Werkzeug für den Camper-Ausbau und die Planung

Auf einen Blick

Für den Camper-Ausbau brauchst du keine Profi-Werkstatt. Akkuschrauber, Stichsäge und Exzenterschleifer decken einen großen Teil der Arbeit ab. Bei der Elektrik gehören Crimpzange mit Ratsche und ein einfaches Multimeter zur Pflichtausstattung – hier wird nicht improvisiert. Spezialwerkzeug lieber leihen oder gebraucht kaufen, statt neu zu kaufen.

Was du wirklich brauchst – und was nicht

Wer die Instagram-Reels der Ausbau-Profis sieht, könnte meinen, ohne Festool-Tauchsäge und Lamello-Fräse geht gar nichts. Die Realität sieht anders aus: Du baust kein Haus. Du schraubst Möbel in einen Blechkasten. Mit drei Geräten geht der Großteil der Arbeit.

Akkuschrauber (18V)

Vergiss die kleinen 10,8V-Kompaktgeräte. Du bohrst Löcher in Metall und versenkst hunderte Schrauben – das braucht Drehmoment. Ein 18V-Gerät von Makita, Bosch Blau oder DeWalt hält ewig. Zwei Akkus kaufen. Nichts nervt mehr als eine Zwangspause, weil der Saft leer ist.

Stichsäge

Im Van ist fast nichts gerade. Radkästen sind rund, Holme gebogen, Fensterausschnitte sowieso. Die Stichsäge deckt 90% aller Schnitte ab. Den Rest – große Platten, lange Geraden – lässt du im Baumarkt zusägen. Entscheidend sind die Sägeblätter: ein billiges Blatt verläuft und franst aus, ein gutes („Clean Cut“) spart stundenlanges Schleifen danach.

Exzenterschleifer

Schnittkanten glätten, Oberflächen vor dem Ölen anschleifen, Roststellen bearbeiten – von Hand ist das Sträflingsarbeit. Ein Exzenterschleifer mit Klett-Scheiben kostet nicht viel und spart dir Tennisarme.

Elektrik: Hier wird nicht improvisiert

Bei Holz sieht ein Fehler nur blöd aus. Bei Elektrik brennt der Bus ab. Wer Kabelschuhe mit der Kombizange quetscht, baut sich eine Brandgefahr ein – die Verbindung wird locker, der Widerstand steigt, das Kabel wird heiß. Eine Crimpzange mit Ratsche öffnet erst, wenn der Druck stimmt. Kostet etwa 30 EUR. Dazu ein einfaches Multimeter für 15 EUR: Spannung prüfen, Plus und Minus finden, Kurzschluss ausschließen. Mehr brauchst du im Ausbau nicht.

Was du dir sparen kannst

WerkzeugWarum nicht?Alternative
Kapp- und GehrungssägeRiesig, schwer, steht 90% im WegHandsäge + Schneidlade (ca. 10 EUR)
OberfräseFür Anfänger ein Frust-GeneratorSchleifpapier für Kanten, Platten fertig kaufen
TischkreissägeVölliger Overkill für ein EinzelprojektPlatten im Baumarkt zusägen lassen

Beim Baumarkt-Zuschnitt: Transporter vorher ausmessen, Schnittplan mitnehmen, zusägen lassen. Das ist millimetergenauer, als du es in der Garage hinbekommst.

Spezialwerkzeug: Leihen statt kaufen

Für den Fensterausschnitt brauchst du einen Blechknabber, für die eine Stelle einen Gewindeschneider. Kauf so etwas nicht neu. Erstmal im Bekanntenkreis fragen – irgendjemand hat immer das eine Werkzeug, das seit drei Jahren im Keller steht. Alternativ im Baumarkt leihen. Oder der eBay-Weg: Gebrauchtes Markenwerkzeug kaufen, für den Ausbau nutzen, danach wieder verkaufen. Der Wertverlust bei einer guten Makita ist minimal – oft billiger als jede Miete.

Unsere komplette Werkzeug-Liste

Wer die Kurzfassung hat, findet unten die vollständige Liste unserer Werkzeuge inklusive konkreter Produktempfehlungen – für alle, die trotzdem mehr wollen als das Minimum.

Unsere Werkstatt ist mittlerweile gut gefüllt. Im Laufe der Zeit sind viele Sägen, Schrauben und Bohrer dazugekommen. Dabei haben wir bei Weitem nicht alles neu gekauft. Wir achten immer auf Warehouse Dealz oder kaufen gebrauchtes Werkzeug bei Kleinanzeigen.

Dabei sollte man allerdings auf die bekannten Markennamen wie Metabo oder Bosch achten. Die alten Maschinen sind immer noch besser als neue China-Ware. Wenn möglich, sollte man auch bei Werkstatt-Auflösungen zuschlagen. Im Folgenden zeigen wir euch unsere Ausstattung für Planung und Umsetzung.

Auf der Straße gebaut
Wir haben teilweise auf der Straße ausgebaut

Wenn man keine Vanlife-Werkstatt und keinen Stromanschluss hat, dann sollte man in Akku-Geräte investieren. Mit denen kann man auch auf der Straße werkeln. So haben wir das häufig auch gemacht. Mit diesem Werkzeug haben wir unseren günstigen DIY Campervan aus- und umgebaut.

Software

Für die Visualisierung und die Planung benutzen wir verschiedene Tools. Unsere Lieblingsapp ist dabei auf jeden Fall die Item Engineering WebApp. Es muss nichts installiert werden – die WebApp läuft im Browser. Unsere Campingboxen und die Küchenbox haben wir damit geplant.

Visualisierung mit Procreate
Scribblen und visualisieren mit Procreate

Für die Visualisierung unserer Projekte und für Instagram und Pinterest verwenden wir Procreate auf dem iPad Pro.

Item Engineering Tool
Procreate (iPad)
SketchUp

Sicherheit und Arbeitsschutz

Werkstatteinrichtung

Wir haben keine große Werkbank aufgelistet. Die kann man sich sehr gut selbst bauen. Eine große Tischplatte (zum Beispiel von Kleinanzeigen) und zwei Unterstellböcke benötigt man für die einfachste Variante.

Sägen

Bohren, Fräsen und Schrauben

Bosch GSR 18v-21 Professional (Akku-Bohrschrauber)

Holz-Oberflächenbearbeitung

Messwerkzeuge

Schraubsets

Spezifisches VW-Werkzeug

Die Schrauben im T5 sind keine Torx und auch keine Innensechskant, sondern „Vielzahn“. Man sollte es auch nicht mit vorhandenen Torx oder Innensechskantschlüsseln versuchen. Das war eine gute Lektion für uns.

Rostbehandlung

Mit einem Lackstift haben wir kleine Schadstellen an der Motorhaube behandelt.

Nähwerkzeug

Zum Nähen benutze ich eine alte Haushaltsnähmaschine. Die Investition in eine neue professionelle Nähmaschine rückt immer wieder in den Hintergrund, da eine Haushaltsnähmaschine für Näharbeiten wie Matratzenbezüge und Verdunklungsmatten absolut ausreicht.

Marek

Marek

Marek, 1977 in Kieferstädtel, Schlesien geboren, ist Outdoor-Enthusiast und kreativer Tüftler aus Moosburg. Angefangen hat alles mit Familien-Camping- und Surftrips in Frankreich. Seine Reise ins Vanlife begann mit einer einfachen Notwendigkeit – dem Ersatz seines alten VW Golfs – und führte ihn in die Welt der Campervans. Zusammen mit Martina hat er zwei Vans ausgebaut – Franzek 1 (VW T5) und Franzek 2 (Citroën Jumper), über 85.000 km zusammen. Drei Marokko-Reisen später dokumentiert er DIY-Projekte, Routen und praktische Erfahrungen auf franzek.com und YouTube. Autor von "Marokko mit dem Camper" (Amazon).

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3 Kommentare

  1. Oh ja, das gute alte Werkzeug… man glaubt kaum, was da doch an Kosten auf einen zukommt, wenn man seinen „Werkzeugkoffer“ für das Camping zusammenstellt. Ich bin auch der Überzeugung, dass man Qualitätsware kaufen sollte, ansonsten kauft man immer wieder. Lieben Dank für die vielen guten Tipps!

    LG Chris

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