Unsere Reise durch Nordmarokko mit dem Campervan

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Unsere bisherige Route

Wir waren bereits vor 3 Jahren in Marokko, damals hatten wir nur wenige Wochen Zeit und konzentrierten uns hauptsächlich auf die Küste Marokkos.
Dieses Mal wählen wir das Landesinnere als unsere Route in den Süden. Wir beginnen in Nordmarokko mit Chefchaouen und Volubilis am Rande des Rif-Gebirges. Weiter geht es im Mittleren Atlas durch Zedernwälder und bedeutenden Flussquellen.

Chefchaouen im Rif-Gebirge

Im Nordwesten von Marokko befindet sich Chefchaouen. Vor 3 Jahren haben wir den Ort nicht besucht, uns war der Grund ein paar hübsche Fotos vor blauen Mauern zu machen zu banal. Dieses Mal wählen wir den Ort als Auftakt unserer Reise durch Marokko. Wir fahren von Tanger Med direkt die 2 ½ Stunden nach Chefchaouen durchs Rif-Gebirge. 

Die ersten Rüttelpisten im Rif-Gebirge bescheren uns eine freudige Überraschung. Nicht dass uns am Straßenrand Hasch zum Kauf angeboten wird, sondern dass sich Mareks Geldbeutel aus dem Versteck gerüttelt hat. Besser gesagt aus unserm Safe im Beifahrersitz. Wir können es beide nicht glauben, sind aber heilfroh, dass wir nun alle Dokumente wieder haben.

Die Hasch-Plantagen im Rif-Gebirge

Außer dass uns auf der Straße oft Hasch angeboten wird und uns der Gras-Geruch von den Feldern um die Nase weht, können wir dazu nicht viel erzählen. Und das ist auch gut so. Von Touren ins Rif-Gebirge auf eigene Faust wird abgeraten, ebenso von angebotenen Agritourismo-Touren. Auch wenn die Haschbauern nur ihren Job machen, der Reichtum bestimmt nicht an ihnen hängen bleibt, ist es besser sich nicht verwickeln zu lassen, der Besitz oder Handel mit Haschisch ist in Marokko strafbar.

Früh Morgens in der Medina von Chefchaouen

Unser Campingplatz liegt 1-2 km oberhalb der Medina von Chefchaouen. Die Stadt ist am Berghang gebaut, umgeben von einer alten Stadtmauer. Wir durchqueren eines der vielen Tore und tauchen ein in die blauen Gassen. 

Zu unserer Verwunderung: Wir haben die Gassen für uns alleine. Wir hören Geklimper und Kinderstimmen hinter den blauen Mauern – es ist wohl noch sehr früh für marokkanische Verhältnisse. Erst später tauchen wir tiefer ein, in die geschäftigen Gassen mit Souvenir-Läden.

Je weiter wir uns auf den touristischen Pfaden befinden, sind die Gassen besonders herausgeputzt. Fotos kosten dann sogar schon mal 2-5 marokkanische Dirham, also ca. 20-50 ct. Die umliegenden Berge lassen die blauen Häuser am Berghang noch schöner erscheinen. 

Chefchaouen Aussicht
Aussicht von der spanischen Mosche auf Chefchaouen

Blau, blau, blau

Die Mauern und Häuser sind in unterschiedlichen Blautönen gestrichen, mal in kräftigem Azurblau, mal in Pastelltönen. Die Farbpigmente gibt es in den Läden zu kaufen und jeder mischt sich sein eigens blau.

Ob die blauen Gassen von Chefchaouen nun Tradition haben oder mehr touristische Attraktion sind, sei dahin gestellt. Seit rund 20 Jahren sind alle Häuser nach und nach in Blau getüncht und bringen den Tourismus in die Stadt.

Volubilis, römische Antike in Marokko

Nicht weit von Chefchaouen liegt die römische Stätte Volubilis. Wir nehmen den archäologischen Exkurs in unser Programm mit auf. Wann sieht man sonst schon Monumente aus der Antike, vor allem in Marokko? Uns interessiert die Geschichte, was die Römer hier überhaupt suchten und besichtigen die Stätte in der morgendlichen Sonne. Das Ticket kostet 70 MAD pro Person.

Römisches Imperium auf afrikanischen Boden

Volubilis hatte seine Blütezeit um 200 n. Chr. zur römischen Kaiserzeit. Die fruchtbare und wasserreiche Gegend verschaffte Volubilis zum Reichtum. Güter wie Korn und Öl, aber exotische Tiere wie Löwen oder wertvolle Hölzer wurden nach Rom exportiert.

Wir erkunden innerhalb von 2-3 Stunden die Stätte auf eigene Faust. Kleine Tafeln und Lagepläne geben einem Auskunft, natürlich wurde uns am Eingang auch ein Guide angeboten.

Wir sind erstaunt über die gut erhaltenen Säulen, Bögen und Monumente, wie die Basilika oder das Atrium. Während der Kolonialzeit in den 1970ern begannen die Ausgrabungen von Franzosen, 1997 wurde die Stätte als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt und zählt zu den besterhaltenen Monumenten der römischen Antike Nordafrikas.

Zedernwälder und Berberäffchen bei Ifrane im Mittleren Atlas

Ifrane liegt am Fuße des Mittleren Atlas auf 1.650 m Höhe. In den kühlen Monaten zwischen Oktober und März kann, wenn es Schnee hat, Ifrane für besser betuchte Marokkaner das „St. Moritz Marokkos“ sein. In den Sommermonaten ist Ifrane dagegen ein kühles Ausflugsziel. Der moderne, elitäre Ort Ifrane interessiert uns aber weniger und wir bewegen uns im Nationalpark bei Ifrane

Wanderung zur 1000 jährigen Zeder

Von unserem Campingplatz aus wandern wir los. Wir schließen uns einem Hirten mit seiner Schafherde und den 3 Hirtenhunden an. Wir gehen vielleicht nicht den vorhergesehenen Wanderweg, haben aber dafür nette tierische Begleitung.

Von der Schafherde verabschieden wir uns und tauchen tiefer in den Wald ein. Zuerst sehen wir nur Steineichen, dann ab 1.600 m Höhe wächst die Atlas Zeder. Gewaltig hohe Bäume mit dickem Stamm und Ästen, die seitlich und dann senkrecht in die Höhe wachsen – ein schöner Baum, die Zeder. Wie aus dem Nichts treffen wir auf eine Gruppe Berberäffchen. Wir wissen erst nicht, was uns erwartet. Sind sie Menschen gewöhnt und springen uns gleich an? 

Tiere auf Abstand halten und sich selbst schützen

Wir haben nicht die besten Erfahrungen mit den Makaken in Indonesien gemacht, was damals passiert ist, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen. 

Egal ob Hund, Katze oder Affe – frei laufende oder wilde Tiere können gefährlich werden. Die Tiere mit Händen und Füßen auf Abstand zu halten, kann noch zusätzlich für ungewollten Kontakt sorgen. Auch wenn die Gefahr gering ist, bei Kratz- oder Biss-Wunden von Tieren besteht in Marokko und anderen Ländern die Gefahr sich mit Tollwut zu infizieren. Im Worst Case – vielleicht auch erst Jahre später – kann dies für den Menschen tödlich enden.
Seit unserer Erfahrung auf Bali sind wir beide gegen Tollwut geimpft und meiden engen Kontakt mit Tieren. Zusätzlich machen wir es wie die Einheimischen ganz simpel. Bei Wanderungen oder Spaziergängen nehmen wir einen (Wander-)Stock mit. Tiere kennen oft dieses „Symbol“ und kuschen von alleine ohne ihn einsetze zu müssen. In Marokko haben wir den Ausdruck  „gsirr, gsirr“ gelernt, um Tiere anzutreiben bzw. zu verscheuchen, was so viel bedeutet wie „weiter, weg da“.

Doch diese Erfahrung soll eine gute sein. Wir halten Abstand zu den Affen und sie zu uns. Wir ignorieren und beobachten uns gegenseitig. Wir verhalten uns dezent, machen Fotos von den kleinen Äffchen wie sie am Boden nach Samen suchen, sich lausen oder in den Bäumen umherspringen.

Cèdre Gouraud

Angekommen bei der „1000 Jahre“ alten Zeder, der Cèdre Gouraud, sehen wir ein anderes Bild. Die Zeder ist eine typisch marokkanische Touristenattraktion. Man kann aus wenig – wir reden hier von einem abgestorbenen Baum – viel machen.

Cedre Gouraud
Die Cedre Gouraud als Attraktion

Auf dem Parkplatz stehen ein paar Reisebusse, Touristen kommen aus Frankreich, Belgien, Deutschland, genauso wie aus Marokko. Es gibt Stände mit viel Krimskrams, Fossilien, Mineralien und riesige (Zedern)Zapfen. Zeug, das man am besten nicht kaufen sollte, wenn man keine Probleme am Zoll haben möchte. 

Händler verkaufen Futter, propere, stämmige Berberaffen freuen sich und reißen den Touristen die Beutel nach 2-3 geduldigen Happen nur so aus der Hand. 

Uns erinnert das alles stark an Bali, an den Monkey Forest. Die an Touristen gewohnten Affen sind leider auch frech und gefräßig, was man ihnen nicht verübeln kann. Wir sind kein Freund von Tiertoursimus, umso schöner empfinden wir unser Erlebnis, dass wir heute im Wald haben.

Ausflug ins Umland von Ifrane

Nach dem Besuch der 1000 jährigen Zeder haben wir das Repertoire an Ausflügen in Gehweite bereits ausgeschöpft. Etwas planlos machen wir uns auf die Gegend mit dem Auto zu erkunden. Die Recherche nach Sehenswerten Zielen ergab einige Treffer. Doch unterwegs merken wir dass die Highlights in Marokko oft eine andere  Nummer sind. Ähnlich wie die abgestorbene Zeder müssen wir beim Anblick oft schmunzeln. 

So fahren wir weiter Richtung Nationalpark bei Khenifra und treffen das erste Mal auf die Armut in den Bergen. Berber haben hier ihre einfachen Lager aus Planen und Müll gebaut. Sobald unser Auto zu hören ist, kommen Kinder an den Straßenrand gelaufen. Winkend, oder mit den Fingern zum Mund andeutend, werden wir begrüßt. Berber-Frauen verkaufen ihre Lebensmittel wie Eier, Milch, Brot. Wir kaufen soviel wir brauchen und ein bisschen mehr. Der Kauf von 10 Eiern bei einer alten Frau mit den typischen Tätowierungen im Gesicht zeigt mir: Man spricht hier auch kein französisch mehr unbedingt, hier wird Tamazight, die Sprache der Berber gesprochen.

Die Quelle des Flusses Oum er-Rabia

Der Fluss Oum er-Rabia ist einer der wasserreichsten Marokkos. Aus seinem Lauf nimmt er mehrere Flüsse mit auf. Wer Marokko bereist, merkt schnell, Wasser ist wie ein Heiligtum, Wasser ist sprichwörtlich Leben. Das Quellgebiet ist ein beliebtes marokkanisches Ausflugsziel. Die Ufer sind gesäumt mit Terrassen direkt am Wasser. Marokkaner mieten sich gerne für einen ganzen Tag eine Terrasse und verbringen mit Teetrinken und Essen einen schönen Tag zusammen.

Oum er-Rabia
Einfache Hütten als beliebtes Ausflugsziel

Auch wir werden von einer Berber-Frau zu einer Terrasse geleitet. Als wir Platz nehmen heißt es dann nur mit Tajine. Teetrinken alleine reicht nicht hier verweilen zu dürfen, aber ohne Hunger im Bauch stehen wir wieder auf und verlassen die Terrasse. Am Campingplatz erfahren wir, dass man schnell nach einem Essen die Tagesmiete von mehreren hundert Dirham auf der Rechnung hat – gut, dass wir weiter sind!

Unser Start in Marokko begeistert und vom ersten Tag an. Wir werden die nächsten Wochen weiter im Landesinneren bleiben und erkunden Land und Leute.

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Martina

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