5.000 € teurer Affenbiss im Monkey Forest, Ubud – Wie war die Behandlung?

In Ubud passierte das Unglück – Marek wurde von einem Makaken gebissen und musste zur Behandlung ins Krankenhaus / Medical Center.
In diesem Artikel erfahrt ihr wie gefährlich ein Affenbiss sein kann, welche Kosten ein Affenbiss in einem Tollwut-Gebiet verursachen kann und wie die Behandlung auf Bali abläuft. Was ist also nach einem Affenbiss im Monkey Forest zu tun?

Affenbiss im Monkey Forest, Ubud, Bali
Affenbiss im Monkey Forest, Ubud, Bali

Monkey Forest in Ubud

Auf unserer Indonesien Rundreise haben wir auch einen Abstecher nach Bali gemacht. Wir waren insgesamt 3,5 Wochen unterwegs. Mehr als zwei Wochen auf Java und ca. eine Woche auf Bali. Unser Flug ging morgens um 7 von Yogyakarta nach Denpasar.
Vom Domestic Terminal in Denpasar haben wir direkt ein Taxi nach Ubud genommen, so dass wir gegen Mittag in unser Hotel einchecken konnten.

Das Monkey Forest Sanctuary in Ubud mit dem dschungelartigen Bewuchs und einigen heiligen Tempeln ist ein Touristenmagnet und lag nur wenige Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt. Wir entschieden uns, die Gelegenheit zu nutzen und eine der Touristen-Hauptattraktionen in Ubud zu besuchen. Der Eintritt kostet umgerechnet 4-5 €. Man gelangt dort hin, wenn man der Monkey Forest Road folgt.

Die Hauptattraktion und Namensgeber des Naturparks sind die ca. 700 Makaken, die sich frei im Park bewegen. Auch außerhalb des Parks begegnet man ihnen häufig.
Auf TripAdvisor findet man gemischte Bewertungen. Die einen finden den Monkey Forest wundervoll, andere warnen vor den aufdringlichen, frechen Makaken. Wir waren recht neutral, da wir Touristenmassen und -attraktionen gerne meiden.

Affenbiss inkl Entzündung wars nicht wert
Ich war vor 2 Wochen im Monkey Forest und bin leider ohne, dass ich Essen dabei hatte oder mit den Affen gespielt habe, richtig böse gebissen worden.

Anna Z auf Tripadvisor

600 aufdringliche, räuberische Makaken

Die Affen haben schnell gelernt, dass sie von Touristen gefüttert werden und dass sie von ihnen nichts zu befürchten haben. Die Wächter im Park tragen immer lange Stöcke bei sich und werden von den Affen nicht belästigt. Möglicherweise haben die Makaken gelernt, dass sie Menschen mit Stöcken meiden sollten, weil es sonst Ärger gibt.

Die Touristen hingegen geben Futter, und wenn nicht dann kann man gefahrlos an ihnen hochklettern und in den Rucksäcken nach Essbarem suchen. Je bunter der Rucksack, desto interessanter für die Räuber. Interessant ist auch alles, was blinkt, Tüten sowieso.

Der Affenbiss im Monkey Forest

Wir waren gerade einmal 2-3 Minuten im Monkey Forest – also an der ersten Kreuzung im Park, da passierte es auch schon. Marek wurde gleich von zwei Makaken angegriffen. Zwei Affen kletterten flink auf seine Schultern.

Im Nachhinein war uns klar, warum die Affen auf uns aufmerksam wurden – der gelbe Rucksack von Marek. Vermutlich triggered die gelbe Farbe die Affen. Beide Makaken versuchten den Rucksack zu öffnen, waren damit aber nicht erfolgreich.

Verärgert begann der Affe, in meinem Kopf zu beißen. Sein Raubzug war aufgrund des verschlossenen Rucksacks nicht erfolgreich. Marek vermied es, sich zu bewegen, weil er befürchtete, dass der Affe noch stärker zubeißen würde. Der Affenbiss im Monkey Forest erwies sich später als nicht besonders tief, trotzdem war die Wunde blutig.

Wunde am Kopf nach Affenbiss im Monkey Forest
Insgesamt hatte Marek zwei Wunden von den beiden Eckzähnen. Eine größere und eine kleine rechts daneben

Wir begaben uns direkt zum Ausgang und wurden zu einer kleinen Ambulanz im Park geschickt, wo die Mitarbeiter des Monkey Forest uns beruhigten und die Wunde nicht gerade sorgfältig säuberten. Sie sagten auch gleich die offizielle Geschichte, welche die zahlreichen Gebissenen beruhigen soll.

Man hat nach einem Affenbiss im Monkey Forest nichts zu befürchten. Die Affen haben keine Tollwut, sie werden häufig getestet.

Mitarbeiter im Monkey Forest

Dr. Google

Nach dem Ereignis hatten wir keine Lust mehr auf den Monkey Forest und gingen zurück in unser Hotel. Dort recherchierten wir intensiv und schnell war uns klar, dass so ein Biss nicht unterschätzt werden darf.
Es gibt immer wieder Fälle von Tollwut auf Bali. Seit dem ersten Auftreten der Krankheit auf Bali sind einige 100 Menschen daran verstorben. Die Fälle lassen sich meistens auf Hundebisse zurückführen.
Denkbar und nicht unwahrscheinlich ist, dass ein tollwütiger Hund einen Affen beißt, der dann zum Überträger der Krankheit wird.
Uns war bewusst, dass das Risiko nach einem Affenbiss bei unter 1‰ liegt, aber wir hatten so viel Respekt vor dieser schweren Krankheit, dass wir nichts riskieren wollten.
Schnell fanden wir eine Privatklinik in Ubud und fuhren mit unserem Roller hin.

Vorsicht bei Eigendiagnosen

Man sollte sich auf keinen Fall auf die Eigendiagnosen verlassen. Es sollte immer ein Arzt hinzugezogen werden.

Die Behandlung in der Ubud Care Clinic

In der Ubud Care Clinic hat man das Thema sehr ernst genommen. Ein Affenbiss im Monkey Forest kommt wohl häufig vor. Nach dem Gespräch mit dem Arzt wurden die Wunde zunächst Minutenlang gereinigt. Die Tetanusimpfung wurde bei Marek aufgefrischt.

Ubud Care
Ubud Care Clinic

Uns wurde gesagt, dass es genaue Pläne gibt, nach denen die Tollwut Behandlung abläuft. Dabei unterscheidet man zwischen bereits gegen Tollwut geimpften und ungeimpften Personen.

Prä- und Postexpositionsprophylaxe

Verkürzt kann man sagen, dass je nach Schwere und Lokalisation der Verletzung, nach vorhandener oder nicht vorhandener Tollwut-Immunisierung unterschiedliche Behandlungen und Impfungen verabreicht werden. Mehr zu den WHO Impfempfehlungen kann man hier nachlesen: rki.de.
Wer also schon einmal gegen Tollwut geimpft wurde, also die Tollwut-Grundimmunisierung hat, der benötigt neben der gründlichen Säuberung der Wunde wahrscheinlich nur zwei Impfdosen in einem Abstand von drei Tagen.

Tollwut Impfstoff auf Bali
Der Tollwutimpfstoff, der Marek verabreicht wurde

Wer dagegen noch nicht geimpft wurde, der benötigt je nach Impfschema ca. 5 Impfungen an den Tagen 0,3,7,14 und 28. Drei der Impfungen habe ich auf Bali in Ubud und Canggu machen lassen, zwei in Deutschland.
Zusätzlich ist die Gabe von Tollwut-Immunglobulin nötig. Die Menge hängt vom Körpergewicht ab. Marek brauchte mit seinen 82 Kg zwei Imfdosen / Einheiten des sehr teuren Lebend-Impfstoffs.

Diagnose nach Affenbiss im Monkey Forest, Bali
Diagnose und Behandlungsplan

Das Tollwut-Immunglobulin sollte in oder nah bei der Wunde gespritzt werden. Bei Marek waren das an die 10 Spritzen in die dünne Haut am Hinterkopf. Das war zusammen mit dem Biss des Makaken das Unangenehmste an der ganzen Sache.

Für uns war es ein ziemlicher Schock, als man uns sagte, was das Immunglobulin kostet. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass das Tollwut-Immunglobulin dermaßen teuer ist.
Am Ende hat die Behandlung insgesamt 4.900 € gekostet. Alleine für Bezahlung des Tollwut-Immunglobulin mussten wir 8 Mal per Kreditkarte bezahlen, weil das allgemeine Limit für solche Transaktionen bei 10.000.000 Rupiah liegt.
Marek hatte im Vorfeld seine Bank in Deutschland vorgewarnt und Kontakt zu seiner Auslandskrankenversicherung aufgenommen. Die Kosten wurden in Deutschland größtenteils erstattet. Man sollte alle Rechnungen und den Behandlungsplan sorgfältig aufheben, da die Versicherung zu Recht Kopien bzw. Originale einfordert.

Detaillierte Kosten der Behandlung

EuroInd. Rupiah
Eintritt Monkey Forest4,5080.000
Untersuchung, Säuberung der Wunde und Tetanusimpfung 21 350.000
3 Tollwutimpfungen88 1.500.000
2 Impfdosen HyperRab Tollwut-Immunglobulin4.70580.000.000

Fazit

Eine Reisekrankenversicherung ist ein absolutes Muss, wenn man Nach Südost Asien reist. Gefährlicher als die Makaken in Indonesien ist zum Beispiel das Fahren mit dem Motorroller. Das Geld wurde uns von unserer Versicherung ersetzt und wir können uns deswegen glücklich schätzen. Der Affenbiss im Monkey Forest hätte aber auch beinahe unseren Indonesien Urlaub beendet.

Wir hatten wohl recht großes Glück, weil das Tollwut-Immunglobulin in ausreichend großer Menge und schnell verfügbar war. Wir befürchteten nach dem Lesen diverser Internetartikel, dass es notwendig sein würde nach Malaysia zu fliegen, um dort das Immunglobulin zu besorgen. Es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, dass ein solches Medikament in einem 3-Welt Land verfügbar ist.

Lohnt sich der Monkey Forest?

Unserer Meinung nach überhaupt nicht. Viel zu viele Makaken, die jede Scheu vor Menschen verloren haben und aggressiv Futter einfordern.
Der Dschungel / Wald an sich mit den Tempelanlagen wäre wunderschön.
Man muss sich aber immer im Klaren darüber sein, dass man jederzeit von Makaken angesprungen und möglicherweise verletzt werden kann. Tollwut ist bei weitem nicht die einzige Krankheit, mit der man sich dabei anstecken kann.

Wie ist Eure Meinung zu dem Affenbiss im Monkey Forest? War unsere Reaktion völlig übertrieben? Wie würdet Ihr mit dem Risiko umgehen? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.


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Marek
Marek

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Artikel: 35

Ein Kommentar

  1. Hallo Marek,
    meine Frau und ich waren kürzlich ebenfalls auf Bali und was soll ich sagen 1 Tag vor Abflug in die Heimat, haben wir uns ebenfalls aufgemacht den Monkey Forest zu besuchen. Wir haben bewusst den letzten Tag vor Abflug gewählt für den Fall, dass etwas passiert und der Impfstoff nur in Singapur zur Verfügung stünde. Aber long story short ist mir genau das Gleiche passiert wie dir. Zwei Makaken belagerten meinen Rücken, der eine versuchte sich Zugriff auf den verschlossenen Rücksackinhalt zu verschaffen während der andere auf mir Wache hielt. Nachdem der Räuber kläglich scheiterte versuchte er noch meine Frau anzugreifen, als ich ihr die GoPro reichte. Wir waren informiert, dass man nicht in Panik verfallen dürfe und man sich generell langsam weiterbewegen sollte für den Fall, dass ein Affe auf einen springt. Nachdem ich mich langsam zu meiner Frau begab um ihr den Rucksack zu überreichen ist es dann auch kurz danach geschehen. Der Makake fixierte meinen Kopf mit seinen Fingern, schaute links an mir vorbei (vermutlich zur Antäuschung) und biss mich danach rechts und mittig in den Kopf. Danach ähnelt die Prozedur wie von dir geschildert. Die Krankenstation war keine 5m vom Tatort entfernt und niemand vom Personal war weit und breit zu sehen. Eine Wunde wurde mehr schlecht als recht gereinigt und es wurde uns prompt mitgeteilt, dass man sich keine Sorgen machen müsse, da die Affen alle 6 Monate geimpft werden (Beleg durch ein fragwürdiges Zertifikat), dass es noch nie einen Tollwutfall im Monkey Forest gab (Beleg über einen Brief von einem Niederländischen Tierarzt) und dass selbst die Mitarbeiter im Park häufiger gebissen werden und nichts mit ihnen passiert ist. Darüber hinaus musste ich mich noch in einem „Unfall“-Buch einschreiben, damit der Vorfall auch dokumentiert wurde.

    Nichts desto trotz sind wir danach in die 12min entfernte Unicare Klinik gewandert, um alles abzuklären. Dort wurde uns dann gesagt, dass man die Bisswunden am Kopf auf keinen Fall unterschätzen sollte, da der Abstand der Wunde zum Kopf/Gehirn doch sehr gering ist und dass es nie auszuschließen ist, dass die Affen im Tempelgelände nicht doch die Tollwut haben könnten. Da der Affe eine blutige Wunde gebissen hatte, fiel diese Wunde in die WHO Kategorie 3 und somit absolut behandlungsnotwendig! Danach gings dann wie bei dir los… Tetanusauffrischung, weil die letzte 10 Jahre her war, Immunglubolin gemessen am Körpergewicht (zwei Ladungen an den Bereich der Bisswunden, der Rest ging in beide Oberschenkel) und da in der Klinik der Impfstoff nicht vorhanden war, wurde ein zusätzlicher Arzt aus Kuta informiert, der dann Abends im Hotel vorbeigesehen hat, um die Impfdosis zu setzen.

    Pro und Contra: Unterm Strich sind meine Frau und ich ebenfalls der Meinung, dass der Monkey Forest nicht wirklich lohnt, da die Makaken (so wurde uns mitgeteilt) durch den Corona-Lockdown nicht mehr an Touristenmassen gewöhnt sind und sich dadurch schneller gestresst fühlen, was sie ein Stück weit unberechenbarer macht. An sich ist die Tempelanlage schon sehr schön anzusehen, obwohl eine Großzahl der Bereiche bei unserem Besuch auch gesperrt waren. Was aber positiv zu vermerken ist, war die unkomplizierte und zuvorkommende Unterstützung der Klinikmitarbeiter und der Ärztin bzw. des Arztes. Auch wenn der freizügige Umgang meiner Handynummer unter den Kliniken/Ärzten aus europäischer Sicht etwas fragwürdig war, bin ich froh, dass mir schnell und unkompliziert geholfen wurde.

    In Deutschland war es dagegen wesentlich schwieriger in einer angemessenen Zeit und Form durch Notaufnahmen und Hausärzte die notwendigen Informationen, Termine und Behandlungen zu erhalten, um die Impfkette einzuhalten und abzuschließen.

    Abschließend hoffe ich, dass du den Vorfall gut überstanden und keine nachträglichen Probleme davongetragen hast.

    Grüße aus der Pellenz

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