltenem Regen bilden sich Wasserlachen zwischen den Granitfelsen – surreales Fotomotiv. Im Januar war es morgens noch 4–5 °C kalt, aber nach einer Stunde Wanderung brannte die Sonne bereits auf der Haut. Also: Schichten anziehen.


Wanderung ins Hinterland: Wir sind 15 km ins menschenleere Hinterland gelaufen – vorbei an Drachenbäumen (selten in Marokko), bizarren Felsformationen und in absoluter Stille. Keine Markierung nötig, die Täler geben die Richtung vor. Rechnet mit 4–5 Stunden.

Hotel Les Amandiers: 75 € für die Nacht. Abends spielte ein Berber-Orchester live, der kleine Sohn eines Musikers trommelte begeistert mit. Wenn ihr Glück habt, trefft ihr auf solche spontane Momente.

Station 4: Icht (1 Nacht) – Die Route der Canyons
| 📍 Auf einen Blick: | Icht & Canyon-Route |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Canyon l’Assif n’Mouguene, Felsfenster & Oasendörfer |
| 💰 Kosten: | 37 € (Camping-Hütte Amerboul) |
| ⏳ Zeit: | 1 Nacht / 3–4 Std. Fahrt |
| 🛣️ Straße: | R107 gut; Canyon-Abzweig Baustelle mit viel Schotter und eng (Jan. 2026) |

Anfahrt von Tafraoute: Die R107 führt nach Süden Richtung Icht. Nach etwa 40 km geht links ein Abzweig nach Aoukerda ab – dort beginnt die eigentliche „Route der Canyons“ mit dem berühmten „Fenêtre de la Vie“. Die Abzweig-Straße ist spektakulär: tiefe Schluchten, braune Felswände, 100+ Meter hoch.


Straßenzustand (Januar 2026): Die R107 selbst ist in ordentlichem Zustand. Der Abzweig zur „Route der Canyons“ hingegen wird gerade massiv ausgebaut – Baustellen, Bagger, Sackgasse am Ende. Das Felsfenster „La Fenêtre“ ist erreichbar, aber Wenden mit größeren Fahrzeugen schwierig.

Zurück geht es über dieselbe Strecke zur R107. Wer auf der R107 bleibt, kommt später zum selben Canyon – der dann links liegt und euch auf der gesamten Weiterfahrt begleitet.
Wir wollten eigentlich in Amtoudi übernachten, aber alles war ausgebucht. Icht war die Notlösung – und stellte sich als angenehme Überraschung heraus.
Unterkunft: Camping Amerboul – gepflegte Lehmhütte mit traditioneller Einrichtung (37 €). Abendessen im Camping-Restaurant, einfach aber gut.
Station 5: Amtoudi (Stopp) – Die 900 Jahre alte Speicherburg
| 📍 Auf einen Blick: | Amtoudi (Speicherburg) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | 900 J. alter Agadir Id Aissa, Bienenkammern & Museum |
| 💰 Kosten: | 20 MAD (~2 €) für die Führung beim Wächter |
| ⏳ Zeitaufwand: | 1,5–2 Std. (davon 45 Min. Aufstieg) |
| 🛣️ Anfahrt: | 1 Std. Fahrt von Icht (zurück Richtung Tafraoute) |
Hinweis zu unserer Route:
- Da Amtoudi an Neujahr ausgebucht war, mussten wir nach Icht ausweichen (50km hin und her). Wir haben die Speicherburg erst am nächsten Morgen besichtigt und sind dann weiter nach Tata.
- Übernachtet direkt in Amtoudi statt in Icht.
Anfahrt von Icht: Eine Stunde zurück Richtung Tafraoute.
Amtoudi (📍 Google Maps) ist ein Dorf mit ~1.000 Einwohnern, 235 km südöstlich von Agadir. Über dem Dorf thront der Agadir Id Aissa – einer der ältesten und besterhaltenen Speicher Nordafrikas, erbaut um 1200 (also ~900 Jahre alt!).

Der Aufstieg: 45 Minuten, 200 Höhenmeter. Der Einstieg ist schwer zu finden (am Dorfrand nach links zum Flussbett schauen), aber der Pfad ist dann leicht bis mittelschwer. Ihr könnt auch einen Esel oder ein Maultier mieten, wenn ihr nicht gut zu Fuß seid.


Der Wächter: Ein Mann über 70, der praktisch hinter der Tür lebt. Er bietet Privatführungen für 20 MAD (~ 2 €) an. Öffnungszeit: ab 9 Uhr – vorher ist er oft nicht da.
Mit Führer durch den Agadir
Was ihr oben seht: 90 Speichereinheiten um einen Innenhof. Ein „Hof-Agadir“ – selten in Marokko. Die Berber lagerten hier Getreide, Wasser und Wertsachen. Das Besondere: In den Wänden sind kleine Kammern für Bienenstöcke eingelassen – horizontal und vertikal gestapelte Steine bilden quadratische Hohlräume. Wenn man nicht weiß, wonach man sucht, erkennt man sie kaum.


Der Wächter zeigt euch auch sein kleines Museum: alte Waffen, Dolche, Hausrat. Die Trichteröffnungen in den Böden sind übrigens Zisternen für Regenwasser.
Der Abstieg: Andere Seite, durchs Dorf. Gegenüber liegt ein zweiter Agadir (Agellouy) – meist geschlossen, aber von außen sichtbar.
Tipp: Plant mindestens 1,5 Stunden (Aufstieg, Besichtigung, Abstieg). Frühmorgens gehen – ab Mittag brennt die Sonne.
Station 6: Tata (2 Nächte)
| 📍 Auf einen Blick: | Tata & Hinterland |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Fluss mit Wasser, Hochebene Tifrasse und Agadir Ait Kine |
| 💰 Kosten: | 28–61 €/ Nacht | Amlou ab 50 MAD (~5 €) |
| ⏳ Zeit: | 2 Nächte empfohlen |
| 🛣️ Anfahrt: | N12 (3h von Icht) | P1805 + R116 für Ausflüge |
Anfahrt von Amtoudi: N12 nach Osten, 3 Stunden. Die Fahrt fühlt sich an wie eine Ewigkeit – schnurgerade, wenig Abwechslung. Ihr passiert Akka (nicht verwechseln mit dem Agadir-Ort).

Tata selbst überrascht. Die meisten erwarten ein staubiges Wüstennest – und finden eine aufgeräumte Stadt mit Wasser im Fluss. Das ist selten im Süden: ganzjährig fließendes Wasser, ein echter Luxus. Brunnen, ein (leeres) Schwimmbad, sogar eine Frauenschule.

Die Menschen hier wirken anders als im Norden – exotischer, die Traditionen lebendiger. Ihr merkt: Hier seid ihr tief im Berberland.
Unterkunft Nacht 1: Camping Hayat (28 € mit Frühstück). Direkt am Fluss in eingerichteten Mietzelt-Hütten. Harte Matratzen, hohe Kopfkissen (unbequem für Seitenschläfer). Aber der Ort entschädigt: Abends quaken die Frösche, Enten paddeln vorbei, Wasservögel nisten am Ufer. Flussauen-Feeling statt Wüstenstaub.

Abendessen im Restaurant: Nudeln, Fleisch, Pommes für wenig Geld (unter 10 € für zwei).
Tagesausflug ins Hinterland (P1805 + R116): Eine echte Geologiestunde. Die Fahrt führt über die Hochebene Tifrasse – ein riesiges Becken, 15-20 km Durchmesser, fast wie eine Mondlandschaft. Die Gesteinsfalten sehen aus wie versteinerte Wellen – das Relief erinnert an die Appalachen.


Die Oase Tagmoute (📍 Google Maps) liegt tief im Tal: grün, still, kaum Touristen verirren sich in diese Sackgasse. 50 km von Tata entfernt, auf 1.050 m Höhe.

Agadir Ait Kine (📍 Google Maps): 3-stöckige Speicherburg aus Stampflehm mit Steinen, 75 Kammern um einen großen Innenhof. Die alte Holztür trägt traditionelle Berber-Schnitzereien (Rhombus-Motive). Drinnen stehen Bänke, wo sich früher die Dorfältesten versammelten. Restauriert 2004, aber noch funktionsfähig – die Dorfgemeinschaft nutzt ihn.

Unterkunft Nacht 2: Le relais des Sables (61 €). Komfortabler als der Camping.
Shopping-Tipp: Cacahuète-Amlou (mit Erdnüssen statt Mandeln) kostet hier 50 MAD (~5 €). Das traditionelle Amlou mit Mandeln ist teurer, aber im Süden immer noch günstiger als im Norden. Wer den Unterschied schmecken will: Mandel-Amlou ist feiner, Cacahuète-Amlou kräftiger.
Tissint (Stopp): Die Suche nach dem Wasserfall
| 📍 Auf einen Blick: | Tissint (Zwischenstopp) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Die (versteckten) Wasserfälle & ungeschminktes Dorfleben |
| 💰 Kosten: | Kostenlos |
| ⏳ Zeit: | 2 Std. Pisten-Irrweg + kurzer Dorf-Stopp |
| 🛣️ Straße: | N12 (Asphalt) | RP1800 Steinpiste (Umkehrpunkt!) |

Tissint war für uns die Station, an der Erwartung und Realität am weitesten auseinanderklafften. Die Suche nach den oft beschriebenen Wasserfällen blieb erfolglos, stattdessen gab es eine Lektion in Sachen Routenplanung.

Anfahrt von Tata: Der Versuch, über die RP1800 nach Foum Zguid abzukürzen (60 km statt 120 km über die N12), war ein Fehler. Nach 25 km wurde aus der Straße eine üble Steinpiste, die uns zu einer Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h zwang. Da das Risiko eines Reifenschadens im Nirgendwo zu groß wurde, drehten wir nach 35 km um.

Ergebnis: Zwei Stunden Zeitverlust. Die N12 ist zwar eintönig, aber die sicherere Wahl für Fahrzeuge ohne massives Offroad-Profil.

Tissint selbst ist kein Ort für die Galerie. Wer hier stoppt, sieht das marokkanische Landleben, wie es ist: Fleisch hängt offen beim Metzger, Tiere leben auf engem Raum, Müll sammelt sich an der Wasserstelle. Es ist kein „hübsches“ Dorf, sondern ein funktionaler Ort abseits der Touristenrouten. Wer bisher nur die restaurierten Kulissen von Aït-Ben-Haddou kannte, wird hier mit einem sehr rauen Alltag konfrontiert.
Empfehlung: Mal durchschlendern und selbst urteilen. Interessant, aber nicht hübsch.
Station 7: Foum Zguid (1 Nacht)
| 📍 Auf einen Blick: | Foum Zguid (1 Nacht) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Tor zum Erg Chegaga (Wüstentouren-Alternative) |
| 💰 Kosten: | 33 € / Nacht (muffige Unterkunft) |
| ⏳ Zeit: | Empfehlung: Durchfahren bis Zagora (+1,5 Std.) |
| 🛣️ Straße: | N12 (Asphalt) |

Foum Zguid war kein Höhepunkt unserer Reise. Die Stadt riecht an mehreren Ecken unangenehm, unsere Unterkunft (33 €) war muffig. Wir waren froh, als wir am nächsten Morgen weiterfuhren.
Wüstentour-Alternative: Von Foum Zguid starten auch Touren zum Erg Chegaga – kürzere Anfahrt als von M’Hamid, aber weniger Anbieter. Wer M’Hamid auslassen will, kann hier buchen.

Empfehlung: Übernachtet hier nicht. Fahrt durch bis Zagora – anderthalb Stunden mehr, aber die Rettung.
Zagora (Stopp)
| 📍 Auf einen Blick: | Zagora (Stopp) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | „Timbuktu 52 Jours“-Schild & Supermarché Sahara |
| 💰 Kosten: | Bier ab ~2 € | Wein ab ~7,50 € | Avocado-Saft ~1,50 € |
| ⏳ Zeit: | 2–3 Std. Stopp (oder als Nacht-Alternative zu Foum Zguid) |
| 🛣️ Straße: | Draa-Tal (gute Asphaltstraßen) |

Anfahrt von Foum Zguid: Weiter auf der N12, dann ins Draa-Tal.

Zagora ist größer als erwartet – eine richtige Stadt, gut herausgeputzt. Große Hauptstraße, Moschee, viele Geschäfte. Alles, was ihr braucht.

Einkauf: Der Supermarché Sahara verkauft Alkohol (in Süd-Marokko eher selten). Bier ab 23 MAD (~2,20 €), Wein ab 80 MAD (~7,50 €). Für normale Lebensmittel: “Superrette” am Kreisverkehr.
Wir haben hier eine Pause eingelegt: durch die Gassen geschlendert, eingekauft, einen Avocado-Saft getrunken (mindestens so gut wie in Taroudannt, 15-20 MAD). Am Stadtrand steht das berühmte „Timbuktu 52 Tage”-Schild – obligatorischer Foto-Stopp.
Tipp: Zagora eignet sich als Übernachtungs-Alternative zu Foum Zguid. Modern, sauber, gute Infrastruktur.
Station 8: M’Hamid (2 Nächte)
| 📍 Auf einen Blick: | M’Hamid & Erg Chegaga |
|---|---|
| ✨ Highlights: | 300m hohe Dünen, Wüstenquelle mit Fröschen & absolute Stille |
| 💰 Kosten: | Hotel ~37 €/Nacht | Wüstentour 250 € (2 Pers. inkl. Verpflegung) |
| ⏳ Zeit: | 2 Nächte (Tagestour 10–22 Uhr) |
| 🛣️ Straße: | 80 Min. Asphalt bis M’Hamid | 60 km Piste (nur mit Tour-4×4) |

Anfahrt von Zagora: 80 Minuten nach Süden durch Palmerien und gepflegte Dörfer. Hinter dem zweiten Höhenzug die ersten Sahara-Dünen.

Unterkunft: Hotel Kasbah Sahara Services (75 € für beide Nächte). Gute Basis für die Wüstentour. Das Hotel hat auch einen Stellplatz für Camper innerhalb der Mauern (80 MAD/Nacht).
Erg Chegaga (Tagesausflug)


Die größte Sandwüste (Erg) Marokkos: Dünen bis 300 m hoch (höher als Erg Chebbi bei Merzouga!), 40 km lang. Nur mit Geländewagen erreichbar – 60-65 km Piste ab M’Hamid, 2-3 Stunden Fahrt.
Unsere Tour: Tagestour von 10 bis 22 Uhr, 250 EUR für zwei Personen – alles inklusive: Landcruiser mit Fahrer, viel Essen (Tajine mittags, Couscous abends), Stopps an einer Quelle und Verkaufsständen. Die Tour ist ziemlich überteuert – mit mehr Vorlauf hätten wir besser verhandeln können.
Empfehlung: Eine Nacht im Camp reicht, um Sonnenuntergang und Sonnenaufgang mitzunehmen. Eine reine Tagestour ohne Übernachtung lohnt sich eher nicht – zu viel Fahrt, zu wenig Wüste.
Die Fahrt: Abfahrt 10:30 Uhr. Erste Stopps: Frauen-Verkaufsstand an der Piste, dann eine kleine Oase mit Kaffee. Und dann die Quelle (📍 Google Maps): Wir knieten dort, hörten nur unseren eigenen Atem. Ein winziger Pool, 3×3 Meter. Der Sand blubberte, wo frisches Wasser aus dem Boden drückte – leicht salzig. Und dann bewegte sich etwas: Kaulquappen und Frösche. Mitten in der Sahara. Leben, wo man es am wenigsten erwartet.

Im Camp: Festes Gebäude + Zelte drumherum. Es blies starker Wind – alles war verstaubt. Zum Mittagessen gab es Tajine mit Pflaumen – wie immer zu viel. Wir probierten Sandboarding auf den Dünen und sahen kaum Tiere (nur einen kleinen Käfer). Im Camp trafen wir zwei Schwedinnen, die ihre gesamte Marokko-Reise mit dem Zug machten – beeindruckend mutig.
Abends Couscous + Suppe – wieder zu viel. Aber dann kam der Sonnenuntergang. Wir stiegen auf eine Düne, der Sand noch warm unter den Füßen. Auf den höheren Kämmen standen kleine Grüppchen verteilt – drei Menschen am Horizont statt 300. Keine Quads, kein Motorenlärm. Nur der Wind und das Orange am Himmel.
Rückfahrt: Bei Mondschein und Sternenhimmel. 22 Uhr zurück im Hotel.


Ehrlich gesagt: Erg Chebbi bei Merzouga hat höhere und fotogenere Dünen. Erg Chegaga liefert echte Einsamkeit – wenn ihr den Umweg und das Wetterrisiko akzeptiert. Die 60 km Piste filtern alle Tagestouristen raus. Keine Quads, keine Party-Camps. Das ist der Grund, warum man hierher kommt.
Station 9: N’Kob (1 Nacht)
| 📍 Auf einen Blick: | N’Kob (Dorf der 45 Kasbahs) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | 45 Kasbahs, Palmerie-Spaziergang & handgemachte Berber-Sandalen |
| 💰 Kosten: | 47 € / Nacht | Schuhe ca. 150 MAD (~15 €) |
| ⏳ Zeitaufwand: | Bleibt 2 Nächte! (Wir hatten nur 1 und haben es bereut) |
| 🛣️ Straße: | R108 ab Tazzarine (schmal, Schlaglöcher, Baustellen) |
Anfahrt von M’Hamid: Zurück durchs Draa-Tal bis Zagora, dann N17 Richtung Osten. Die N17 ist schnurgerade, fast Tempomat-tauglich.

Bei Tazzarine (grünes Herz der Henna-Region) auf die R108 abbiegen. Sofort wird die Straße schmaler: 1,5 Spuren, tiefen Löcher, Baustellen. Wenn ein LKW entgegenkommt: runter in den Schotter. Aber die Landschaft entschädigt: Tafelberge des Jbel Saghro werfen nachmittags tiefe Schatten.

N’Kob ist das Dorf der 45 Kasbahs. Der Name kommt von der Höhle „N’Akb“, einem historischen Rastplatz für Nomaden. Die Bewohner gehören fast alle zum Aït Atta-Stamm (semi-nomadische Berber, Sprache: Shilha/Tamazight).

Manche Kasbahs verfallen, andere sind frisch renoviert und zu Hotels umgebaut.
Unser schönster Moment hier: Abends in der Golden Hour durch die Palmeraie laufen, während die Sonne hinter den Lehmmauern versinkt. Die Palmarie besteht aus kleinen Gärten, die den Bewohnern gehören – kein öffentlicher Park.

Unterkunft: Kasbah Baha Baha (📍 Google Maps) (47 €). Heute Hotel, früher Wohnkasbah. Kleines Museum zur Geschichte der Aït Atta (Stammesgeschichte, traditionelle Waffen, Hausrat). Wunderbar authentisch.

Foto-Spot: Fahrt die Straße Richtung Tizi n’Tazazert hoch (nach Norden). Vom Aussichtspunkt Tizi n’Tazazert seht ihr, wie die 45 Kasbahs wie eine Festung aus der Oase aufragen.

Shopping: Ein Schuhmacher an der Hauptstraße fertigt Flip-Flops und Sandalen mit Berber-Zeichen von Hand. 150 MAD (~15 €) pro Paar. In Marrakesch zahlt ihr das Doppelte.
Eine Nacht war zu wenig. Plant zwei Nächte – für Palmerie, Schuhmacher, Sonnenuntergang vom Pass.
Jbel Saghro Überquerung (Durchfahrt nach Ouarzazate)
Zwischen N’Kob und Ouarzazate: Die R108 durch den Jbel Saghro nach Norden. Vor 2022 war das noch eine rauhe Piste – jetzt vollständig asphaltiert! Es entstehen neue Häuser und kleine Stellplätze.
Landschaft: Die Gegend ist vulkanisch geprägt: schwarze Felsnadeln, ockerfarbene Ebenen, Tafelberge mit bizarren Formationen – oft „Mondlandschaft“ genannt. Auf 50 km sind uns vielleicht drei Autos begegnet, absolute Einsamkeit.

Bab n’Ali (📍 Google Maps): Zwei markante Felstürme vulkanischen Ursprungs, die wie ein Tor in der Landschaft stehen. Ein 30-minütiger Rundweg führt zu den Formationen. Am späten Nachmittag glüht das Gestein in tiefem Rot.

Tizi n’Tazazert (📍 Google Maps) (2.200 m): Der Pass. Im Januar lag noch Altschnee. Von hier die erste freie Sicht auf die schneebedeckte Wand des Hohen Atlas – beeindruckend.
Die alte Piste ist teilweise noch befahrbar (parallel zur neuen Straße) – wer einen einsamen Stellplatz für die Nacht sucht, findet hier mehrere Optionen.

Nach dem Pass: Baustellen, Pistenabschnitte (aber kurz), dann wieder Asphalt. 1,5-spurig, aber machbar. Die Straße ist eine echte Verbesserung gegenüber 2022.

Station 10: Ouarzazate (2 Nächte)
| 📍 Auf einen Blick: | Ouarzazate (Mollywood) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Kasbah Taourirt & Filmstudios (Atlas / CLA) |
| 💰 Kosten: | Ab 35 € / Nacht (Zentrumsnähe empfohlen) |
| ⏳ Zeit: | 2 Nächte (ideal als Hub für Tagesausflüge) |
| 🛣️ Straße: | Gute Asphaltstraßen in alle Richtungen |
Unterkunft: Zahlreiche Hotels in der Stadt. Nähe City reicht. Wir zahlten 35 €/Nacht.

In der Stadt: Die Kasbah Taourirt am östlichen Stadtrand ist sehenswert – ein labyrinthartiger Lehmpalast aus dem 19. Jahrhundert. Das Stadtzentrum konzentriert sich auf den großen Boulevard Mohammed V mit Cafés, Banken und Geschäften. Der Souk ist überschaubar, aber für Basics ausreichend.

Ouarzazate = „Mollywood“, das Hollywood Marokkos. Hunderte Filme wurden hier gedreht. Die Filmstudios kann man besichtigen (nicht unser Ding).
Aït Ben Haddou (Tagesausflug)
| 📍 Auf einen Blick: | Aït-Ben-Haddou |
|---|---|
| ✨ Highlights: | UNESCO-Weltkulturerbe & Drehort (Gladiator, GoT) |
| 💰 Kosten: | Eintritt frei (Aufstieg zur Speicherburg lohnt sich) |
| ⏳ Zeit: | Halbtages-Ausflug (30 km von Ouarzazate) |
| 🏗️ Status 2026: | Kaum Bebenschäden sichtbar; Speicherburg in Restaurierung |
UNESCO-Welterbe, entsprechend voll. Steigt trotzdem bis zur Speicherburg ganz oben – die Aussicht auf die Umgebung lohnt sich. Im Januar 2026 war die Speicherburg selbst wegen Renovierung geschlossen, aber der Aufstieg und der Blick ins Tal waren frei.

Erdbeben 2023: Überraschend wenig sichtbare Schäden. Die traditionelle Lehmbauweise (gestampfter Lehm mit Stroh) ist flexibler als Beton – sie “gibt nach” statt zu brechen. Hauptsächlich der Agadir oben und die Umfassungsmauer waren betroffen. UNESCO unterstützt die Restaurierung. Wir haben es diesmal bis ganz oben geschafft – 2022 waren wir zu faul.
Oase Fint (Tagesausflug)
| 📍 Auf einen Blick: | Oase Fint („Die Versteckte“) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Wasserkanäle (Seguias), Filmkulissen & absolute Stille |
| 💰 Kosten: | Tajine im Oasen-Restaurant ~20 EUR |
| ⏳ Zeit: | Halbtags (45 Min. Fahrt für 12 km Strecke) |
| ⚠️ Info: | Straße holprig; Parken oben (außer mit 4 × 4) |
Anfahrt: 12 km südlich von Ouarzazate. Parken oben: 📍 Oase Fint (Oben) | Fluss-Stellplatz: 📍 Oase Fint (Fluss)., 45 Minuten Fahrt. Die Straße ist asphaltiert, aber holprig.

„Fint“ bedeutet „versteckt“ in der Berbersprache – und das stimmt. Ihr fahrt durch karges, braunes Hügelland, und plötzlich: grün. 4 Dörfer, ~100 Einwohner, Palmen überall. Berberfrauen bei der Arbeit – sie sammeln Holz und Tierfutter. Wunderschöne Spaziergänge am Fluss, tief hinein in die Oase, fast immer allein. Unterhalb eines verlassenen Dorfes gibt es ein einfaches Restaurant mit Tajine.

Filmkulissen: Babel (Brad Pitt, Cate Blanchett), Prince of Persia (Jake Gyllenhaal), Kingdom of Heaven (Orlando Bloom), Gladiator, Lawrence of Arabia, Game of Thrones.
Was macht es besonders: Die Bewässerungskanäle (Seguias). Das Wasser glitzert überall, läuft gluckernd durch kleine Steinkanäle zwischen den Palmen. Die Luft riecht nach feuchter Erde und Datteln. Ein Labyrinth zum Verlaufen. Absolute Stille, kein Touristenbus.
Eine der schönsten Entdeckungen dieser Reise.

⚠️ Achtung: Der beste Stellplatz liegt im Flussbett – erfordert Bachquerung (nur mit 4×4). Ohne Allrad: Parkt oben bei der Auberge und lauft 10 Minuten runter.
Ounila-Tal + Tizi n’Tichka (Durchfahrt nach Marrakesch)
| 📍 Auf einen Blick: | Ounila-Tal & Tizi n’Tichka |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Silber-Pappeln (Ounila), 2.260 m Pass & Schnee-Gaudi |
| 💰 Kosten: | Kostenlos (reine Fahrtetappe) |
| ⏳ Zeit: | 3–4 Std. Fahrt nach Marrakesch |
| ⚠️ Status 2026: | Felssturz am Tichka (eng); Telouet-Kasbah geschlossen |
Zwischen Ouarzazate und Marrakesch: Nicht die schnelle N9, sondern die P1506 durchs Ounila-Tal. Eine Alternative, die viele nicht kennen.
Ounila-Tal: Andere Vegetation als im Anti-Atlas. Statt Palmen wachsen hier Silber-Pappeln – fast europäisch. Die Straße führt auf 1.800 m Höhe, merklich kühler. Teil 1 (bis zur Abzweigung) ist 1,5-spurig mit Schotterrand. Teil 2 (bis Tichka) ist zweispurig und gut.

Tolle Blicke ins Tal. Die Kasbah Telouet (bekannte Ruine) haben wir ausgelassen – sie war im Januar 2026 ohnehin wegen Renovierung geschlossen.
Tizi n’Tichka (2.260 m): Der große Alpenpass Marokkos. Im Januar lag 20–30 cm Schnee. Die Straße war frei, aber Geröll am Rand. Kurz nach dem Pass ein riesiger Felssturz: Von ursprünglich 3-4 Spuren waren nur noch 1,5 frei. Riesiger Felsen blockiert die Hälfte der Fahrbahn.

Bei 7°C waren die Parkplätze voll. Überall Marokkaner, die im Schnee spielten – Schneeballschlachten, improvisierte Schlitten aus Plastiktüten, Kinder kreischten vor Freude. Richtige Volksfeststimmung – für viele hier der erste Schnee ihres Lebens. Surreal nach den Wüstentagen mit 25°C.

⚠️ Winter-Warnung: Der Pass kann komplett gesperrt sein. Plant Pufferzeit ein oder prüft vorab die Lage. Alternative: Umweg über Agadir (mindestens 4 Stunden mehr).
Station 11: Marrakesch (1 Nacht)
| 📍 Auf einen Blick: | Marrakesch (Abschluss) |
|---|---|
| ✨ Highlights: | Jardin Majorelle, Jemaa el-Fna & Palais de la Bahia |
| 💰 Kosten: | Hotel ~47 € | Eintritte 100–170 MAD (Majorelle nur online) |
| ⏳ Zeit: | 1–2 Nächte zum Ausklingen vor dem Abflug |
| 🛣️ Straße: | N9 (gut ausgebaut, aber viel Verkehr) |
Marrakesch ist nach der Einsamkeit im Süden ein ziemlicher Schlag ins Gesicht. Wer zwei Wochen lang kaum eine Menschenseele auf den Pisten getroffen hat, wird hier vom Lärm und den Menschenmassen erst einmal erschlagen. Die Stadt dient am Ende meistens nur noch dazu, die Reise abzurunden oder den Mietwagen stressfrei abzugeben.
Für den Jardin Majorelle zahlt ihr 170 MAD, müsst aber zwingend vorher online buchen. Wer 2026 ohne Reservierung vor dem blauen Tor steht, kommt nicht mehr rein – eine Tageskasse gibt es nicht. Den Palais de la Bahia für 100 MAD schaut man sich wegen der Holzschnitzereien an, steht dabei aber meistens Schulter an Schulter mit Reisegruppen.
Den Jemaa el-Fna betrachtet man am entspanntesten von einer der Dachterrassen aus, um dem direkten Stress unten kurz zu entkommen.
Unterkunft: Wir haben in einer Unterkunft nahe dem Flughafen übernachtet (47 €) – praktisch für den frühen Flug am nächsten Morgen.
Mietwagenrückgabe: Die Rückgabe dauerte 20 Minuten und lief entspannt ab. Keine versteckten Gebühren, kein Stress mit dem Vermieter.
Reise-Infos: Beste Reisezeit für den Anti-Atlas & Mietwagen-Tipps
Beste Reisezeit
Oktober bis April empfohlen. In diesen Monaten liegen die Temperaturen zwischen 18 und 28 °C. Sommer (Juni–August): Im Süden (Tata, M’Hamid, Zagora) werden es 40°C+. Diese Route ist dann nur für Hartgesottene.
Ramadan 2026: 18. Februar bis 19. März. Restaurants tagsüber oft geschlossen, Reisen ist trotzdem möglich.
Klima-Unterschiede: An der Küste um Agadir bleibt es ganzjährig mild (18–27 °C). Im Hohen Atlas kann im Winter Schnee fallen und Pässe sperren. In der Wüste bei M’Hamid ist Oktober bis April ideal, allerdings werden die Nächte kalt (5–10 °C).
Internet & SIM-Karte
Unsere Lösung: Zwei Handys, zwei SIMs. Handy 1 mit Roamless eSIM (20 GB, 18 EUR, nur Daten), Handy 2 mit Inwi (11 GB + Telefon, 50 MAD).
eSIM vorab aktivieren spart Zeit am Flughafen. Roamless haben wir noch in Deutschland installiert – nach der Landung sofort online, kein Anstehen am Schalter.
Inwi vor Ort: Gibt’s an Flughäfen und in Städten. Wir haben unsere erst in Taroudannt geholt. 50 MAD (ca. 5 €) = 11 GB Daten + Telefonnummer für 30 Tage.
Warum Telefon wichtig ist: Bei Notfällen hat die Polizei kein WhatsApp – eine marokkanische Nummer kann helfen. Beide SIMs haben für die ganze Reise (14 Tage) problemlos gereicht.
Unterkünfte
Preisspanne: 25–75 EUR pro Nacht. In touristischen Orten wie Tafraoute oder Ouarzazate große Auswahl. Abseits – Icht, Foum Zguid – nehmt ihr, was da ist. Auf Campingplätzen gibt es oft feste Unterkünfte (Hütten, Mietzelte), mal einfach, mal komfortabel.
Wir haben häufig Booking.com genutzt, um kurzfristig Hotels zu finden. Die meisten Unterkünfte dieser Route sind dort buchbar.
Camper-Tipp: Wer Marokko mit dem Wohnmobil plant, findet in unserem Marokko-Camper-Guide alle Stellplätze und Routen.

Verkehr, Straßenverhältnisse und Erfahrungen mit der Polizei
Mietwagen: Kompakt-SUV ab ~30 €/Tag. Wir zahlten ~430 € für 14 Tage (Kia Seltos mit Vollkasko). Günstigere Anbieter arbeiten ohne Schalter – alles läuft über WhatsApp, Treffpunkt Parkplatz. Bei uns dauerte das Finden des Vermieters 20 Minuten.
Polizeikontrollen: An fast jeder Ortseinfahrt. Schild „Halte“ = anhalten und warten. Kein Schild = langsam (20 km/h) vorbeifahren. Tempolimits (40–60 innerorts, 80–100 außerorts) penibel einhalten – die messen oft 500 Meter VOR dem Ortsschild. Ab 150 MAD (~14 €) Strafe für 10 km/h zu viel, bar vor Ort.

Ist eine Mietwagen-Rundreise in Süd-Marokko sicher?
Wir haben uns sicherer gefühlt als in Deutschland. Keine Probleme während der gesamten Reise. Reisepass genügt für deutsche Staatsbürger, 90 Tage Aufenthalt ohne Visum.
Mehr Details zu Einreise, Zoll, Versicherung, Fahrzeugpapieren und Sicherheit findet ihr in unserem ausführlichen Artikel: Praktische Tipps für deine Marokko-Reise.
Komplette Kostenaufstellung
14 Nächte, 2 Personen, Januar 2026.
Gesamtkosten
| Flüge (2 Personen) | ~810 € |
| Mietwagen (14 Tage, Vollkasko) | ~430 € |
| Vor Ort Pro Person und Tag | ~ 1.360 € ~48 € |
| Gesamt | ~2.600 € |
Aufschlüsselung Vor-Ort-Kosten
| Kategorie | MAD | EUR |
|---|---|---|
| Unterkünfte | ~5.850 MAD | ~550 EUR |
| Essen & Trinken | ~3.740 MAD | ~350 EUR |
| Aktivitäten | ~2.760 MAD | ~260 EUR |
| Transport vor Ort (Tanken, Maut) | ~1.640 MAD | ~155 EUR |
| Shopping | ~470 MAD | ~45 EUR |
| Vor Ort gesamt | ~ 14.460 MAD | ~1.360 EUR |
Unterkünfte
| Station | Nächte | Preis | Ø pro Nacht |
|---|---|---|---|
| Taroudannt | 2 | 75 € | ~ 38 € |
| Tafraoute | 2 | 75 € | ~ 38 € |
| Icht | 1 | 37 € | 37 € |
| Tata | 2 | 89 € | ~ 45 € |
| Foum Zguid | 1 | 33 € | 33 € |
| M’Hamid | 2 | 75 € | ~ 38 € |
| N’Kob | 1 | 47 € | 47 € |
| Ouarzazate | 2 | 70 € | 35 € |
| Marrakesch | 1 | 47 € | 47 € |
| Gesamt Unterkünfte | 14 | ~550 € | ~39 € |
Typische Preise in Marokko
Wechselkurs: 1 € = ~10,7 MAD (Stand Januar 2026)
Essen & Trinken
- Wasser (1,5L): 6 MAD (~0,60 €)
- Wasser (5L): 12 MAD (~1,20 €)
- Msemen (Pfannkuchen): 3 MAD (~0,30 €)
- Tajine (einfaches Restaurant): 50–90 MAD (~5–8 €)
- Couscous (Freitag): 50-80 MAD (~5-8 €)
- Kaffee/Orangensaft (Terrasse): 15-20 MAD (~1,50-2 €)
Transport & Praktisches
- Diesel: ~10,70 MAD/L (~1 €)
- Taxi (Medina-Gueliz Marrakesch): 20 MAD (~2 €)
- SIM-Karte: 50 MAD (~5 €) – oft am Flughafen gratis
- Datenaufladung: 10 MAD = 1 GB
Shopping & Souvenirs
- Amlou (Tata vs. Norden): 50 vs. 150 MAD (~5 vs. 15 €)
- Berber-Schuhe (N’Kob vs. Marrakesch): 150 vs. 300 MAD (~15 vs. 30 €)
- Safran: 120 MAD/g (~11 €) – Echtheit prüfen!
- Arganöl (kosmetisch): ~800 MAD/L (~75 €)
- Gewürze: ~35 MAD/100g (~3 €)
Hinweis: Preise zur Orientierung – vor Ort kann es abweichen, besonders in touristischen Gebieten.
Brauche ich einen 4×4?
Nein. Ein Kompakt-SUV ohne Allrad oder ein normaler Kleinwagen oder Wohnmobil reichen für alle Straßen dieser Route. 4×4 braucht ihr nur für Wüstenpisten (Erg Chegaga – da fahrt ihr ohnehin mit Tour-Operator) oder die Bachquerung bei Oase Fint.
Was kostet eine Wüstentour?
Erg Chegaga: ~150 EUR für 2 Personen als Tagestour (10–22 Uhr), inklusive Transfer. Mit Übernachtung 250€. Verhandeln üblich.
Beste Reisezeit?
Oktober bis April. Im Januar kann es in den Bergen schneien, aber im Anti-Atlas selbst ist das Wetter mild. Im Sommer (Juni bis August) werden Tata und M’Hamid 40°C+ heiß – dann ist diese Route nur für Hartgesottene.
Ist die Route sicher?
Ja. Wir haben uns nie unsicher gefühlt. Die größten Risiken: Schlaglöcher, überhöhte Geschwindigkeit anderer Fahrer, Winterpässe.
Die schönsten Sehenswürdigkeiten im Anti-Atlas & Süd-Marokko
Vier Orte, die uns überrascht haben – und die in keinem Standard-Reiseführer auftauchen:
- Die Kaulquappen-Quelle (Erg Chegaga)
Mitten in der Sahara: ein Pool mit Fröschen und blubberndem Sand. Surrealer als jede Düne - Amtoudi (Speicherburg Agadir Id Aissa)
Oben angekommen, schwitzend, außer Atem – und dann diese Stille. Kein Motor, kein Stimmengewirr. Nur der Wind und der Blick über das Tal, das 900 Jahre lang so ausgesehen hat. Der 70-jährige Wächter zeigt euch die Bienenspeicher in den Wänden. Das war der emotionale Höhepunkt der Reise. - Tata Hinterland (R116)
Wir dachten, wir kennen Marokko. Dann kamen diese geologischen Formationen, die aussehen wie vom Mars. Die Oase Tagmoute am Ende der Sackgasse: kein Tourist, nur Palmengärten und Stille - Tafraout & das Tal der Ammeln
Abends taucht die Sonne die Granitwände rund um Tafraoute in Orange und Rot – 500 Millionen Jahre altes Gestein, das im letzten Licht regelrecht glüht. Tagsüber zu Fuß ins menschenleere Hinterland: Drachenbäume, bizarre Felsformationen, stundenlang kein Mensch. Abends parken die Camper zwischen Palmen direkt am Fuß der Felswände – Kulisse wie aus einem Geologiebuch. - N’Kob bei Sonnenuntergang
45 Kasbahs, einige verfallen. Aber wenn die Sonne sinkt und die Lehmmauern golden werden, versteht man, warum Menschen hier seit Jahrhunderten leben
Was wir anders machen würden
Foum Zguid überspringen. Keine Übernachtung. Durchfahren bis Zagora – anderthalb Stunden mehr, aber ihr erspart euch einen unangenehmen Ort.
Pisten vorher einschätzen. Die RP1800 hat uns zwei Stunden gekostet. Aber das gehört dazu – manchmal klappt’s, manchmal nicht. Wichtig ist, früh genug umzudrehen, wenn die Piste zu rau wird.
Mehr Zeit in N’Kob. Eine Nacht war zu wenig. Der Ort verdient zwei – mit Zeit für die Palmerie, die kleinen Handwerksläden und den Sonnenuntergang von der Straße zum Pass.
Winter-Puffer einplanen. Der Tizi n’Tichka war offen, aber nur knapp. Wer im Januar fliegt, sollte einen Tag Reserve haben. Der Umweg über Agadir kostet mindestens 4 Stunden.
Erg Chegaga mit Übernachtung. Eine Tagestour ist viel Fahrerei für wenig Wüste. Besser: Eine Nacht im Camp buchen, dann habt ihr Sonnenuntergang und Sonnenaufgang – und die Dünen in Ruhe.
Fazit & Erfahrungen unserer Süd-Marokko Rundreise
Der Anti-Atlas bleibt leer, weil die meisten Touristen bei Merzouga und der Todra-Schlucht hängenbleiben. Die 60 km Piste zum Erg Chegaga und die dreistündigen Leerfahrten auf der N12 filtern den Rest raus.

Was bleibt: Die Speicherburg in Amtoudi mit ihrem 70-jährigen Wächter. Der Sonnenuntergang in N’Kob, wenn die Lehmmauern golden werden. Die Kaulquappen in der Wüstenquelle. Der Schock von Foum Zguid – und die Erleichterung, als wir weiterfuhren.
2.250 km, 14 Nächte, 11 Stationen, ~2.600 € für zwei. Machbar mit einem normalen Mietwagen. Aber übernachtet nicht in Foum Zguid.
Wart ihr schon im Anti-Atlas oder Süd-Marokko? Welche Route habt ihr genommen – und was würdet ihr anders machen? Schreibt’s in die Kommentare!





