Die meisten, die mit dem Camper nach Montenegro fahren, bleiben an der Küste hängen: Kotor, Budva, die Serpentinen über die Bucht. Verständlich, das ist nah und spektakulär. Aber wer einmal in den Norden hochfährt, in den Durmitor-Nationalpark und an die Tara-Schlucht, sieht ein komplett anderes Land. Hochgebirge, Pinienwälder, Bergseen und mit der Tara der tiefste Canyon Europas. Auf rund 1.450 Metern Höhe ist es hier auch im Hochsommer kühl – und genau das macht die Region so reizvoll, wenn unten an der Adria 35 Grad herrschen.
Dieser Artikel ist die praktische Ergänzung zum Küsten-Roadtrip: Anfahrt, Pässe, Stellplätze, Eintritt, und vor allem eine ehrliche Einschätzung, wie camper-tauglich die berüchtigten Bergstraßen wirklich sind. Wenn dich die Route über Kotor, Lipa-Höhle und Skadarsee interessiert, findest du sie im separaten Beitrag (siehe Link im Fazit).
Die kurze Antwort vorweg: Der Durmitor lohnt sich mit dem Camper – aber die Strecke entscheidet über den Stresspegel. Mit einem schmalen, kompakten Camper, etwas Bergstraßen-Routine und der richtigen Jahreszeit ist die Region einer der Höhepunkte des Balkans. Mit einem großen, breiten Wohnmobil reist man entspannter über die gut ausgebaute Nordanfahrt an und nimmt die enge Höhenstraße bewusst als langsame Tagestour – anspruchsvoller, aber machbar. Warum das so ist, steht weiter unten im Detail.
Auf einen Blick
- Lage: Durmitor-Nationalpark im Nordwesten Montenegros rund um Žabljak (1.450 m), die höchstgelegene Stadt des Balkans
- Highlights: Schwarzer See (Crno jezero, ~1.416 m), Tara-Schlucht (~1.300 m tief, ~82 km – tiefste Schlucht Europas), Đurđevića-Tara-Brücke (~365 m lang, ~172 m hoch)
- Anfahrt: breit und unkritisch von Osten (Mojkovac) und Norden (Pljevlja); landschaftlich über den Sedlo-Pass (~1.907 m), zugleich Hochpunkt der Ringstraße
- Eintritt: ~5 EUR pro Person und Tag oder Jahres-Kombiticket für 13,50 EUR (gilt für alle Nationalparks Montenegros); Stand 2024/2025, vor Ort prüfen. Parken am Schwarzen See extra, bezahlt wird in Euro
- Übernachten: im Camper im Park meist problemlos – ein Ranger kommt vorbei und kassiert die Parkgebühr; Campingplätze in Žabljak für Strom, Wasser und Entsorgung
- Beste Reisezeit: Frühsommer (ab ~Juni) und September/Oktober; Hochsommer meiden
Anfahrt: Welche Route in den Durmitor?
In den Durmitor kommt man aus mehreren Richtungen. Nach Žabljak, dem zentralen Ort, führen breite, gut ausgebaute Straßen von Osten (Mojkovac, entlang der Tara) und von Norden (Pljevlja). Die Durmitor-Höhenstraße – der „Durmitorski prsten“ – ist dagegen eine rund 76 km lange Rundstrecke ums Massiv, die den Sedlo-Pass einschließt: eine geschlossene Schleife, in die man an mehreren Punkten einsteigt – in Žabljak, aus dem Piva-Tal bei Plužine (R-16) oder von Süden über Šavnik (M-6).
Für die reine Anreise sind diese beiden Zufahrten die unkomplizierte Wahl – auch große, schwere Wohnmobile kommen hier problemlos durch. Wer keine Lust auf enge Bergstraßen hat, kommt so entspannt nach Žabljak und kann die Höhenstraße später als eigene Tagestour fahren – ausgeruht und bei gutem Wetter statt direkt nach der Anfahrt.
Landschaftlich eindrucksvoller, aber deutlich anspruchsvoller ist die Anreise von Südwesten aus dem Piva-Tal (Plužine) über den Sedlo-Pass (auf Deutsch „Sattel“, rund 1.907 m, der höchste Punkt der Strecke). Von hier hast du die Wahl: den kurzen Weg direkt nach Žabljak nehmen (dann fährst du diesen Abschnitt gegen den Uhrzeigersinn, also auf der Talseite) – oder gleich die ganze Schleife im Uhrzeigersinn drehen und hintenrum in Žabljak ankommen. Das ist die unten empfohlene Richtung (Bergseite) und nimmt die komplette Höhenstraße gleich mit; wer nach der langen Anfahrt durch ist, hebt sich die Runde aber besser für eine entspannte Tagestour auf. Die Passstraße windet sich in engen Serpentinen durch das Hochgebirge, ist asphaltiert, aber schmal und über weite Strecken ohne Leitplanke. Das verlangt Konzentration und etwas Bergstraßen-Routine; bei Gegenverkehr steuert man rechtzeitig die nächste breitere Stelle an.

| Route / Pass | Höhe | Straßenzustand | Camper-Tauglichkeit |
|---|---|---|---|
| Mojkovac – Žabljak (von Osten, entlang Tara) | bis ~1.450 m | breit, gut ausgebaut | für alle Fahrzeuge gut |
| Pljevlja – Žabljak (von Norden) | bis ~1.450 m | gut ausgebaut | für alle Fahrzeuge gut |
| Sedlo-Pass (westlicher Bogen der Ringstraße) | ~1.907 m | asphaltiert, sehr eng, keine Leitplanke | kompakt unkritisch, größer mit Fahrroutine |
| Durmitor-Ringstraße gesamt (~76 km Tagestour) | über 2.000 Hm gesamt | asphaltiert, sehr schmal, keine Begrenzung | kompakt unkritisch, größer mit Fahrroutine – trockenes Wetter |
Die Fahrt von der montenegrinischen Küste in den Durmitor dauert je nach Route etwa drei bis vier Stunden. Wer aus den albanischen Alpen kommt (etwa von Theth), sollte rund fünf Stunden einplanen.
Die Durmitor-Höhenstraße: schön, aber nichts für jeden
Die berühmte Durmitor-Ringstraße ist rund 76 Kilometer lang und überwindet insgesamt mehr als 2.000 Höhenmeter. Den Abschnitt über den Sedlo-Pass kennt schon, wer aus dem Piva-Tal angereist ist. Sie verbindet abgelegene Bergdörfer, führt am Sušica-Canyon vorbei (15 km lang, bis zu 600 m tief) und gibt an mehreren Stellen den Blick auf die Tara-Schlucht frei. Landschaftlich ist das die Krönung der Region.


Aber: Die Straße ist über weite Strecken extrem schmal, zwar asphaltiert, aber stellenweise holprig, und es gibt keine Begrenzungen zum Abhang hin. Nach der steilen Abfahrt in den Sušica-Canyon geht es auf der anderen Seite genauso steil wieder hoch. Ein Park-Ranger, der uns auf der Strecke ein Stück mitgefahren ist, gab dazu eine klare Empfehlung: Im Hochsommer die Ringstraße meiden, weil dann viel Gegenverkehr herrscht und das Ausweichen auf der engen Trasse zum echten Problem wird. Beste Zeit ist September oder Oktober. Sein zweiter Rat: die Runde im Uhrzeigersinn fahren. Weil in Montenegro Rechtsverkehr herrscht, bleibst du so auf der Bergseite und hast die Felswand statt des ungesicherten Abhangs neben dir. Wir sind morgens gegen sieben ab Žabljak (über Trsa) losgefahren, da war die Straße fast leer; ab etwa zehn Uhr nimmt der Gegenverkehr zu, und das Ausweichen auf der engen Trasse wird zur Rangierei.
Im Uhrzeigersinn fahren und vor zehn Uhr losfahren – dann hast du die Felswand neben dir statt des Abhangs, und die Straße fast für dich allein.
Ranger im Durmitor Park
Praktisch heißt das: Mit einem kompakten Campervan und bei trockenem Wetter ist die Ringstraße eine tolle Tagestour. Wer früh am Morgen losfährt – bei uns waren es 3 Grad und Sonnenaufgang über den Gipfeln –, hat die Straße oft fast für sich. Mit einem großen, breiten Wohnmobil wird es wegen der Enge und der wenigen Ausweichstellen anspruchsvoller. Eine Katastrophe ist das aber nicht – man fährt langsamer, plant mehr Zeit zum Rangieren ein und startet früh, solange wenig Gegenverkehr unterwegs ist. Wer es entspannter mag, lässt den Camper auf einem Stellplatz in Žabljak stehen und nimmt sich die nähergelegenen Aussichtspunkte zu Fuß vor. Für die komplette Ringstraße mit Pausen sollte man mindestens vier Stunden einplanen.
Schwarzer See (Crno jezero): das Wahrzeichen
Vom Ort Žabljak sind es nur etwa drei Kilometer bis zum Parkplatz am Schwarzen See, dem bekanntesten Ziel im Park. Der See liegt auf rund 1.416 Metern am Fuß des Berges Međed. Er besteht eigentlich aus zwei Seen, dem Veliko jezero („großer See“) und dem Malo jezero („kleiner See“), die im Sommer durch einen trockenfallenden Wassersteg getrennt werden.

Rund um den See führt ein einfacher Wanderweg von etwa 3,5 Kilometern, der sich auch ohne Bergerfahrung gut gehen lässt. Spätsommer und Frühherbst haben hier einen besonderen Reiz: Wenn der Wasserstand fällt, trocknet der Steg zwischen den beiden Seen aus, und man kann trockenen Fußes vom einen ins andere Becken wechseln. Das Wasser schimmert je nach Licht tiefgrün bis dunkel, im Hintergrund stehen die Pinien und die Felswände des Durmitor. Der See liegt rund drei Kilometer südwestlich von Žabljak (etwa 43,14 N / 19,09 O); man fährt mit dem Camper zum Parkplatz hoch, stellt das Fahrzeug dort ab und geht die letzten Meter zu Fuß. Übernachten direkt am See ist nicht erwünscht – dafür gibt es die Campingplätze weiter unten in Žabljak (mehr dazu unten).

Tara-Schlucht und Đurđevića-Tara-Brücke
Die Tara-Schlucht ist der eigentliche Superlativ der Region. Mit rund 1.300 Metern Tiefe gilt sie als tiefste Schlucht Europas. Über eine Länge von rund 82 Kilometern hat sich der Fluss Tara durch das Kalkgebirge gegraben. Der Durmitor-Nationalpark mit großen Teilen der Tara-Schlucht ist seit 1980 UNESCO-Weltnaturerbe.
Das fotogenste Bauwerk ist die Đurđevića-Tara-Brücke, eine Betonbogenbrücke, erbaut 1937–1940. Sie ist rund 365 Meter lang und überspannt die Schlucht in etwa 172 Metern Höhe. Direkt an der Brücke gibt es Parkmöglichkeiten, kleine Stände und einen Aussichtspunkt. Wer mehr will: Über die Schlucht spannt sich eine Zipline, und der Fluss selbst ist ein bekanntes Revier für Wildwasser-Rafting.

Vom Camper aus ist die Brücke leicht erreichbar – sie liegt an der gut ausgebauten Verbindung von Žabljak Richtung Osten, etwa eine halbe Stunde Fahrt (rund 43,15 N / 19,29 O). Parken ist an der Brücke kein Problem, auch mit größeren Fahrzeugen. Wer die Schlucht von oben sehen will, hat von mehreren Punkten der Durmitor-Höhenstraße perfekte Tiefblicke.
Stellplätze und Übernachten im Durmitor
Montenegro ist beim Freistehen entspannter als die meisten EU-Länder, und im Durmitor klappt das in der Praxis gut. Mit dem Camper über Nacht im Park zu stehen, ist meist problemlos – an Stellen wie dem Štuoc-Aussichtspunkt über dem Tara-Canyon oder oben am Sedlo-Pass, von wo man direkt auf das Gebirge blickt, stehen regelmäßig Camper. In der Regel kommt ein Ranger vorbei und kassiert die Parkgebühr; damit ist die Übernachtung geregelt statt Grauzone. Was bleibt, ist Rücksicht im Schutzgebiet: Leave-no-trace, nicht querfeldein fahren und nichts liegen lassen. Im Hochsommer ist ohnehin deutlich mehr los.

Wer Strom, Wasser und Entsorgung braucht, fährt einen der Campingplätze rund um Žabljak an. Die Plätze sind einfach, aber funktional: Strom, Wasser und meist eine grundlegende Sanitäranlage, teils auch mehr. Sie liegen auf Höhe – nachts kann es selbst im Sommer auf wenige Grad abkühlen, im Frühherbst kann morgens Raureif auf der Frontscheibe liegen. Eine Standheizung oder zumindest warme Schlafsäcke sind hier keine schlechte Idee.
Ganz konkret: Wir selbst haben auf dem Auto Camp Mlinski Potok gestanden, gut zwei Kilometer außerhalb von Žabljak an der Straße zum Schwarzen See. Ein einfacher, aber gepflegter Familienplatz auf 1.472 Metern, seit 1999 in Betrieb, mit richtig guter Aussicht aufs Durmitor-Massiv und herzlichem Empfang – traditionell auch mal mit einem Gläschen hausgemachtem Rakija. Vom Platz starten die Wanderwege in die Berge, und Touren wie Jeep-Safari oder Rafting lassen sich direkt vor Ort buchen.

Steckbrief: Auto Camp Mlinski Potok (Žabljak)
- Lage: Put za Crno jezero, 84220 Žabljak – GPS 43.1552, 19.1003 (auf 1.472 m)
- Preis: 30 € pro Nacht, Strom inklusive (Stand 2025)
- 50 Stellplätze, ganzjährig geöffnet
- Ausstattung: Strom- und Entsorgungsanschlüsse, Warmwasser-Duschen, Selbstbedienungsküche, Spülraum, WLAN, Waschmaschine
Versorgung und Vorbereitung in Žabljak
Žabljak ist klein, deckt aber das Wesentliche ab. Es gibt mehrere Tankstellen, Supermärkte für die Grundversorgung und Bargeld am Automaten – wichtig, weil Eintritte und kleinere Campingplätze oft nur Bargeld nehmen. Wer auf die Höhenstraße will, erledigt Tanken und Einkaufen hier unten, denn oben gibt es nichts mehr.
Mobilfunk ist in Montenegro überraschend gut und günstig. Touristen-SIM-Karten mit großem Datenvolumen kosten wenig (am Markt etwa ein 1-TB-Paket für rund 20 EUR), und im Tal rund um Žabljak ist die Abdeckung solide. Auf der Höhenstraße und in den Canyons reißt das Netz aber stellenweise ab – verlasse dich für die Navigation nicht allein auf Live-Karten, sondern lade Offline-Karten (etwa über Google Maps oder Organic Maps) vorab herunter.
Für die Stellplatz-Suche helfen die üblichen Apps wie park4night oder iOverlander, gerade weil sich die Plätze im Park und die kleinen Campingplätze nicht immer eindeutig ausschildern.
Aus der Praxis: Oben gibt es keine Tankstelle, und stellenweise ist kein Handynetz da – also unten in Žabljak volltanken und die Offline-Karte vorab herunterladen. Und genug Bargeld einstecken: Die Ranger-Parkgebühr wird oben bar kassiert.
| Highlight | Höhe / Maße | Kosten (Stand 2024/2025) | Camper-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Nationalpark-Eintritt | – | ~5 EUR p. P./Tag oder Jahrespass 13,50 EUR | an Kassenhäuschen oder am See |
| Parken Schwarzer See | ~1.416 m | Parkgebühr extra (wenige EUR) | Fahrzeug abstellen, zu Fuß weiter |
| Đurđevića-Tara-Brücke | ~365 m / 172 m | kostenlos (Zipline/Rafting extra) | Parken auch für große Womo ok |
| Campingplatz Žabljak | ~1.450 m | einfacher Platz, moderat | Strom/Wasser, nachts kalt |
| Übernachten im Park (Camper) | bis ~1.900 m | Parkgebühr (Ranger kassiert) | keine Infrastruktur, im Sommer voll |
Camper-Tauglichkeit: die ehrliche Einschätzung
Die Bergstraßen im Durmitor sind kein Hexenwerk, aber sie verzeihen wenig. Drei Dinge entscheiden, ob die Region für dein Fahrzeug passt:

Erstens die Breite: Schmale Kastenwagen und kompakte Wohnmobile kommen überall problemlos durch. Breite Alkoven- oder Integriertenmodelle kommen ebenfalls durch, brauchen auf der Höhenstraße und am Sedlo-Pass aber mehr Zeit und Geduld – vor allem, sobald Gegenverkehr kommt und man rangieren muss. Zweitens das Wetter: Bei Nebel, Regen oder gar Schnee – und Schnee ist auf über 1.900 Metern auch im Herbst möglich – wird aus einer schönen Bergstraße schnell eine zähe, anstrengende Angelegenheit. Drittens die Erfahrung: Wer Pässe in den Alpen gewohnt ist, kommt hier zurecht. Wer noch nie eine einspurige Bergstraße ohne Leitplanke gefahren ist, sollte mit der gut ausgebauten Nordanfahrt beginnen.
Ein letzter Punkt: Allrad ist für die asphaltierten Haupt- und Passstraßen nicht nötig. Heikel wird es nur abseits der Trasse, beim Anfahren weicher oder nasser Stellplätze.
Achtung: Abseits der befestigten Trasse fährt man sich auf weichem oder nassem Untergrund schnell fest – ohne Allrad und Sandbleche (Auffahrhilfen, die man unter die durchdrehenden Räder legt) gräbt man sich beim Freikommen oft nur tiefer ein. Genau daneben bleibt regelmäßig jemand hängen. Bei Nässe nicht von der Trasse abbiegen, im Zweifel auf festem Grund parken und die letzten Meter zu Fuß gehen.

Wie viele Tage einplanen?
Wie lange man bleibt, hängt vom Tempo ab – die Region gibt von einem langen Tag bis zu mehreren entspannten Tagen alles her.
| Dauer | Was du schaffst | Für wen |
|---|---|---|
| 1 Tag | Žabljak, Schwarzer See und Đurđevića-Tara-Brücke (ohne Höhenstraße) | Durchreisende, Sparvariante |
| 2 Tage | zusätzlich die Höhenstraße als eigene Tagestour plus eine Wanderung am Schwarzen See | guter Richtwert für die meisten Camper |
| 3 Tage und mehr | dazu Rafting auf der Tara, eine längere Bergwanderung oder einfach das kühle Höhenklima | wer die Region in Ruhe auskosten will |
Beste Reisezeit
Der Hochsommer ist zwar Hauptsaison, aber weder unten an der Küste noch oben im Durmitor wirklich ideal: Unten ist es dann voll, teuer und heiß, oben drängt sich alles auf den engen Straßen, und auf der Ringstraße wird das Ausweichen mühsam. Deutlich besser sind die beiden Schulter-Saisons. Im Frühsommer – etwa ab Ende Mai, sicherer im Juni – ist alles grün, die Wiesen blühen, das Schmelzwasser füllt die Bäche, und es ist wenig los. Wichtig: Die Höhenstraße über den Sedlo-Pass wird erst spät schneefrei; im Mai stehen oben mitunter noch Schneewände am Straßenrand, manche Jahre öffnet sie erst im Juni. Die zweite gute Zeit ist der Frühherbst, September und Oktober: klare Luft, kräftige Farben, wenig Verkehr – nachts allerdings empfindlich kalt, und früh kann oben schon der erste Schnee liegen. Wer die Küste mit den Bergen verbindet, plant den Abstecher in den Durmitor also am besten in den Frühsommer oder Frühherbst.
Häufige Fragen
Kommt man mit dem Wohnmobil über den Sedlo-Pass?
Ja, der Sedlo-Pass (~1.907 m) ist asphaltiert und mit einem schmalen Kastenwagen oder kompakten Wohnmobil gut machbar. Entscheidend ist die Breite, nicht die Länge: Die Serpentinen sind eng und ohne Leitplanke, bei Gegenverkehr muss man rechtzeitig breitere Stellen ansteuern. Breite Wohnmobile wie Alkoven oder Integrierte schaffen es mit Geduld ebenfalls, müssen aber langsamer fahren und öfter rangieren; entspannter ist für sie die gut ausgebaute Zufahrt von Osten über Mojkovac oder von Norden über Pljevlja.
Was kostet der Eintritt in den Durmitor-Nationalpark?
Der Tageseintritt liegt bei rund 5 EUR pro Person (Stand 2024/2025), bezahlt an Kassenhäuschen oder direkt am Schwarzen See. Wer länger bleibt oder mehrere Nationalparks besucht, fährt mit dem Jahres-Kombiticket für 13,50 EUR günstiger – es gilt ein Kalenderjahr lang für alle fünf Nationalparks Montenegros, darunter auch der Skadarsee. Das Parken am See und Extras wie Zipline oder Rafting an der Tara kosten zusätzlich. Montenegro nutzt den Euro.
Kann man am Schwarzen See übernachten?
Direkt am Schwarzen See ist Übernachten nicht erwünscht. Im übrigen Park ist Stehen mit dem Camper dagegen meist problemlos – etwa am Štuoc-Aussichtspunkt oder am Sedlo-Pass; in der Regel kommt ein Ranger vorbei und kassiert die Parkgebühr. Dazu gibt es Campingplätze rund um Žabljak für Strom und Wasser. Im Hochsommer ist viel los, im Frühherbst deutlich entspannter.
Ist die Durmitor-Höhenstraße für Camper befahrbar?
Für kompakte Campervans bei trockenem Wetter ja – das ist eine der schönsten Tagestouren der Region. Die rund 76 km lange Ringstraße ist zwar asphaltiert, aber sehr schmal und ohne Begrenzung. Mit großen Fahrzeugen wird es anspruchsvoller – langsam fahren, früh starten, bei Gegenverkehr rechtzeitig ausweichen; bei Nässe oder Schnee besser ganz lassen. Im Hochsommer raten auch die Ranger ab, weil zu viel Gegenverkehr herrscht.
In welche Richtung fährt man die Durmitor-Höhenstraße am besten?
Im Uhrzeigersinn, ab Žabljak. Weil in Montenegro Rechtsverkehr gilt, bleibst du so auf der Bergseite und nicht an der ungesicherten Abgrundkante. Und früh starten – ab etwa 10 Uhr nimmt der Gegenverkehr auf der engen Strecke deutlich zu.
Wie tief ist die Tara-Schlucht und wie hoch die Brücke?
Die Tara-Schlucht ist rund 1.300 Meter tief und rund 82 km lang und gilt als tiefste Schlucht Europas. Die Đurđevića-Tara-Brücke ist etwa 365 Meter lang und überspannt die Schlucht in rund 172 Metern Höhe.
Wann ist die beste Reisezeit für den Durmitor?
Die beiden Schulter-Saisons: Frühsommer (etwa ab Ende Mai, sicher im Juni) und Frühherbst (September/Oktober). Beide sind weniger voll als der Hochsommer, mit klarer Sicht und freieren Straßen. Im Frühsommer ist alles grün und das Schmelzwasser kräftig – die Höhenstraße über den Sedlo-Pass wird aber erst spät schneefrei, teils erst im Juni. Im Herbst sind die Farben kräftig, dafür wird es nachts empfindlich kalt und früh kann oben schon Schnee liegen.
Braucht man Allrad im Durmitor?
Für die asphaltierten Haupt- und Passstraßen nicht. Abseits der Trasse, etwa beim Anfahren weicher Stellplätze, kann ein Fahrzeug ohne Allrad und Sandbleche aber schnell feststecken. Genau daneben bleibt regelmäßig jemand liegen – im Zweifel auf festem Untergrund parken.
Wie viele Tage sollte ich für den Durmitor einplanen?
Ein langer Tag reicht für Žabljak, Schwarzen See und Tara-Brücke ohne Höhenstraße. Zwei volle Tage decken das Wichtigste komfortabel ab: dann passt auch die Höhenstraße als eigene Tagestour dazu. Mit drei Tagen oder mehr bleibt Zeit für Rafting auf der Tara, längere Wanderungen oder einfach das kühle Höhenklima.
Wie kalt wird es nachts im Durmitor?
Auf rund 1.450 Metern kann es selbst im Sommer nachts auf wenige Grad abkühlen, im September/Oktober erst recht. Eine Standheizung oder zumindest warme Schlafsäcke sind sinnvoll. Früh im Herbst kann auf den Pässen über 1.900 Metern bereits Schnee liegen.
Fazit
Der Durmitor mit Tara-Schlucht ist die andere Seite Montenegros – Hochgebirge statt Adria, Kühle statt Hitze, ruhige Bergseen statt voller Küstenorte. Mit einem kompakten Camper, etwas Fahrerfahrung und der richtigen Jahreszeit ist die Region einer der Höhepunkte des ganzen Balkans. Wer ein großes Wohnmobil fährt, braucht für die Höhenstraße mehr Geduld und ein frühes Zeitfenster – anspruchsvoller, aber kein Drama. Wem das zu eng ist, der konzentriert sich auf Žabljak, den Schwarzen See und die Tara-Brücke, die alle gut erreichbar sind.
Wenn du Montenegro von der Küste her aufrollst, schau dir vorher den Roadtrip über Kotor, Lipa-Höhle und den Skadarsee an – beide Touren zusammen ergeben eine runde Rundreise von der Adria bis ins Hochgebirge.
Du planst deinen eigenen Montenegro-Roadtrip? Den Süden mit Kotor, Lipa-Höhle und Skadarsee findest du im Montenegro-Küsten-Roadtrip. Auf dem YouTube-Kanal „Franzeks Reisen“ siehst du die Höhenstraße aus der Cockpit-Perspektive. Und wenn du eigene Tipps zum Freistehen im Durmitor hast – schreib sie in die Kommentare.




