Der Ramadan fällt 2026 auf den 18./19. Februar bis 19./20. März, 2027 auf den 7./8. Februar bis 8./9. März. Die genauen Daten hängen von der Mondsichtung ab und werden jeweils kurz vorher offiziell bestätigt. Wer in dieser Zeit mit dem Wohnmobil in Marokko unterwegs ist, muss sich auf Einschränkungen einstellen – aber nicht auf eine schlechte Reise.

Was sich konkret ändert
Während des Ramadans fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Es wird nicht gegessen, nicht getrunken, nicht geraucht. Das hat direkte Auswirkungen auf den Reisealltag:
Restaurants und Straßenküchen sind tagsüber geschlossen. In touristischen Gebieten bewirten manche Lokale weiterhin Touristen, aber das Angebot schrumpft deutlich. Die kleinen Garküchen an der Straße, die sonst überall frische Tajine und Suppe anbieten, machen erst nach Sonnenuntergang auf.
Geschäfte und Souks haben verkürzte Öffnungszeiten. Besonders freitags ist in den Souk-Vierteln vieles geschlossen. Vormittags geht wenig, nachmittags noch weniger. Gegen Abend zieht das Tempo an.
Alkohol wird in Supermärkten während des Ramadans nicht verkauft. Die „Beer and Wine Cave“ bei Carrefour bleibt zu. Wer darauf nicht verzichten will, muss vorher einkaufen.
Der Tagesrhythmus verschiebt sich. Morgens sind die Straßen ruhiger, nachmittags wirkt vieles wie ausgestorben. Dafür geht es abends richtig los.
Verkehr vor dem Fastenbrechen: Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang wird es auf den Straßen hektisch. Alle wollen rechtzeitig zum Iftar zu Hause sein – es wird drängelig und riskant gefahren. Park dein Wohnmobil rechtzeitig und warte das Fastenbrechen ab. Danach sind die Straßen für eine knappe Stunde fast leer.
Verpflegung im Camper – dein größter Vorteil
Wer mit dem Wohnmobil reist, hat im Ramadan einen entscheidenden Vorteil: die eigene Küche. Während Hotelreisende tagsüber nach offenen Restaurants suchen, kochst du einfach selbst.
Supermärkte haben geöffnet. Die großen Ketten wie Carrefour und Marjane in den Städten sind auch im Ramadan offen – mit teilweise verkürzten Zeiten, aber das Sortiment bleibt voll. Neben marokkanischen Produkten gibt es dort europäische Käsesorten, Aufschnitt und alles für den täglichen Bedarf.

Vorräte in Großstädten auffüllen. Bevor du in ländlichere Regionen oder die Wüste fährst, stocke in einer größeren Stadt auf. Die kleinen Hanouts (Nachbarschaftsläden) auf dem Land haben ein begrenztes Sortiment und können im Ramadan unregelmäßig öffnen.
Souks und Märkte funktionieren weiterhin, vor allem vormittags. Frisches Obst, Gemüse und Brot bekommst du dort auch im Fastenmonat – oft sogar günstiger, weil weniger Touristen unterwegs sind.
Abends wird’s lebendig
Der Ramadan hat eine zweite Seite, und die ist für Reisende ein echtes Erlebnis. Bei Sonnenuntergang bricht das Fasten – das Iftar beginnt. Innerhalb von Minuten verwandeln sich die Straßen. Familien sitzen zusammen, Restaurants öffnen, der Duft von Harira-Suppe und frischem Brot liegt in der Luft.
In den Städten füllen sich die Plätze nach dem Fastenbrechen mit Menschen. Straßenstände verkaufen Datteln, Gebäck und traditionelle Getränke. Die Stimmung ist festlich, fast wie ein tägliches kleines Fest.
Restaurants servieren ab Sonnenuntergang wieder voll – und oft besser als sonst. Tajine, Couscous, Pastilla: Die Küche läuft im Ramadan auf Hochtouren. Ein einfaches Essen kostet weiterhin 50–80 MAD (4,50–7 Euro), ein komplettes Menü mit Suppe, Hauptgericht und Nachspeise 100–120 MAD (9–10 Euro) pro Person.
Das gesellschaftliche Leben verlagert sich in die Nacht. Cafés sind bis spät gefüllt, die Souks beleuchtet. Wer abends durch eine marokkanische Stadt läuft, erlebt eine Atmosphäre, die es außerhalb des Ramadans so nicht gibt.
Verhalten und Respekt
Als Tourist bist du nicht verpflichtet zu fasten, aber Rücksichtnahme wird erwartet:
- Nicht in der Öffentlichkeit essen, trinken oder rauchen – zumindest nicht demonstrativ. Im Camper oder auf dem Campingplatz ist das kein Problem. Aber auf der Straße, vor einem Restaurant oder in der Nähe von Einheimischen ist Zurückhaltung angebracht.
- Alkohol blickdicht verpacken. Auf Campingplätzen trinkt jeder sein Bier, aber der Transport sollte diskret erfolgen. Das gilt in Marokko grundsätzlich, im Ramadan erst recht.
- Kleidung: Wie immer in Marokko – Schultern und Knie bedecken, besonders in ländlichen Gebieten und in der Nähe von Moscheen.
- Geduld mitbringen. Fastende Menschen sind nachmittags nicht immer auf dem Energielevel, das du von dir selbst kennst. Behördengänge, Werkstattbesuche oder Verhandlungen auf dem Souk legt man besser auf den Vormittag.

Die Vorteile: Warum Ramadan kein Grund gegen Marokko ist
Viele Wohnmobilisten meiden den Ramadan. Das bedeutet: deutlich weniger Touristen. Campingplätze, die sonst im Winter überfüllt sind, haben Platz. Sehenswürdigkeiten sind leerer. Die Preise bleiben stabil oder sinken sogar.
Dazu kommen kulturelle Einblicke, die man außerhalb des Fastenmonats nicht bekommt. Das Iftar mitzuerleben, die Großzügigkeit der Marokkaner in dieser Zeit zu spüren, die nächtliche Energie in den Städten – das sind Eindrücke, die über die übliche Reiseerfahrung hinausgehen.
Und ehrlich: Wer mit dem Camper unterwegs ist und sich selbst versorgen kann, merkt die Einschränkungen weniger als gedacht.
Praktische Tipps auf einen Blick
- Vorräte auffüllen bevor der Ramadan beginnt, oder in Großstädten einkaufen (Agadir, Marrakesch, Casablanca). Carrefour und Marjane sind verlässliche Anlaufstellen.
- Alkohol vor dem Ramadan kaufen. Während des Fastenmonats wird keiner verkauft.
- Tankstellen sind normal geöffnet. Diesel kostet aktuell um die 0,95–1,05 Euro/Liter (Stand Frühjahr 2026).
- Campingplätze laufen regulär. Viele Betreiber sind selbst an europäische Gäste gewöhnt und machen keine Einschränkungen.
- Route planen: Vermeide es, an Freitagen in kleinen Orten Besorgungen erledigen zu wollen – viele Geschäfte schließen zusätzlich fürs Freitagsgebet.
- Tagesprogramm anpassen: Vormittags fahren und besichtigen, nachmittags ruhiger machen, abends die Städte genießen.
- Wasservorrat im Camper: Wie immer in Marokko mindestens 20 Liter Trinkwasser dabei haben. Im Ramadan kann die Suche nach offenen Geschäften länger dauern.
- Thermoskanne füllen: Auch Raststätten-Cafés an der Autobahn haben tagsüber geschlossen. Morgens Kaffee vorkochen spart Nerven auf langen Etappen.
- Nicht zur Iftar-Zeit fahren: Eine Stunde vor Sonnenuntergang wird der Verkehr chaotisch. Rechtzeitig einen Stellplatz ansteuern und das Fastenbrechen abwarten.
Ramadan-Daten: 2026 vom 18./19. Februar bis 19./20. März, 2027 vom 7./8. Februar bis 8./9. März. Die exakten Termine werden kurz vorher durch Mondsichtung bestätigt.
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