Mit dem Campervan ohne Allrad durch das Inland von Marokko – Oasen und Sahara 

Wir sind in Marokko angekommen und als unseren Weg in den Süden wählen wir das Inland. Unsere Reise durch Nordmarokko beginnt mit der blauen Medina von Chefchaouen, der römisch-antiken Stätte Volubilis bis zu den Zedern-Wäldern des Mittleren-Atlas. Es geht weiter Richtung Süden. Die grünen Zedernwälder weichen und wir begeben uns in die ockerfarbene Landschaft des Oued Ziz.

Karte Marokko Route bis zur Wüste
Unsere Route in den Süden bis nach Marokko in die Sahara
Campervan auf der Straße
Immer weiter Richtung Süden

Durch das trockene Flussbett des Oued Ziz

Wir fahren durch die Schlucht des Oued Ziz (Gorges du Ziz), die sich wie ein Canyon durch die Landschaft schlängelt. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Wassermassen die Schlucht geformt haben. Das Flussbett ist trocken, wir sehen alleine in dem aufgestauten See Barrage d´Hassam Addakhil das Wasser des Ziz.

Auf unserer Reise lernen wir täglich dazu, der Unterschied zwischen einem Oued (Fluss) und einem Wadi ist, dass ein Wadi nur heftigen Regenfällen Wasser führt. Der Ziz ist sowohl als auch – mal Oued Ziz, mal Wadi Ziz – und bewässert die Gegend noch zu üppigen Oasen bis das Wasser Richtung Sahara sprichwörtlich im Sande verläuft.

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Pause am Stausee Barrage d´Hassam Addakhil

Oasen im Drâa-Tafilalet

Nach einer Nacht in der kühleren Ziz-Schlucht tauchen wir ein in das weitläufige Tafilalet, das aus mehreren Oasengruppen besteht. Wir fahren durch Dattel-Palmereien und auf den Straßen werden Datteln en masse verkauft. Auf unserem Camping in der Nähe von Erfoud stehen wir unter Palmen als guter Schattenspemder und können die süßen Früchte direkt naschen. 

Lästige Tiere in einer Oase

Unsere Erfahrungen mit Oasen, so schön wie sie auch sind, sind nicht nur positiv. Erstens: Es ist natürlich heiß. Zweitens: Es hat sehr, sehr viele Fliegen. Wir gewöhnen uns nur schwer daran, dass Fliegen ständig Gesicht, Arme und Beine belagert. Neben den „gewöhnlichen Fliegen“ kommen in der Dämmerung und Nachts auch beißende Sandfliegen, Wadenstecher und Moskitos natürlich dazu. Ätherische Öle wie Eukalyptus oder Citronella vermischt mit etwas Arganöl als Körperöl hilft etwas gegen die nervigen Insekten.

Spaziergang durch verschachtelte Lehmburgen

„Hey, lass uns mal in den kleinen Ort schauen, der ist gar nicht weit weg.“ Das Ksar El Maadid liegt im Zentrum des nächsten Ortes von unserem Campingplatz aus. Wieso nicht mal einen kleinen Streifzug durch das Dorf machen? Am Eingang des Ksars macht uns ein Mann erst einmal klar, dass er der Chef von dem Dorf ist und bietet uns im selben Atemzug eine Tour an. Schwer verständlich für ihn, dass uns Details gerade nicht interessieren, lässt er uns durch. 

Kaum eingetaucht in die engen, braunen Gassen, werden wir von den Dorfkindern begrüsst. Die Jungs, die Mädchen sieht man meist brav mit ihren Schulheften rumflitzen, üben sich in Geschäfte machen. Sie zeigen uns ihr Dorf und bieten uns an unsere Rucksäcke zu tragen, oder machen uns auf offene Reisverschlüsse aufmerksam … nette Tricks, auf die wir nicht hereinfallen. 

Die Festungen und Burgen der Berber

Marokkos traditionelle Bauten heißen Kasbah oder Ksar. Ist eine Kasbah mehr eine Festungsmauer um oder in einem Ort, ist das Ksar mehr eine befestigte Siedlung oder (Speicher-)Burg. Einst dienten die Wohnburgen den Berbern als Zufluchtsort und Versteck. Damals als die Karawanen durch die Sahara Richtung Mittelmeer zogen, wurden die Gegner mit verschachtelten oder ins leere-führenden Gassen in die Irre geleitet. Die lehmgestampften Mauern fallen nach geraumer Zeit der Witterung zugrunde, viele Lehmburgen lassen nur noch erahnen, wie sie früher aussahen und nicht alle dienen heute noch als Wohnungen.

Mit einem nicht abreißenden „Madame“ und „Monsieur“ versuchen sie unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Darauf folgt die ständige Frage nach „un Dirham“ wie ein Mantra. Für die Kinder, denken wir, mehr eine beliebte Freizeitbeschäftigung als verzweifelte Armut.

Nach geraumer Zeit schellen uns die Ohren. Wir geben eine Runde Bonbons aus, was neben „un Dirham“ auch akzeptiert wird, genauso wie ein Stilo, also ein Stift. Wir setzen unsere Sonnenbrillen und unser Pokerface auf und ignorieren die Kinder, bis es ihnen zu langweilig mit uns wird.

Im Nachhinein kann man sagen, der Besuch eines nicht touristischen Ksars oder einer Kasbah kann wie das Eindringen in die Privatsphäre der Bewohner sein. Wir schauten auch schnell wieder hinaus.

Merzouga – das Tor in die Wüste Erg Chebbi

In Erfoud machen wir noch Erledigungen wie ein paar Einkäufe, Geld abheben und Tanken bevor es in die Wüste Erg Chebbi geht. Unser Ziel ist Merzouga – der Ortsname zergeht auf der Zunge und hört sich nach Abenteur an. Wir fahren mit unserem Campervan durch Rissani, die Dünen deuten sich in der Ferne an. Die Straßen nach Merzougas sind für uns ohne Allradantrieb kein Problem.

Nach mehreren Tagen einsamer Campingplätze in Marokko sind wir von der Fülle an Hotels und Wüsten-Touristen erst einmak beeindruckt. Natürlich, bei vielen Pauschalurlaubern steht die Quad-Tour oder die Kamelkarawane durch die Dünen auf dem Programm.

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Angekommen an unserem Campingplatz in Merzouga werden wir mit Pfefferminztee in Empfang genommen. Unser Franzek steht am Campingplatz unter einer Gruppe bayerischer Gelände- und Expeditionsmobilen in bester Gesellschaft und auch wir genießen den Austausch mit interessanten Leuten.

Die Sandwüste Erg Chebbi

Die Erg Chebbi ist nach der Erg Chegaga die kleinere Sandwüste Marokkos. Früh morgens steigen wir auf eine hohe Düne. Immer am Grat entlang stapfen wir Schritt für Schritt die 170 m nach oben. Vom höchsten Punkt sehen wir auch die Dimension der Sandwüste, die nur 5 km breit und etwa 20 km lang ist. Dahinter liegt eine trockene Steinwüste und man kann vielleicht schon bis nach Algerien sehen.

Was tun in der Wüste ohne Geländewagen?

Mit unserem Franzek ohne Allrad führt kein Weg in die Dünen, das wäre uns auch viel zu viel Sand im Auto! Uns mangelte es nicht an Angebot oder Ideen, was man in der Wüste machen kann:

Die Dünen sehen gerade in der Abendsonne oder bei Sonnenaufgang fantastisch aus! Es lohnt sich auf jeden Fall, die Natur zu Fuss zu erkunden. Gerade morgens sieht man sehr viele Spuren im Sand und man kann rätseln zu welchem Tier sie gehören: dem Wüstenfuchs, Fennek, Wüstenspringmäusen oder dem Nebeltrinker-Käfer?

Am Abend haben wir auf der Dachterrasse des Campingplatzes beste Sicht auf die Dünen und beobachten dem regen Treiben der Karawanen, die sich für die Nacht ins Wüstencamp aufmachen oder Wüstenrennen, die stattfinden.

Angebote an Quad- oder Geländewagentouren werden uns an jeder Ecke unterbreitet. Im Nachhinein hätten wir gerne eine Allradtour mit dem Besitzer des Campingplatzes gemacht.

Doch an unserem zweiten Tag zieht ein Sandsturm auf und die Sicht ist miserabel. Wir sehen, wie schnell sich die Bedingungen in der Wüste ändern können und sind froh, dass wir bei besten Bedingungen den Aufstieg auf die Düne machten. Nach zwei tollen Tagen in der Erg Chebbi, geht es weiter durch atemberaubende Landschaften im Mittleren-Atlas.

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Martina

T5 Trapo 🚐 | Creative Work 🎨 | Keep it simple🧘‍♀️ | Lieblingsort: Azoren 🌋 | Selbermachen❣️ | Nächstes Ziel: mal schauen

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