Portugal mit dem Campervan zwischen Küste und Bergen

Wir sind auf unserer Reise in unser 3. Land angekommen. Unsere Reise durch Spanien könnt ihr hier nachlesen. Portugal ist für mich jedenfalls erst einmal ein neues Land. Außer Madeira und Azoren habe ich mit Portugals Festland noch keine Erfahrung. Der größte Unterschied ist die Sprache. Kommen wir mit unserem Spanisch Wortschatz ganz gut aus, ist Portugiesisch für uns sehr viel anders und man belässt es bei „bom dia“ und „obrigado“.

Die Route von Franzeks Reisen durch Frankreich, Spanien und Portugal
Die bisherige Route

Porto und Portwein 

Wir fahren mit unserem Campervan durch den Nordwesten Portugals und bleiben in Porto auf einem Campingplatz in Strandnähe. Es gibt einige Campingplätze und viele Camper und Wohnmobilen, die sich Porto für 1-2 Tage ansehen. Nachdem der erste Campingplatz voll war, erwischen wir wohl den kompliziertesten Check-in auf einem Campingplatz in unserem Leben und verstehen die lustigen und kritischen Kommentare und Bewertungen im Internet im Nachhinein nur zu gut.
Die imaginäre Ordnung des Betreibers geht in den meisten Fällen schief, nicht nur bei uns bekommt der gute Herr einen halben Wutanfall, auch bei den anderen Campern. Das Stromkabel an die Buchse anschließen – das kann nur er. Wir fühlen uns etwas kontrolliert und beobachtet und beobachten das Spektakel bei jedem neuen Gast. Der Campingplatz hat für uns alle nur einen Zweck, sich einen Tag lang Porto anzusehen.

Mit dem Fahrrad machen wir einen Tagesausflug in die Stadt. Die Räder lassen wir aber gerne am Ufer des Flusses Douro, in der Nähe der Talstation Teleferico de Gaia stehen und steigen auf die Luftseilbahn um.

Teleferico de Gaia und Ponte D. Louis 

Eine Fahrt mit der Teleferico kostet hin und zurück für eine Person 8 Euro. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten, bringt einen aber ca. 60 hm vom Flussufer hinauf auf die Höhe der Brücke Ponte Dom Luis I.

Die 1886 eröffnete Brücke hat nicht nur optisch eine Ähnlichkeit zum Eiffelturm mit den eisernen und genieteten Bögen, die Planung hat auch im weitesten Sinne den Einfluss von Gustave Eiffel und seinen damaligen Partnern erhalten.

Auf der Brücke ist reges Treiben, Fußgänger laufen von der einen Uferseite an das andere, Touristen fotografieren, Souvenirs werden verkauft und die Metro fährt in regelmäßigen Abständen auch noch darüber, da kann es schon mal eng werden. Polizisten und lautes Hupen der Metro sorgen für Sicherheit. Von der Brücke hat man die beste Aussicht auf die Ribeira, die Altstadt an der Uferpromenade mit ihren bunten Fassaden.

Portwein-Tasting in den Portwein Kellern

Portwein-Tastings haben wir in Portos Innenstadt in vielen Restaurants und Portwein-Geschäften gesehen. Die richtigen Portwein-Keller liegen aber auf der anderen Seite des Douros wo auch der Hafen ist. Das Ticket der Teleferico hat uns mit einem Gutschein in einer Portweinkellerei in der Nähe der Talstation verschlagen. Nach einer ausgiebigen Stadttour nehmen wir das Angebot gern wahr und probieren uns durch die unterschiedlichen Geschmäcker von Portwein. 

Mehr über Portwein

Portwein ist meist ein roter oder auch weißer süßer Wein aus dem portugiesischen Douro-Tal. Porto ist dabei stellvertretend die Vertriebs- und Handelsstadt, die dem Wein den Namen gegeben hat. Portwein-Typen unterscheiden sich in der Reifungsdauer in Fässern oder trinkfertig in Flaschen. Bei einem Portwein-Tasting probiert man sich am besten durch die Unterschiede von Ruby, Tawny, Old Tawny und Vintage (im Fass gereift).

Serra da Estrela, Portugals höchstes Gebirge

Die Serra da Estrela, zu Deutsch „Sternengebirge“, ist das höchste Gebirge im portugiesischen Festland und einziges portugiesisches Skigebiet. Der höchste Punkt ist der Torre mit 1993 m. Vom dem flachen Gipfel aus hat man einen sagenhaften 360° Weitblick. Das Panorama wird mit dem Sessellift am Nordhang und den verlassenen Sternenwarten am Südhang ergänzt. 

Wir sind in die Serra Estrela gefahren, um in den wunderschönen Gletschertälern zu wandern und die Natur zu genießen.

Gletschertäler der Serra da Estrela

Die früheren Gletscher entstanden vor gut 200.000 Jahren. Beim Abschmelzen floss nicht nur Wasser, sondern riss auch riesige Granitfelsen mit sich. Heute wandern wir in dem Tal, das dadurch entstand und sehen glatt polierte Steinplatten und unwirkliche Felsformationen. Die Gegend hat nach wie vor viel Wasser, wir laufen an einem riesigen Stausee vorbei und kommen an mehreren kleinen Gebirgsseen vorbei. Unser Ziel ist dagegen ein modernes Schauspiel von Menschenhand gemacht. 

Das Loch im See Lagoa Comprida

Coavão dos conchos oder das Loch im See hört sich mystischer und unwirklicher an als es ist. Die trichterartige Öffnung befindet sich auf einer etwas versteckten Uferseite in dem künstlichen See Lagoa Comprida und funktioniert wie ein großer Überlauf. Das Wasser wird so über das ungewöhnliche Staudammsystem umgeleitet, das tatsächlich seit 1955 existiert. Es interessierte lange niemanden, bis es in der heutigen Zeit irgendwann viral ging. Also hineinfallen sollte man definitiv nicht, aber der Anblick war nun auch nicht überwältigend, da es etwas zugewuchert ist.

Einfaches Leben in der Serra Estrela

Die Serra Estrela ist bekannt für urige Bergdörfer, Schafe und Hirten – einfache Landwirtschaft. Nicht selten sind die Orte wie ausgestorben, die Häuser verlassen und baufällig. Von der Landflucht stark betroffen sind die Einwohner eher alt. Typische Produkte sind mit den heimischen Schafen der Serra Estrela – den Bordaleira Schafen – verknüpft. Der cremige Schafs-Käse Queijo da Serra ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Schafwolle aus der Serra Estrela hat ihre Qualität. Die Wollproduktion aus der Region ist besonders für Nachhaltigkeit bekannt, wie dem Burel-Walkstoff der nur aus der Region Serra Erstrela kommen darf.

In den Sommermonaten ist es bestimmt lebendiger. Fluss-Schwimmbäder in Unhais de Serra und Loriga sind ein erfrischendes Badevergnügen. In Unhais da Serra staut man dafür den Fluss mit stählernen Trennwänden auf, dass so natürliche Schwimmbecken entstehen. in Loriga kann man dagegen natürliche Becken finden. Im September war es schon fast frisch und die Becken in Unhais da Serra bereits abgebaut.

Portugal im Schnelldurchlauf. Zuviels Stops in kurzer Zeit?

Kennt ihr das, man will weiterkommen und trotzdem genügend sehen?  Am Ende hat man einiges auf den Weg zwar mitgenommen, keine tieferen Einblicke, aber immerhin einen Eindruck. An manchen Tagen wissen wir abends schon nicht mehr, wo wir morgens aufgewacht sind. Für uns ist es langsam Zeit Europa zu verlassen und geben etwas Gas. Auf dem Weg nehmen wir mit, was sich auf der Route durch Portugal anbietet.

Tomar und die Tempelritter

Gegründet wurde die Kombi aus Kloster und Burg im Jahr 1160 von den Tempelrittern. Nach dem Auflösen der Templerorden wurde die Klosterburg Zentrum des Christusordens und gibt ihm bis heute den Namen Convento de Christo.

Der Rundgang um die Klosterburg war überraschend schön. Haben wir am Anfang nicht die richtigen Wege gefunden, spazieren wir die letzten Minuten bevor die Burg schließt auf den Höhen Mauern des Klosters.

Wir übernachten auf dem ehemaligen Campingplatz im Zentrum von Tomar der seit Corona wohl sich selbst überlassen ist. Der inzwischen kostenfreie Stellplatz wirkt auf uns wie ein Lost Place. In der verlassenen Rezeption ist das Kalenderblatt das letzte Mal 2020 umgeschlagen worden. Sanitäranlagen funktionieren zu teilen, Toiletten sind verschlossen, dafür gibt es jede Menge Katzen und portugiesische Camper fühlen sich hier auch wohl.

Bathala und das Kloster Mosteiro da Bathala

Das Kloster in Bathala wurde innerhalb von 150 Jahren, zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, gebaut. Der gotische Bau mit seiner dreischiffigen Basilika ist heutiges Weltkulturerbe. Die Türme der Südseite sind unvollendet und wirken, als ob man einfach einen Deckel auf den Topf gesetzt hat, trotzdem ist das Kloster typisch gotisch dem Himmel gerichtet und wirkt gerade von innen mit hohen Kreuz- und Sternengewölben endlos hoch.

Nach einem kurzen Zwischenstop am Szrand von Nazare geht es weiter nach Peniche.

Peniche – Surferort und steile Felsklippen

Um wenigstens einen Surferort Portugals noch zu erleben, bleiben wir eine Nacht in Peniche. Peniche liegt auf einer Halbinsell mit einer sehr hohen Steilküste, die südlich und nördlich hin zu flachen Stränden mündet. Zur Südseite liegt der bekannte Strand Praia dos Supertubos, der jährlich Schauplatz der Word Surf League wird – zur Nordseite liegen die langen Strände bei Baleal.

Doch zum Surfen kommen wir in Peniche nicht. Ein Blick auf den Strand Richtung Baleal, der für Anfänger/Midlevel geeignet ist, reichte mir. Für meinen Geschmack viel zu voll – Surfer sitzen wie auf der Perlenkette am line up. da erinnere ich mich lieber an die einsamen Strände Spaniens. Die guten Surfbedingungen das ganze Jahr, macht Peniche zum beliebten Spot für Surfschulen.

Fahrradtour über die Halbinsel Peniche

Wir steigen aufs Fahrrad und erkunden die Halbinsel. Die Runde an der Küste entlang hat es in sich. Peniche hat eine faszinierende Steilküste – bis zu 30 m hohe, zerklüftete Felsformationen halten der Brandung stand. Die Wellen schlagen gewaltig dagegen und spritzen bis zu unseren Wegen hinauf. Portugiesische Angler macht die Höhe an den Steilklippen wohl nichts mehr aus.

Am westlichsten Punkt sind wir am Kap Cabo Cavoeiro an dem der Leuchtturm seit 1883 sein nächtliches Leuchtfeuer gibt. 

Wir geben zu: Unsere Reise durch Portugal geschah im Schnelldurchlauf. Wir haben viel links liegen lassen und können auch zu manchen Orten, die wir besucht, haben nicht allzu viel erzählen. Je weiter südlicher wir kommen, umso größer wird die Freude auf afrikanischen Boden. Wir verlassen Portugal und verbringen noch ein paar Tage in Andalusien und bereiten uns auf die Überfahrt mit der Fähre nach Marokko vor.sds

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Martina

T5 Trapo 🚐 | Creative Work 🎨 | Keep it simple🧘‍♀️ | Lieblingsort: Azoren 🌋 | Selbermachen❣️ | Nächstes Ziel: mal schauen

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