Auf einen Blick
- Route: Bretagne → Île d’Oléron → Carcans/Médoc → Les Landes – und zurück (ca. 3.500 km gesamt ab München)
- Dauer: gut 3 Wochen (22 Tage)
- Reisezeit: Nebensaison (Mai–Juni oder September–Oktober)
- Campingkosten: 12–25 EUR/Nacht
- Für wen: Camper mit Surfambitionen, Radfahrer, Nebensaison-Fans
Zwei Risse ziehen sich quer durchs Glas. Irgendwo auf der A8 bei Augsburg hat ein Steinschlag die Windschutzscheibe erwischt. Carglass am Telefon: noch fahrbar, tauschen wir nach der Rückkehr. Also weiter – Surfbretter an der Decke, Sprünge im Glas, und dahinter die Straße Richtung französische Atlantikküste.
Drei Wochen sollten es werden, von der Bretagne bis in die Landes, in der Nebensaison. Halb leere Campingplätze, niedrigere Preise – und ein Wetter, das macht, was es will. Genau diese Mischung aus Freiheit und Unberechenbarkeit zog sich durch die ganze Reise.
Anfahrt und Route
Von München bis Erdeven in der Bretagne sind es rund 1.300 km – machbar in zwei Tagen mit Zwischenstopp, oder in einem langen Tag über die Autobahn. Wir haben uns für die Autobahn-Variante über Straßburg und Rennes entschieden. Mautkosten für die gesamte Strecke: etwa 80 EUR. Die Alternative über Landstraßen spart Geld, kostet aber mindestens einen zusätzlichen Tag. Wer sich die Zeit nimmt, kann die Anfahrt durch das Elsass oder die Loire aufwerten – beides lohnt sich als Zwischenstopp.
Sinnvoll fährt man die Küste von Nord nach Süd ab: erst die Bretagne, dann die Île d’Oléron, dann Carcans/Médoc nördlich von Bordeaux und zuletzt die Landes – und von dort zurück. Das spart Kilometer und Maut, und genau dieser Reihenfolge folgt auch der Bericht unten. So lässt sich die Strecke sinnvoll aufteilen – rund 18 bis 20 Nächte vor Ort, dazu zwei, drei Tage für An- und Rückfahrt, macht gut drei Wochen:
| Etappe | Nächte | Wofür | Haken |
|---|---|---|---|
| Bretagne (Erdeven, Quimper) | 8–10 | Dünen, Städte, Rad, günstige Plätze | Wetterrisiko |
| Île d’Oléron | 3 | Radwege, Austern, Inselgefühl | Höhenbalken, Nachtparkverbot |
| Carcans/Médoc | 2 | Ruhe, See plus Ozean | wenig Infrastruktur am Ort |
| Les Landes (Cap de l’Homy, Moliets) | 5–6 | Surf, lange Strände, Kiefernwald | Strömung an Flussmündungen |

Nebensaison an der Atlantikküste heißt: Mitte Mai bis Ende Juni und September bis Mitte Oktober. In beiden Zeitfenstern liegen die Temperaturen zwischen 17 und 25°C (Bretagne kühler, Landes wärmer), die Campingplätze sind halb leer und die Preise unter Hauptsaison-Niveau. Der Unterschied: Im Frühsommer sind die Tage länger, das Wasser aber kälter (15–18°C vs. 19–22°C im Herbst). Das Wetterrisiko ist in beiden Fenstern vergleichbar – die Bretagne ist nie eine sichere Bank.
Bretagne: Erdeven und die Küste bis Quimper

Plage de Kerhillio
Der Camping Kerhillio bei Erdeven liegt direkt in den Dünen – ein riesiges Gelände, das in der Hauptsaison mehrere hundert Fahrzeuge fasst. In der Nebensaison gehört es praktisch uns: freie Platzwahl, vielleicht zehn Vans verteilt über die Weite. Kein Schranken-System, keine Animation – einfach hinstellen und die Schiebetür Richtung Atlantik aufschieben. Für rund 14 EUR pro Nacht bekommt man fast Freisteh-Feeling in Strandnähe: weite Dünenlandschaft und ein Trampelpfad, der in fünf Minuten ans Wasser führt. In der Hauptsaison sieht das hier sicher anders aus.
Am ersten Abend: Vollmond über dem Atlantik, der Strand 200 Meter entfernt. Nach drei Jahren ohne Surfbrett geht es endlich wieder ins Wasser. Die Wellen sind klein – hüfthoch, kaum Strömung – aber es reicht zum Wiederreinkommen. Zwischen den Surfern ein paar Kitesurfer, der Wind hier oben ist zuverlässiger als weiter südlich. Die Wassertemperatur liegt in der Nebensaison bei 17–20°C, deutlich kühler als in den Landes. Ohne Neoprenanzug wird es nach 30 Minuten ungemütlich.


Radtour nach Quiberon
Vom Platz aufs Rad und an der Küste Richtung Quiberon – flach, gut zu fahren. Schon kurz hinter Erdeven stehen die Alignements de Kerzerho direkt an der Straße: rund 1.100 Menhire in langen Reihen, frei zugänglich. Steine in Reih und Glied wie eine versteinerte Armee – eine Legende erzählt genau das: Kerzerho sei die Vorhut versteinerter Römer, die Hauptmasse stehe ein paar Kilometer weiter in Carnac. Die berühmten Carnac-Alignements selbst sind allerdings eingezäunt – von April bis September kommt man nur mit (kostenpflichtiger) Führung zwischen die Steine, frei begehbar erst im Winter.

In Quiberon selbst ist in der Nebensaison wenig los. An einem Wochenende findet ein lokaler Triathlon statt – abgesehen davon hat man die Hafenpromenade fast für sich. Galette complet in einem der Restaurants am Hafen: Buchweizenpfannkuchen mit Schinken, Käse und Ei. Das ist das bretonische Standardgericht, deutlich sättigender und herzhafter als jede Crêpe. Wer die Bretagne kulinarisch verstehen will, fängt hier an.

Pont-Aven und Quimper
Pont-Aven ist als Künstlerort bekannt – Gauguin hat hier gemalt und die „École de Pont-Aven“ begründet. Außerhalb der Hauptsaison ist der kleine Ort vor allem eins: überlaufen für seine Größe. Über dem Fluss steht ein altes Steinhäuschen, das aussieht wie ein galicischer Maisspeicher – heute ist es eine öffentliche Toilette. Die Galerien sind nett, ein Nachmittag reicht.

Quimper dagegen lohnt sich. Die Altstadt ist kompakt, aber hat Substanz: Kathedrale Saint-Corentin mit ihren beiden spitzen Türmen, Fachwerkhäuser am Fluss Odet, eine Markthalle mit regionalen Produkten. Die Markthalle allein ist einen Vormittag wert – bretonischer Käse, Fischsuppe, Kouign-Amann (das butterreichste Gebäck der Bretagne). Vor der Kathedrale ein Platz voller Crêperien, die meisten authentisch und günstig. Die Stadt ist groß genug, um einen ganzen Tag zu füllen, ohne dass es sich gezwungen anfühlt.

Übernachtet haben wir auf dem Camping Municipal, stadtnah und mit 12,60 EUR pro Nacht einer der günstigsten Plätze der ganzen Tour.

Unser Fazit zur Bretagne: Erdeven und Quimper waren die stärkste Kombination aus Strand, Stadt und günstigem Platz – preislich 12,60 bis 14 EUR pro Nacht. Der Haken bleibt das Wetter: Kippt es, kippt schnell der ganze Abschnitt mit. Für Surfer, Radfahrer und Nebensaison-Fans trotzdem ein starker Einstieg, für klassische Badeurlauber eher nicht.

Bretonische Kulinarik: Galette (Buchweizen, herzhaft) statt Crêpe (Weizen, süß) – das ist hier der Standard. Dazu Cidre brut aus der Tasse. In Quimper Caramel au Beurre Salé probieren, die gesalzene Karamellcreme der Bretagne. Und Gâteau Breton als Proviant: hält tagelang, schmeckt nach Butter.
Wetterumbruch: Flucht nach Süden
Nach zehn Tagen Bretagne dreht das Wetter. 16°C, Dauerregen, die Wellen unsurfbar – zerhackt und zu groß gleichzeitig. Der Campingplatz, der bei Sonne ein Traum war, verwandelt sich in eine Schlammlandschaft. Im Van ist es eng, wenn man den ganzen Tag drin sitzt. Kochen unter der Markise bei Starkregen – das hat seine Grenzen.
In der Nebensaison ist das normal: Die Bretagne hat statistisch 15–18 Regentage im Monat. Der Charme ist real, aber Wettergarantie gibt es nicht. Wir packen zusammen und fahren rund 500 km nach Süden – gut fünf Stunden Fahrt. Auf der Autobahn, weil die gleiche Strecke über Landstraße bei Regen kein Vergnügen ist. Mautkosten: rund 45 EUR.
Île d’Oléron
Nach dem Regen der Bretagne fühlt sich Oléron an wie eine andere Klimazone. „La Lumineuse“ nennen die Einheimischen ihre Insel – die Leuchtende –, und das Licht hält, was der Name verspricht: klarer, wärmer, mit einer Qualität, die man sonst eher aus Südfrankreich kennt. 20 bis 25°C in der Nebensaison, die zweitgrößte Insel des französischen Mutterlands nach Korsika, erreichbar über eine mautfreie Brücke.
Ankommen mit Hindernissen
Die Ankunft ist holprig. Die Brücke zur Insel ist imposant – 3 km lang, mautfrei, mit Blick auf die Austernbänke im Mündungsgebiet der Charente. Aber im ersten Ort – La Brée-les-Bains – stehen wir vor einer Schranke: Höhenbegrenzung 2,0 m. Unser Jumper misst rund 2,65 m – da ist kein Durchkommen, auch ohne Dachgepäck (die Bretter liegen ohnehin innen). Auch der nächste Strandparkplatz hat eine Schranke. Und der übernächste ein Parkverbot für Wohnmobile zwischen 23 und 7 Uhr. Das Muster zieht sich über die gesamte Insel.
Höhenbegrenzungen: Viele Strandparkplätze an der französischen Atlantikküste haben Schranken mit 2,0–2,2 m Durchfahrtshöhe. Mit Dachgepäck oder hohen Wohnmobilen vorab prüfen. Auf Oléron gilt zudem ein Parkverbot für Wohnmobile zwischen 23 und 7 Uhr auf vielen öffentlichen Plätzen.
Mit dem Rad zu Leuchtturm und Austernbänken
Die Insel erkundet man am besten mit dem Fahrrad. Das Wegenetz ist gut ausgebaut, die Landschaft flach – wie gemacht für Tagestouren ohne große Anstrengung. Zum Leuchtturm Chassiron an der Nordspitze sind es je nach Startpunkt 15–20 km. Der 46 Meter hohe, schwarz-weiß gestreifte Turm steht auf einer Klippe, daneben ein Garten mit einem Kompass-Mosaik aus Muscheln und Steinen.

Bei Ebbe werden ringsum die Austernbänke sichtbar – kilometerlange Reihen aus Drahtgestellen und Holztischen, die bei Niedrigwasser aus dem Watt ragen. Île d’Oléron ist eines der wichtigsten Austernzuchtgebiete Frankreichs. In den Cabanes – einfache Holzhütten am Hafen – bekommt man ein Dutzend frische Austern mit Brot und Butter für 8–12 EUR. Dazu ein Glas Muscadet. Das ist Oléron in seiner besten Form.


Camping auf Oléron
Nach dem Frust mit den Restriktionen finden wir den Camping Huttopia bei Vert Bois an der Westküste, zwischen Plage du Treuil und Plage Vert Bois. Direkt vor dem Platz ist der Strand felsig – zum Surfen nichts. Der Sandstrand liegt rund 2 km am Strand entlang, der Weg dahin führt aber durch schattigen Kiefernwald. Stellplatz im Wald, ideal zum Joggen, gute Sanitäranlagen, rund 22 EUR pro Nacht. Wir bleiben vier Nächte mit fester Routine: morgens Waldlauf, nachmittags Surfen.
Île d’Oléron: Zweitgrößte Insel des französischen Mutterlands nach Korsika (rund 30 km lang, bis zu 8 km breit, 174 km²). Mautfreie Brücke vom Festland. Bekannt für Austernzucht, Salzgewinnung und besondere Lichtverhältnisse. Weniger touristisch als die benachbarte Île de Ré, dafür günstiger.
Oléron ist der Zwischenstopp für alle, die Radfahren, Meer und gutes Essen kombinieren wollen, ohne gleich im durchregulierten Badeort zu landen – mit rund 22 EUR pro Nacht auf unserer Route noch fair bepreist. Bezahlt wird das mit Planungsaufwand: Die vielen Höhenbegrenzungen und Nachtregeln an den Strandparkplätzen zwingen jeden mit Dachgepäck oder großem Fahrzeug zu deutlich mehr Vorausdenken als in der Bretagne oder den Landes.
Carcans-Plage: Ruhe im Médoc
Von Oléron geht es weiter nach Süden, mit einem Zwischenstopp im Médoc: Carcans-Plage, eine Stunde nördlich von Bordeaux. In der Nebensaison ist der Ort fast leer. 17°C, Wind, der Sand fliegt – aber genau das macht den Reiz. Die Strandbars haben geschlossen, die Rettungsschwimmer sind weg, nur ein paar Surfer und Spaziergänger teilen sich die Weite. Der Kontrast zur Hochsaison muss gewaltig sein – man sieht es an der Infrastruktur, die auf tausende Besucher ausgelegt ist, jetzt aber verwaist dasteht.
Radtouren am See und an der Küste
Von Carcans führt die Vélodyssée – Frankreichs bekanntester Fernradweg – durch die Kiefernwälder nach Süden Richtung Lacanau-Océan. Die Strecke ist flach, gut ausgebaut und führt komplett durch den Wald. Rund 10 km pro Richtung, gut eine Stunde mit dem Rad.

In die andere Richtung liegt der Lac d’Hourtin-Carcans – mit rund 18 km Länge und 5 km Breite der größte natürliche Süßwassersee Frankreichs. Ruhiger als der Ozean, zum Schwimmen bei Wind die bessere Alternative. Das Ufer ist sandig, das Wasser klar und wärmer als der Atlantik. An windigen Tagen, wenn der Ozean zu aufgewühlt ist, die entspanntere Option.
Surfen ohne Gedränge
Hier klappt endlich, was in der Bretagne nicht ging: saubere Wellen, niemand im Wasser, keine Surfschule im Weg. In der Nebensaison teilt man sich den Strand mit einer Handvoll Locals. Dafür nimmt man die 17°C Luft gerne in Kauf.
Die Lichtstimmungen abends entschädigen für jeden verregneten Tag in der Bretagne. Gegen 19 Uhr, wenn die Sonne tief steht, färbt sich der Strand golden. Die letzten Surfer kommen aus dem Wasser, Silhouetten gegen das Gegenlicht. Es sind diese Momente, für die wir die Nebensaison in Kauf nehmen – die Weite, die Ruhe, der Strand für sich.
An einem Abend gibt es Geburtstags-Küchlein unter den Pinien – eine Feier im kleinen Rahmen, mit Kerzen auf dem Campingtisch und dem Rauschen des Atlantiks im Hintergrund. So funktioniert das im Van: keine große Planung, aber genau die richtigen Zutaten.


Gestanden sind wir auf dem Camping de l’Océan in Carcans-Plage, rund 22 EUR pro Nacht.
Carcans ist die ruhige Alternative zum belebteren Lacanau: wenig Betrieb, gute Radwege, Ozean und See in Reichweite. Wer mehr Trubel, Surfschulen und Infrastruktur am Ort will, ist in Lacanau besser aufgehoben – wer Ruhe sucht, bleibt hier.
Les Landes: Cap de l’Homy und Moliets
Die Landes sind Frankreichs Surf-Epizentrum. 100 km gerader Sandstrand, dahinter endlose Kiefernwälder. Wer hier einmal war, versteht warum die Leute wiederkommen. Schon auf der ersten Frankreich-Reise hat uns dieser Küstenabschnitt nicht losgelassen.
Cap de l’Homy
Cap de l’Homy ist kein Neuland – Marek war hier schon Anfang der 2000er mit seinem Bruder im Surfcamp, später folgten Familienurlaube am selben Platz. Auch auf dem Sabbatical führte uns die Route durch die Landes. Der Ort hat sich kaum verändert: ein paar Restaurants, der Campingplatz, ein Surfshop, und dahinter der endlose Strand. Camping Municipal am Waldrand, 500 Meter zum Wasser durch Kiefern und Dünen. In der Nebensaison rund 12–14 EUR pro Nacht. Der Platz ist einfach – feste Stellflächen auf Sand und Nadeln, Sanitäranlagen in Ordnung, kein Pool, kein Programm. Genau richtig. Und fest in deutscher Hand: Über das dortige Wellenreiter-Camp kommen seit Generationen deutsche Surfer hierher – und immer wieder zurück. Die Welle selbst hat Wumms und bricht steil, eher nichts fürs entspannte Longboarden.

In der Nebensaison liegt die Wassertemperatur bei 19–22°C – ein 3/2-mm-Neopren reicht, an warmen Tagen sogar eine Shorty. Die Lufttemperatur klettert an einem Tag auf 30°C – ein Ausreißer, der zeigt wie launisch das Wetter hier sein kann. Am nächsten Tag wieder 22°C und Wolken. Radtouren durch die Kiefernwälder sind eine gute Alternative zu wellenarmen Tagen: flach, schattig, schnurgerade Wege durch die Forste. Die Landes bestehen zu großen Teilen aus Kiefernplantagen, die Napoleon III. im 19. Jahrhundert pflanzen ließ, um die Sümpfe trockenzulegen. Das Ergebnis ist ein riesiger, nach Harz duftender Wald, der sich über Hunderte Kilometer erstreckt.
Portugiesische Galeeren: In manchen Jahren liegen an den Stränden der Landes Portugiesische Galeeren angespült. Die bläulichen, quallenartigen Tiere sind giftig – die Tentakeln verursachen starke Verbrennungen. Nicht anfassen, auch gestrandete Exemplare. Bei Sichtungen informiert die Strandaufsicht, einzelne Strände werden teils gesperrt.


Wenn die Schulter streikt
Nach einer Woche macht die Schulter nicht mehr mit – zu viel Paddeln nach der langen Pause. Die restliche Reise wird zur Mischung aus Radtouren, Strandspaziergängen und gelegentlichen Sessions, wenn die Wellen klein genug sind. Die Lektion war banal, aber unterwegs schnell vergessen: Nach einer langen Surf-Pause lieber mehrere kurze Sessions als eine lange. Schulter- und Nackenmuskulatur brauchen Zeit.
Moliets und der Courant d’Huchet
Moliets-et-Maa liegt südlich von Cap de l’Homy und ist ein klassischer Surf-Ort der Landes. Die Besonderheit hier: Der Courant d’Huchet mündet ins Meer – die einzige nicht-stabilisierte Flussmündung an diesem Küstenabschnitt. Die Sandbänke verschieben sich bei jedem Tidenwechsel und erzeugen Wellen, die es an den benachbarten Stränden so nicht gibt. Für erfahrene Surfer ein lohnender Spot, für Anfänger wegen der Strömungen eher ungeeignet.
Der Ort selbst ist übersichtlich: Bäckerei, ein paar Restaurants, Surfverleih. Camping Le Saint Martin liegt am Waldrand, rund 25 EUR pro Nacht in der Nebensaison. Von dort sind es 800 Meter durch die Dünen zum Strand.
Ausflüge: Biarritz, Hossegor und Bayonne
Von den Landes aus lohnen sich mehrere Tagesausflüge ins Baskenland. Die Nummer eins ist Biarritz – das mondäne Surf- und Seebad, einst Kaiserbad, heute Surf-Hotspot. Wir kennen es von früheren Reisen und haben es diesmal ausgelassen; es gehört aber ganz oben auf die Liste. Gemacht haben wir auf dieser Tour Hossegor und Bayonne.
Hossegor ist Frankreichs Surf-Hauptstadt – die Boardshops und Surf-Brands konzentrieren sich hier. Für Einkäufe (Neoprenanzug, Boards, Zubehör) die beste Adresse an der gesamten Küste. Die Wellen an der Plage de la Gravière sind allerdings etwas für Könner – beachtliche Shorebreaks, die Respekt verdienen.
Bayonne überrascht. Die baskische Altstadt mit ihren bunten Häusern – rot, grün, gelb, dazu weiße Fensterläden – wirkt auf den ersten Blick südfranzösisch, ist aber durch und durch baskisch. Die Kathedrale Sainte-Marie ist beeindruckend, der Kreuzgang dahinter ruhig und schattig. In der Markthalle Les Halles de Bayonne gibt es Bayonner Schinken (Jambon de Bayonne), baskischen Käse (Ossau-Iraty) und Piment d’Espelette – das milde baskische Chilipulver, das hier auf alles kommt. Bei uns war sie allerdings schon geschlossen. Der Fluss Nive teilt die Altstadt, Fachwerkhäuser spiegeln sich im Wasser. Wer draußen isst, sollte allerdings auf die Möwen aufpassen: Eine schnappte sich im Vorbeiflug Martinas halbes Sandwich direkt vom Tisch, kein Witz.


Surf-Bedingungen Landes (Nebensaison): Wellenhöhe 0,5–2,0 m je nach Swell. Wassertemperatur 19–22°C. 3/2mm Neoprenanzug empfohlen, an warmen Tagen reicht eine Shorty. Gute Spots: Hossegor (La Gravière für Könner, La Sud für Anfänger), Moliets, Seignosse, Cap de l’Homy. Morgens meist sauberer als nachmittags – vor dem Thermalwind ins Wasser.
Was bleibt von den Landes? Der unkomplizierteste Surf-Abschnitt der ganzen Route. Die Plätze lagen bei uns zwischen 12 und 25 EUR pro Nacht, die Infrastruktur passt, und an wellenarmen Tagen tragen Radtouren und lange Strandspaziergänge den Tag. Wer Meer, Wald und Van-Routine sucht, ist hier richtig – wer hübsche Orte mit Altstadtflair will, bekommt in Bayonne oder der Bretagne mehr.
Fazit und praktische Tipps
Drei Wochen französische Atlantikküste in der Nebensaison – ein Kompromiss mit klaren Vor- und Nachteilen. Die Nebensaison bringt weniger Betrieb, niedrigere Preise und leere Surfspots. Aber das Wetter kann die Planung über den Haufen werfen, wie die Bretagne gezeigt hat. Wer flexibel ist und notfalls rund 500 km nach Süden fährt, wird belohnt. Wer einen festen Plan braucht und bei Regen schlecht gelaunt wird, sollte Juli oder August wählen – und die höheren Preise und vollen Plätze in Kauf nehmen.
Die Atlantikküste ist kein Geheimtipp – dafür ist sie zu bekannt und zu gut erschlossen. Aber in der Nebensaison zeigt sie eine andere Seite: rauer, ruhiger, ehrlicher. Man muss sich den guten Momenten anpassen statt sie zu planen. Das klappt im Van besser als in jeder anderen Reiseform.
Und die Windschutzscheibe? Die beiden Risse haben die rund 3.500 Kilometer tapfer mitgemacht. Getauscht wurde erst zuhause – wie Carglass versprochen hatte. Genau das passt zu dieser Reise: Nicht alles muss perfekt sein, solange die Route im Alltag funktioniert.
Campingplatz-Übersicht
Wenn du die Strecke nachfahren willst, kommen hier die harten Daten aus unserer Reise.
| Ort | Campingplatz | Preis/Nacht | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Erdeven (Bretagne) | Camping Kerhillio | ~14 EUR | Direkt in den Dünen, Nebensaison ruhig |
| Quimper (Bretagne) | Camping Municipal | 12,60 EUR | Günstig, stadtnah |
| Île d’Oléron | Camping Huttopia | ~22 EUR | Im Wald, 2 km zum Strand |
| Carcans Plage | Camping de l’Océan | ~22 EUR | Nebensaison fast leer |
| Cap de l’Homy (Landes) | Camping Municipal | ~12–14 EUR | Waldrand, 500 m zum Strand |
| Moliets (Landes) | Camping Le Saint Martin | ~25 EUR | Nahe Courant d’Huchet |
Reisekosten (Einschätzung, 2 Personen, 22 Tage)
Die folgenden Werte gelten für die komplette Rundreise ab München: Hin- und Rückfahrt plus die Strecke vor Ort. Wer aus dem Westen Deutschlands startet, hat kürzere Anfahrtswege und entsprechend weniger Maut und Sprit.
- Camping: rund 320 EUR (ca. 20 Nächte, im Schnitt 16 EUR/Platz, 12,60–25 EUR)
- Maut: rund 200 EUR (Hinfahrt ~80, Wetterflucht ~45, Rückfahrt ~75; Klasse 2 / Kastenwagen unter 3,5t)
- Lebensmittel: rund 550 EUR (Supermarkt ~20 EUR/Tag für zwei, dazu einzelne Restaurant- und Austernbesuche, 15–25 EUR/Person)
- Sprit: rund 500 EUR (ca. 3.500 km, Verbrauch 8,5 l/100 km, Diesel ca. 1,70 EUR/l)
Wir waren mit unserem Citroën Jumper L2H2 als Basisfahrzeug unterwegs (Kastenwagen, unter 3,5t, Klasse 2 an der Mautstation). Für größere Wohnmobile über 3,5t (Klasse 3) liegen die Mautkosten etwa 20–30% höher. Die Kosten insgesamt liegen über dem Niveau von Südosteuropa oder Marokko, aber deutlich unter Skandinavien. Gesamt für die 22 Tage (2 Personen): rund 1.450 bis 1.700 EUR, je nach Essverhalten und Mautbereitschaft. Sprit für die rund 3.500 km, Lebensmittel und die Maut für die lange An- und Rückfahrt sind die größten Posten – wer überwiegend günstige Municipal-Plätze nimmt und selbst kocht, bleibt am unteren Ende. Supermärkte (Leclerc, Intermarché, Super U) haben ein gutes Angebot und liegen preislich auf deutschem Niveau. Wein ist deutlich günstiger als in Deutschland – trinkbare Flaschen ab 3–4 EUR.
Surf-Tipps
- Für Anfänger: Surfschulen in Lacanau und Hossegor haben auch in der Nebensaison Betrieb. Die Wellen in den Landes sind kräftiger als in der Bretagne.
- Für Longboarder: Kleine, saubere Tage an den Beachbreaks der Landes. Morgens vor dem Thermalwind die besten Bedingungen.
- Neoprenanzug: 3/2mm reicht für die Nebensaison, im Mai evtl. 4/3mm.
- Board-Transport: Surfbretter auf dem Dach erhöhen die Höhe zusätzlich – wir transportieren sie deshalb innen. Hochdach-Kastenwagen wie unser Jumper (rund 2,65 m) passen ohnehin oft nicht unter die Schranken an Strandparkplätzen (2,0–2,2 m, siehe Oléron).
- Nach langer Pause: Schulter und Nacken langsam aufbauen. Zwei kurze Sessions pro Tag statt einer langen.
Essen entlang der Küste
Wer die Küste von Nord nach Süd abfährt, isst sich durch vier Küchen: in der Bretagne Galette und Cidre, auf Oléron die Austern frisch aus den Cabanes, in den Landes Entenbrust und Confit de Canard, im Baskenland Ossau-Iraty und Piment d’Espelette. Vier Regionen, vier Spezialitäten – ein Grund mehr, sich unterwegs Zeit zu lassen.
Häufige Fragen
Ist die französische Atlantikküste in der Nebensaison eine gute Reisezeit für Camper?
Bedingt. Die Nebensaison bringt weniger Betrieb, niedrigere Campingpreise und leere Surfspots. In der Bretagne kann das Wetter schnell umschlagen – Dauerregen und starker Wind sind keine Seltenheit. Weiter südlich in den Landes und um Bordeaux ist es stabiler, aber auch dort nicht garantiert. Flexibilität in der Routenplanung ist der Schlüssel.
Kann man an der Atlantikküste frei stehen mit dem Wohnmobil?
Auf öffentlichen Straßen ist Parken in Frankreich grundsätzlich nicht unbegrenzt möglich; als missbräuchlich gilt es spätestens nach mehr als 7 Tagen am selben Ort, per kommunaler Regel oft früher. An der Atlantikküste sieht die Praxis ohnehin strenger aus: Viele Strandparkplätze haben Höhenbegrenzungen (2,0–2,2 m), Nacht-Parkverbote oder eigene Wohnmobil-Regeln. Im Landesinneren ist es meist entspannter. In der Nebensaison sind Campingplätze oft so günstig, dass Freistehen finanziell kaum einen Unterschied macht.
Braucht man Mautstraßen oder geht es über Landstraßen?
Die Autobahnen in Frankreich sind mautpflichtig – für die Strecke Bretagne nach Landes fallen schnell 60–80 EUR an. Die Nationalstraßen und Departementstraßen sind eine echte Alternative: gut ausgebaut, weniger Verkehr in der Nebensaison. Dauert aber entsprechend länger. Für eine spontane Wetterflucht über rund 500 km ist die Autobahn die pragmatische Wahl.
Welche Strecke eignet sich für Surf-Anfänger?
Die Landes sind der zugänglichste Abschnitt: lange Sandstrände, mehrere Beachbreaks und Surfschulen in Lacanau, Moliets und Hossegor, die auch in der Nebensaison Kurse anbieten. Sanfte Tage findet man morgens vor dem Thermalwind. Spots mit Flussmündung wie der Courant d’Huchet in Moliets sind dagegen wegen der Strömungen nichts für Einsteiger. Die Bretagne ist für Anfänger weniger geeignet, weil die Bedingungen unbeständiger sind.
Mai/Juni oder September/Oktober – welche Nebensaison ist besser?
Beide Fenster sind ruhig und günstig, unterscheiden sich aber im Wasser. Im Frühsommer sind die Tage länger, das Wasser mit 15–18°C aber deutlich kälter – ein 4/3mm-Neoprenanzug ist sinnvoll. Im Herbst ist das Wasser mit 19–22°C angenehmer (Atlantik gibt die Sommerwärme verzögert ab), die Tage sind kürzer. Das Wetterrisiko ist in beiden Fenstern vergleichbar; für reine Wassertemperatur gewinnt der September.
Lohnt sich die Strecke auch ohne Surfbrett?
Ja. Der gesamte Küstenabschnitt ist über die Vélodyssée und gut ausgebaute Waldwege fürs Rad erschlossen, dazu kommen Städte wie Quimper, Bayonne und Inseln wie Oléron mit Austern, Märkten und Altstadtflair. Wer nicht surft, plant die Etappen eher nach Radtouren, Stränden zum Spazieren und Stadtbesuchen – die Route funktioniert dann genauso, nur mit anderem Tagesrhythmus.
War jemand von euch schon an der französischen Atlantikküste? Welche Spots könnt ihr empfehlen? Schreibt es in die Kommentare.




