Teil 2: Nordspanien mit dem Campervan – Surfen an der Biscaya und Pilgerspirit am Camino

In unserem ersten Teil der Reise sind wir von Deutschland nach Frankreich gestartet. Welche Erfahrungen wir in Frankreich gemacht haben, könnt ihr im Artikel „Drei Monate im Campervan – unsere Etappe durch das schöne Frankreich“ nachlesen. Von Nordwestfrankreich geht es für uns weiter nach Nordspanien. Wir durchqueren in diesem Abschnitt der Reise Kantabrien, Asturien und Galizien. Die drei Stunden Autofahrt haben es bei einer Höchsttemperatur von 39 Grad ohne Klimaanlage im Auto in sich. Wir fahren streckenweise die mautpflichtige Autobahn, um uns die Fahrzeit so kurz wie möglich zu machen. Unser erstes Ziel ist Santillana del Mar – ein kleines mittelalterliches Dorf, das nicht, wie der Name vermuten lässt, direkt am Meer liegt.

Die bisherige Route auf unsere Reise
Unsere bisherige Route

Kantabrien in Nordspanien

Santillana del Mar am Camino del Norte

Santillana del Mar, liegt in Kantabrien in der Nähe von Santander und ist eine Station auf dem nördlichen Jakobswegs an der Küste. Die kleine mittelalterliche Stadt zählt zu den schönsten der Region Kantabriens und gehört zu den „Villas mas bellas de España“.

Zwei Nächte stehen wir am Stellplatz der Gemeinde und fangen den Spirit des Jakobsweges auf direktem Wege ein. Es laufen früh morgens bereits die ersten Pilger direkt an unserem Campervan vorbei. Man grüßt sich mit Buenas Dias oder eben Buen Camino. Vom Stellplatz aus haben wir direkte Sicht auf den Ort und das ehemalige Kloster, der heutigen Stiftskirche – Colegiata de Santa Juliana.

Die Kirche aus dem frühen Mittelalter liegt direkt am Ortseingang. Das typisch romanische Portal, die Rundbögen, die Säulen und Mauern sind aus Sandstein. Der Stein ist so weich, dass Sandkörner an den Fingern bleiben, wenn man ihn nur berührt. Die nicht restaurierten Steine sind im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verweht. Umso beeindruckender ist für uns, dass die Architektur seit dem Mittelalter erhalten blieb.

Stellplatz in Santillana del Mar mit T5
Stellplatz in Santillana del Mar

In den Gassen von Santillana del Mar findet man viele Läden mit Souvenirs und regionalen Produkten – wie Milchprodukten, typischem Cidre del Camino und Anchoes. Neben den Pilgern ist der Ort auf die Tagestouristen von der Küste eingestellt. Früh morgens haben wir den Ort gerade noch für uns, bis die ersten Reisebusse ankommen.

Einmal durch den Pilgerort gepilgert, gehen wir einen Rundweg zur Küste. Wir befinden uns somit auch auf dem Camino del Norte und treffen den ein oder anderen Wanderer. Nur 6 % die den Jakobsweg gehen wählen die Route im Norden an der Küste, dafür treffen wir aber doch ganz schön viele. Die Natur ist grün, die Klippen steil, es könnte auch Irland sein.

Die Wanderung mit insgesamt 12 km macht sich am Rückweg bemerkbar. Zum Glück finden wir zwischen den steilen Klippen einen Zugang, an dem wir im Meer baden können – in einem Piscina naturales. Erfrischt machen wir uns auf den Rückweg zurück nach Santillana del Mar.

Der Camino del Norte

Der Küstenweg gilt als Geheimtipp unter den Jakobswegen. Nur etwa 6 % der Pilger gehen diese Route. Statt auf die bekannten Orte, Kirchen und Kathedralen des Camino Francés trifft man auf der nördlichen Route eher auf kleinere Orte, die aber historisch und kulturell nicht weniger interessant sind.
Es ist bestimmt motivierend, den Atlantik immer wieder zu seiner rechten Seite zu haben. Die Route verläuft mal an Steilklippen, mal an zum Baden einladenden Stränden entlang. Vor allem die Ruhe und Abwechslung auf dem nicht überlaufenen Weg würde uns sehr zusagen.
Der Camino del Norte zählt 850 km Länge und ist in 5-6 Wochen machbar. Als Startpunkt sind Irún an der französich-spanischen Grenze, oder Bilbao an der Küste meist die Wahl.

Lange Sandstrände in Kantabrien

Wir lieben den Wechsel zwischen Kultur, Natur, Bergen und Küste. An der Küste wählen wir die Orte auch nach der Tauglichkeit zum Surfen aus. Vor allem wählen wir Strände, die auch für Surfbeginner geeignet sind. Wir kommen am Playa de Meron an und bleiben ein paar Nächte. Der Campingplatz ist recht nah am Strand, und wohl deswegen auch gewaltig voll. Man sitzt etwas aufeinander und nicht mit jedem Campingnachbarn stimmt der Vibe. Viele haben Surfbretter dabei und es ist ein reges Kommen und Gehen auf dem Platz.

Der Playa de Meron ist ein sehr langer Sandstrand und zum Surfen bestens geeignet. Im Wasser verteilen sich die Surfer sehr gut, da der Strand sehr lang ist. Jedenfalls im September als wir da waren, war es mit einer Wassertemperatur von 22 Grad und einem kurzen Neoprenanzug oder sogar ohne ganz gut auszuhalten.

Asturien in Nordspanien

Einsame Strände am Camino del Norte

Neben den bekannteren Stränden in Kantabrien mit der richtigen Infrastruktur für Urlauber und Touristen wie Hotels, Supermärkten, Campingplätzen usw., gibt es eine Vielzahl an kleineren Stränden. Ein Besuch am Playa de Vega in Asturien zeigte uns, wie schön es sein kann. Wir besuchten einen Strand abseits der Massen, ein paar Restaurants – unter anderen eines der besten Restaurants Spaniens für geräucherten Fisch – und Surfhostels gab es, aber sonst nichts. Wir hatten den Beach fast für uns alleine zum Surfen. Einfach einmalig dieses Erlebnis …

Pilger und Surfer begegnen sich schon früh morgens Richtung Strand. Denn auch hier verläuft der Camino del Norte. Wir gehen selbst ein Stück des verwilderten Küstenweges am Abend, der Ausblick über Felsklippen und Buchten in der Abendsonne einfach unbezahlbar.

Der Golf von Biskaya

Die Biskaya am Atlantischen Ozean erstreckt sich von der Bretagne in Frankreich über die Nordküste Spaniens bis nach Galizien. Wir hatten im September optimales Wetter und angenehme 22° Wassertemperatur zum Surfen mit kurzen Neo oder nur in Shorts. Abseits bekannter Surfspots findet man in Kantabrien und spätestens Asturien lange und nicht überlaufene Sandstrände. Wir waren überrascht, dass es an der Nordküste Spaniens sehr gute Surfstränden für Longboards gibt.

Unsere erste Etappe durch Nordspanien könnt ihr in unserem Video anschauen!

Galizien in Nordwestspanien

Spaniens Westküste

Nach den Traumstränden von Nordspanien erreichen wir den etwas windigeren Westen. Wir sind in Galizien angekommen, genauer gesagt in Valdoviño. Der Strand ist nicht zum Wellenreiten, hier trifft man Kite-Surfer. Einen wunderschönen Strand und Sonnenuntergang hat man hier trotzdem – für uns ist es allerdings zu windig. Den Aufenthalt auf dem Campingplatz nutzen wir zum Hausputz. Nach zwei Wochen ist es Zeit durch alle Winkel und Ecken zu fegen, da leistet der Wind gute Arbeit.

Fragas do Eume – unberührter Küstenwald

Es zieht uns ins Landesinnere, um dem Wind zu entgehen. Der Parque Natural Fragas do Eume hielt aber mehrere Vorteile bereit als nur ein windgeschützter Spaziergang durch den Wald. Der Fluss Eume schlängelt sich durch unberührte Natur. Heimische Pflanzen und üppiger Mischwald wie Farne, Eichen, Kastanien und Lorbeeren lassen sich im Eume-Tal finden. 

Wir sehen Grün in all seinen Facetten. Selbst das klare Wasser des Flusses ist blaugrün. Eine einmalige Wanderung vom Wanderparkplatz bis zum alten Kloster mit guten 15 km hin und zurück hat uns revitalisiert. Wir haben es uns auch nicht nehmen lassen, kurz in das klare, kalte Wasser zu springen und uns zu erfrischen. Sehenswert sind die alte Mühle, das alte Bäckerhaus, in dem heutzutage ein Café zu finden ist und das Kloster Mosteiro de San Juan de Caaveiro, das 934 gegründet wurde.

Diese Art von unberührtem Wald und Natur sind leider kein gewohnter Anblick in Spanien. Je weiter wir durch Spanien fahren, desto mehr schauen wir Kilometer für Kilometer aus dem Auto auf aufgeforstete Eukalyptus Wälder.

Eukalyptus Wälder in Spanien

Unser erster Eindruck war noch: „Schau mal, was sind denn das für schöne Bäume, die Blätter flattern weiß-grau im Wind. Die Rinde hängt in Fetzen an den sich windenden Stämmen. Sichelartige Blätter liegen zu Hauf am Boden und die Früchte sehen aus wie kleine Knöpfe.“ Nach einer Recherche war uns klar: Das ist Eukalyptus … Hat der nicht in Australien bei den Koalas zu sein?

Die Aufforstung der schnell wachsenden Bäume ist von Spaniens Regierung gefördert. Alte Mischwälder müssen dem Eukalyptus weichen. Für die Papierindustrie bringen die Eukalyptusbäume den schnellen Profit. Doch was den einen Profit ist, ist den anderen ein gewaltiger Schaden. Die nicht heimischen Arten entziehen dem Boden sehr viel Wasser, d.h. für heimische Bäume und Pflanzen bleibt nicht viel über. Blätter und Rinde sind stark ätherisch – jeder kennt den Duft von Eukalyptus.

Bei trockenen Hitzeperioden fördert das zu allem Überfluss die Waldbrandgefahr. Und wenn es brennt, dann umso heißer! Für uns ist der Hintergrund so irre, dass wir es nicht glauben können. Das zeigt uns wieder einmal, wie viel Hintergrundwissen und andere Perspektiven man auf Reisen aufschnappt.

Endspurt – Santiago de Compostela

In Galizien nehmen wir uns die letzte Etappe des Caminos vor. Nun gut, wir wandern vom Campingplatz am Stadtrand die letzten fünf km nach Santiago. Mit leichtem Tagesrucksack, bequemen Turnschuhen und Fotoausrüstung kommen wir uns nicht wie Pilger vor, trotzdem wünscht uns der eine oder andere einen Buen Camino

Das Einlaufen nach Santiago de Compostela ist weniger spirituell als ich dachte – hab ja gut reden und auch keine 850 km hinter mir. Aber man läuft erst einmal in eine große Stadt, ganz unverblümt gesagt. Der Anblick der Pilger auf ihren letzten Metern macht mich dennoch ehrfürchtig und nachdenklich. Es hat doch jeder seine eigenen Beweggründe, diese Strapazen auf sich zu nehmen.
Wie es sich wohl anfühlen muss, kurz vorm Ziel zu sein? Das „Ziel“ ist nicht zu verfehlen, die Schilder mit Jakobsmuschel leiten einem den Weg, wie die vielen Kilometer zuvor auch. Die Kathedrale von Santiago – zu ihren Füßen ein großer Platz, ist die Bühne für alle einkehrenden Pilger.

Wir machen bei der Mittagshitze eine kleine Tour durch die Stadt und belohnen uns am Ende mit Tapas, Pulpo und erfrischenden Weißwein und lassen uns danach ganz faul mit dem Taxi zum Campingplatz fahren. Buen camino!

Galiziens Rias

Galiziens Nordwestküste ist bekannt für ihre Rias. Anders als wir erwartet haben, verbergen sich dahinter keine schroffen Steilküsten, sondern meist endlos lange Sandstrände. Die Flussausläufer an der galizischen Küste erstrecken sich zu langen Meeresarmen und einem spannenden Kontrast zwischen Land und Wasser. Der Ria de Arousa ist der größte Ria. Er beeindruckte uns mit seinen runden Felsformationen im Wasser und Land, wir hatten fast das Gefühl auf den Seychellen zu sein.

Wir lassen unsere Zeit in Galizien am Ria de Arousa ausklingen. Am Strand O Grove verbringen wir vier Tage. Nach unserem ersten Besuch am Strand machten wir nicht ganz unfreiwillig etwas ruhiger. Die Strände sind wunderschön – keine Wellen, ruhiges klares Wasser – unser Strand hatte nur nach ein paar Metern keinen Sand, sondern Steine als Untergrund. Marek verletzte sich beim Schwimmen gleich mal mit einem Muschelschnitt am großen Zeh.

Umso besser, immer die nötige Reiseapotheke parat zu haben. Mit Desinfektion und sterilem Verband haben wir uns selbst geholfen. Die Tage darauf haben wir Fahrradtouren um den Ria gemacht und haben so die schöne Landschaft erkundet.

Wir sind nun 3 Wochen unterwegs, nach 3 Wochen endete während der letzten 10 Jahre spätestens unser Urlaub. An Heimreise müssen wir noch nicht denken – für uns geht es weiter nach Portugal.

Unsere Etappe durch Galizien könnt ihr in unserem Video anschauen!

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Martina

T5 Trapo 🚐 | Creative Work 🎨 | Keep it simple🧘‍♀️ | Lieblingsort: Azoren 🌋 | Selbermachen❣️ | Nächstes Ziel: mal schauen

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