Genug von Marokkos Inland – von Aït-Ben-Haddou nach Sidi Kaouki

Nach einigen Wochen in Marokkos Inland mit unserem Campervan schleicht sich eine Reisemüdigkeit ein. In dem Artikel Über die Passstraße Tizi n’Tazazert mit dem Campervan ohne Allrad könnt ihr weitere Eindrücke vom Inland Marokkos nachlesen. Nach all den schönen Eindrücken sind wir aber auch erschöpft. Wir brauchen einen Szenenwechsel. Dennoch ist es für uns nach wie vor die richtige Entscheidung, dem Inland von Marokko so viel Aufmerksamkeit zu schenken – nur so erleben wir das Land auf authentische Weise.

Die letzten Wochen durch das Atlasgebirge waren zwar ruhig, aber auf fast schon unangenehme Weise. Nur wenige Touristen verschlägt es ins Hinterland. Durch die lange Corona-Zwangspause und weiter geschlossenen Grenzen ist der Tourismus eingeschlafen und noch nicht wieder überall aufgewacht. Ohne Touristen sind Campingplätze und Hotels 2 Jahre lang leer gestanden und haben kein Geld eingebracht – man kann sich vorstellen, dass für Einheimische, die vom Tourismus leben, das ein schweres Schicksal ist. Im Herbst 2022 sind wir oft die einzigen Gäste auf Campingplätzen.

Mit unserem kleinen Campervan und dem Leben vor dem Auto sind wir nicht nur Wind und Wetter ausgesetzt, sondern auch viel mehr Land und Leuten. Durch den eingebrochenen Tourismus ergreifen Campingplatzbetreiber, Händler, Guides oder Einheimischen die Chance Geschäfte zu machen. Oft stehe ich unbewusst unter Strom, überrumpelt von der Gastfreundschaft und manchmal auch misstrauisch der doch kostenpflichtigen Angeboten? Doch das gehört auch mit dazu, zu einer Reise durch Marokko!

Karte mit Route durch Marokkos Inland mit dem Campervan
Unsere Route durchs Inland von Marokko bis an die Küste

Mehr Informationen zu unserer Reiseroute:
Unsere gesamte Reiseroute „3 Monate Sabbatical mit dem Campervan“ kannst du auf Polarsteps nachvollziehen.

Als Szenenwechsel entscheiden wir uns für die Küste. Die 500 km nehmen wir auf Etappen in Kauf. Von Agdz fahren wir nach Ouarzazate, die 80.000 Einwohner Stadt hat einen Carrefour, auf den wir schon sehnlichst warten. Wir decken uns mit den ein oder anderen europäischen Produkten ein und geben ein kleines Vermögen für Alkohol in der Cave aus. Gut versorgt geht es zu unserem ersten Zwischenstopp am Fuße des Hohen Atlas, nach Aït-Ben-Haddou.

Filmkulisse Aït-Ben-Haddou in Marokkos Inland

Unser Weg an den Atlantik führt uns nach Aït-Ben-Haddou. Die Kleinstadt ist auf einem Hügel gebaut, umringt von einem ausgetrockneten Flussbett. Das Besondere an dem Ort ist die gut erhaltene Lehmbausiedlung, die als Filmkulisse für einige Jesus-Filme bis hin zu Game of Thrones diente. Die Beliebtheit des Ortes erkennt man an den ankommenden Reisebussen. Touristen aus Marrakesch und Agadir machen ihre geführten Tagesausflüge.

Wir genießen es in den Touristenströmen förmlich unterzugehen und sind etwas stolz auf uns, dass wir ohne Guide umherlaufen. Wir fragen uns oft, wie wohl der Eindruck von Marokko nach einem zweiwöchigen All-inclusive-Urlaub mit Tagesausflügen sein mag? Aït-Ben-Haddou ähnelt einem Freiluftmuseum, ein touristisches Labyrinth aus engen Gassen, Geschäften und Verkäufern. Vieles ist für den Besuch der Touristenströme inszeniert – für unseren Geschmack etwas zu viel und man sieht die Schönheit der Architektur vor lauter Waren nicht.

Unser Stellplatz ist auf dem Parkplatz eines Restaurants und hat alles, was wir brauchen: Eine Toilette und ein Waschbecken. Die Aussicht auf Aït-Ben-Haddou ist jedenfalls unschlagbar und besser als am ummauerten Campingplatz am anderen Ende des Ortes.

Stellplatz mit Ausblick auf Ait ben Hadou
Aussicht auf Aït-Ben-Haddou

Glamping im Umland von Marrakesch

Von Aït-Ben-Haddou fahren wir 3 Stunden weiter Richtung Küste und landen im Umland von Marrakesch. Auf unserer Reise vor 3 Jahren besuchten wir die mittelalterliche Millionenstadt und wissen: Das brauchen wir kein zweites Mal. Wie ihr wisst, Städtetrips sind nicht so unser Ding und Marokkos Großstädte haben einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen.

Wir bleiben eine Nacht auf einem Campingplatz im Umland von Marrakesch, der zu einem luxuriösen Hotel gehört. Nach all den Erlebnissen der letzten Wochen für uns ein ganz schönes Kontrastprogramm. Pool und Restaurant beäugen wir aber nur aus der Ferne.

Sidi Kaouki an der Atlantikküste

Sidi Kaouki ist ein Ort an der Küste, an dem wir uns vor 3 Jahren pudelwohl gefühlt haben! Der kleine Surferort liegt 25 Km südlich von Essaouira und ca. 3 Autostunden von Marrakesch entfernt. Mit nur wenigen tausend Einwohnern und ein paar Unterkünfte für Touristen ist der Ort entspannt und bietet alles, was man braucht.

Unser Campingplatz hat noch denselben Betreiber, Ali. Morgens dreht er die Runde und verkauft Brot, doch Ali ist entspannt und nicht aufdringlich. Wir genießen es altbekanntes, um uns zu haben, auch wenn der halbe Campingplatz leider eine Baustelle ist. Wir laden unsere Batterien auf und machen vor allem Ordnung im Van: Wäschewaschen mit der Waschmaschine, Auto putzen und auf dem Campingplatz chillen!

Ein Spaziergang durch Sidi Kaouki ist immer ein Erlebnis. Esel und Kamele gehören zum Erscheinungsbild dazu. Der Strand ist weitläufig, abends spielen Kinder und Jugendliche miteinander Fußball. Die Möglichkeiten für Ausritte auf Pferd oder Kamel sind immer gegeben – auch Quads bedauerlicherweise!

Markant am Strand von Sidi Kaouki ist das weiße Haus, das auf einem Felsen am Ende des Sandstrandes ins Meer hineinragt. Für uns auf den ersten Blick nicht zu erkennen, dass es sich um ein Mausoleum handelt. Darin befindet sich das Grabmal eines islamischen Heiligen, einem Marabout. Anfangs vermutet, dass „Sidi“ wie „Playa“ ein Begriff für Strand ist, verstehen wir auf der Reise durch Marokko immer mehr, wie sich Ortsnamen zusammensetzen. „Sidi“ oder „Mulay“ lassen sich in vielen Ortsnamen finden und sind eine männliche Anrede, wie „mein Herr“ und deuten auf Grabmäler bekannter Heiliger hin.

Arganien und hochwertige Öle

Die Umgebung um Sidi Kaouki und Essaouira ist besonders bekannt für die dort wachsenden Arganien. Die Bäume wachsen fast ausschließlich in Marokko und die Früchte der Bäume, die Argannüsse, sind daher sehr wertvoll! Aus gerösteten Nüssen wird das hochwertige Speiseöl, aus unbehandelten Nüssen das noch wertvollere kosmetische Öl hergestellt. Weitere Produkte sind Seifen für Körper und Haare, Cremes, aber auch „Amlou“ ein Aufstrich aus Mandeln, Arganöl und Honig. Die Produktion geschieht immer öfter in sogenannten Arganölkooperativen, in denen die Arbeit der Frauen angemessen honoriert wird.

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Martina

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